Betrachtet man das Balgequartier historisch, ist es wohl eines der bedeutendsten für die Bremer Geschichte. Benannt nach dem ehemaligen Fluss Balge, war es am Fuße der Düne der erste Ankunftsort für Kaufleute und Besucher, die über den Fluss kamen. Heute ist die Balge nicht mehr zu sehen, doch die Gebäude, die für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt so wichtig waren, stehen noch immer – und sollen gemeinsam ein neues Quartier formen.
Eingang in das Balgequartier: das Johan Jacobs Haus

Das Johan Jacobs Haus bietet den Eingang in das historische Balgequartier. Foto: Schlie
An allen Ecken wird im Balgequartier gebaut, egal ob außen oder hinter den Fassaden tut sich etwas. Zwischen Obern- und Martinistraße sollen vier große Bauprojekte das Aussehen des Viertels prägen. Den Aufschlag machte bereits 2020 das Johan Jacobs Haus an der Obernstraße.
„Wir bieten hier den Eingang zum Quartier der historischen Giebel“, erklärt Kai Ladebeck, Geschäftsführer Immobilien bei der Johan Jacobs GmbH. Das Stammhaus der Marke Jacobs wurde in seiner historischen Art und Weise wiedererrichtet.
Für Ladebeck steht die Aufenthaltsqualität im Fokus, insbesondere auf den Plätzen, die sich hinter dem Jacobs Haus ergeben haben oder noch geschaffen werden sollen: „Wir haben uns gefragt, was hat Bremen an dieser Stelle nach dem Krieg verloren und was gilt es nun zurückzugewinnen.“
Nächster Mieter im Essighaus in kürze
Das Essighaus, direkt hinter dem Jacobs Haus, feierte im vergangenen Jahr Richtfest. In mühevoller Kleinstarbeit wurden alte Fassadenelemente des ehemaligen Wohnhauses der Kaufmannsfamilie Esch in die neue Fassade des Essighauses eingefügt.
Inzwischen ist bereits Einzelhandel ins Erdgeschoss eingezogen. In zwei Wochen soll dort das nächste Restaurant eröffnen, wo ab 1830 Essig hergestellt wurde. „Mit Beets and Roots haben wir ein Konzept gefunden, das uns überzeugt und das uns in der Innenstadt an der Stelle noch gefehlt hat“, meint Ladebeck. Die Vermarktung der Flächen sei beinahe abgeschlossen, betont Ladebeck.
Nutzung der Stadtwaage noch unklar
Anders sehe dies bei der Stadtwaage direkt neben dem Essighaus aus. „Das ist leider noch ein Stück weit Zukunftsmusik“, so Ladebeck. Obwohl sich das Gebäude mitten im Quartier befinde, verbiete die Polizei derzeit noch die Nutzung. Der Grund: Brandschutz. Wann die Projektentwicklung an dem historischen Gebäude weitergehen kann, sei noch unklar. Möglich sei jedoch ein weiterer Mix aus Handel und Gastronomie, auch über mehrere Etagen hinweg.
Schmuckstück im Balgequartier: das Kontorhaus

Vollzug vermelden kann Ladebeck hingegen in Sachen Kontorhaus. Das Restaurant Bona’me soll im April eröffnen, und auch darüber hinaus blickt Ladebeck positiv auf die weitere Vermietung von Flächen. „Wir sind in Gesprächen mit verschiedenen Anbietern, Hifi, Musikinstrumente, Literatur, da wird ein toller Mix entstehen“, so Ladebeck.
Abgerundet werden soll das Kontorhaus durch das Stadtmusikantenhaus, das 2027 im Kellergeschoss eröffnen soll, während im Obergeschoss das Literaturhaus sein neues Heim findet. Im Erdgeschoss solle dann ein „dritter Ort“ entstehen, der offen für alle sei, erklärt Ladebeck.
Hier wäre konsumfreies Aufhalten möglich, beispielsweise um zu arbeiten, zu lesen oder sich mit Freundinnen und Freunden überdacht zu treffen.
Anlieger gründen BID für das Balgequartier
Nach der Vermietung der Flächen sei die Entwicklung jedoch noch nicht abgeschlossen. Das gesamte Quartier soll weiter aufgewertet werden, unter anderem durch einheitliche Beleuchtung. Auch soll der ehemalige Flusslauf der Balge sichtbar gemacht werden.
„Entweder durch eine Installation oder durch einen echten Wasserlauf“, so Ladebeck. Um die Kosten zu verteilen, schließen sich die Anlieger des Balgequartiers zu einem Business Improvement District (BID) zusammen.
Spätestens im August soll der BID die Gremien der Bürgerschaft durchlaufen haben, heißt es von Seiten des Wirtschaftsressorts. Rund 2,6 Millionen Euro bringen die Anlieger ein, Geld vom Staat komme keines, erklärt Ladebeck. „Das zeigt, welch einmaliges Engagement wir hier an der Stelle haben, um dieses Quartier zu entwickeln“, schließt Carolin Reuther von der City Initiative.





