Gleich mit drei Schildern macht ein Kiosk an der Sögestraße auf sich aufmerksam. Kein Wunder, die Konkurrenz für Kioske ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Foto: Schlie Gleich mit drei Schildern macht ein Kiosk an der Sögestraße auf sich aufmerksam. Kein Wunder, die Konkurrenz für Kioske ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Foto: Schlie
Kioske

Die Kiosk-Welle schwappt in die City

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Seit 2022 ist die Anzahl der angemeldeten Mini-Shops in Bremen stark gestiegen

Noch schnell eine Limonade holen und sich dann an die Weser setzen, ohne den Vollsortimenter durchqueren zu müssen, oder in den späten Abendstunden fix einen Snack nach Ladenschluss besorgen – Warum ein Kiosk viele Vorteile hat, liegt auf der Hand.

In vielen deutschen Städten gehören sie fest zum Stadtbild. In Berlin hat sich gar eine Spätikultur entwickelt, die per Gesetz geregelt ist. Nachdem in Bremen jahrelang die Zahl der Kioske im Stadtgebiet zurückging, dreht sich seit 2022 der Trend um – mit Folgen.

Zahl der Kiosk-Läden steigt stark an

Nachdem vor vier Jahren rund 161 Kioske in Bremen gemeldet waren, stieg ihre Zahl 2024 auf 231, zu Beginn dieses Jahres schließlich auf 327, bestätigt Christopher Schönhagen, Sprecher von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt.

Unterm Strich ergibt das einen Anstieg von rund 50 Prozent. Genaue Angaben, welche Stadtteile besonders betroffen sind, hat das Ressort nicht. Augenscheinlich betroffen sind jedoch die Östliche Vorstadt und das Viertel. „Auch in der Innenstadt und in A-Lagen haben sich in den letzten Jahren mehr Kioske angesiedelt“, so Schönhagen.

Wirtschaftsressort kennt keine Gründe

Gründe für den Anstieg könne das Ressort nur vermuten, so der Sprecher: „Allgemein lässt sich aber sagen: Kioske sind häufig Kleinstbetriebe mit vergleichsweise niedrigen Einstiegshürden.

Günstige Rahmenbedingungen wie niedrige Mieten spielen bei Gründungen natürlich eine Rolle.“ Das ist auch mit Blick auf die Szeneviertel anderer Städte kaum verwunderlich. Nun schwappt die Kiosk-Welle jedoch auch über den Wall in die Innenstadt.

Handelskammer sieht Pro und Contra bei Kiosk-Ansiedlungen

Die Handelskammer Bremen sieht diese Entwicklung differenziert. An Orten, an denen Kioske die Nahversorgung ergänzen, seien Neuansiedlungen generell sinnvoll, erklärt Olaf Regener, Referent für Einzelhandel der Handelskammer Bremen.

Die starke Zunahme von Kioskbetrieben bringe jedoch auch Herausforderungen mit sich, da sich das Branchengefüge und damit das Erscheinungsbild der zentralen Geschäftslagen verändere. „Insofern sind einzelne Entwicklungen auch mit Sorge zu betrachten“, so Regener.

Mini-Shops in der Sögestraße als Strukturwandel

In der City ziehen Kioske auch an exponierten Stellen wie der Söge- oder Obernstraße in Flächen, die zuvor spezialisiertem Einzelhandel vorbehalten waren. „Das spiegelt einen fortlaufenden Strukturwandel wider“, meint Regener Für die Handelskammer sei es wichtig, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit diese Fachbetriebe bleiben und zugleich Leerstände vermieden werden, so Regener.

„Eine vorausschauende Stadtplanung und Flächenpolitik sollte darauf abzielen, die Vielfalt und Attraktivität der Handelslandschaft in allen Stadtteilen und Quartieren gleichermaßen zu sichern“, so Regener.

Der Trend könnte bleiben

Im Wirtschaftsressort geht man mit Blick auf andere Städte davon aus, dass Kioske Teil des Stadtbildes bleiben werden. „Insofern lässt sich die Entwicklung in Bremen auch als Angleichung an eine Entwicklung betrachten, die in vergleichbaren Städten seit Jahren zu beobachten ist“, schließt Schönhagen.

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