Am kommenden Sonntag, 8. Februar, jährt sich der Geburtstag der Malerin Paula Modersohn-Becker zum 150. Mal. Sie hinterließ rund 750 Bilder und über 1.000 Zeichnungen – und einen bleibenden Einfluss, der bis heute nachwirkt. Anlässlich dieses Jubiläums befassen sich das Paula Modersohn-Becker Museum in der Bremer Böttcherstraße und die vier Worpsweder Museen mit ihrem Leben und Wirken. Bereits am Samstag öffnen die Museen ihre Ausstellungen „Becoming Paula“ in Bremen und „Impuls Paula“ in Worpswede mit freiem Eintritt für alle Besucherinnen und Besucher von 11 bis 18 Uhr. Auch zwei Filmproduktionen geben Einblick in das Leben der Künstlerin.
Paula und ihre Freunde in der Böttcherstraße
Das Paula Modersohn-Becker Museum in der Bremer Böttcherstraße verfügt gemeinsam mit der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung über die umfangreichste öffentliche Sammlung ihrer Werke. Im Rahmen der Ausstellung „Becoming Paula“ versammelt das Museum auf seiner gesamten Fläche zahlreiche Werke der Künstlerin, Tagebucheinträge und Eindrücke ihres Alltags.
Doch auch ihre Wirkung auf andere Kunstschaffende findet Raum: So befasst sich ein Areal mit dem Freundeskreis Modersohn-Beckers, ein anderes mit solchen Kunstwerken, die von Modersohn-Beckers Schaffen inspiriert sind. Bei der Ausstellung gehe es „nicht um die Person Paula Modersohn-Beckers, es geht um die Projektionsfläche“, so Frank Schmidt, Direktor des Paula Modersohn-Becker Museums.
Worpsweder Museen nähern sich Modersohn-Becker unterschiedlich
Die vier beteiligten Museen in Worpswede folgen einem ähnlichen Ansatz: Hier nimmt jedes Haus ein Werk Modersohn-Beckers als Ausgangspunkt, um Arbeiten aus ihren Sammlungen thematisch zusammenzustellen und die Aktualität Modersohn-Beckers zu diskutieren.
So befasst sich die Ausstellung „ich bin/du bist. Menschenbilder“, die im Barkenhoff zu sehen ist, mit der Frage, wie sich die Darstellung von Menschen in Porträts über die Zeit wandelte – und welche Rollen der Zeitgeist, Individualität und Selbstinszenierung dabei spielen. Fragen, auf deren Beantwortung Paula Modersohn-Beckers Ziel, mit ihren Porträts nicht bloß das Aussehen, sondern das Wesen der Porträtierten einzufangen, bedeutenden Einfluss hatte.
In der Großen Kunstschau stellt man sich unterdessen unter dem Motto „Respekt!“ die Frage, welche ethischen Implikationen dem Verhältnis von Malerin und Gemalten innewohnen. Ausgangspunkt ist hier das Gemälde einer entblößten Bäuerin, deren Unwohlsein Modersohn-Becker bemerkte, künstlerisch einfing und auch persönlich in ihrem Tagebuch reflektierte. Eine solche Auseinandersetzung „habe ich bei keiner anderen Künstlerin gefunden“, berichtet Kurator Stefan Borchard.
Nähe und Nacktheit spielen auch bei „Hautnah. Inès Longevial“ in der Worpsweder Kunsthalle eine tragende Rolle. Gesichter, zarte Gesten oder nachdenkliche Stimmungen prägen Longevials oft großformatige Arbeiten. Ihre ersten Berührungspunkte mit Modersohn-Becker entdeckte Longevial während des Corona-Lockdowns, als eine Freundin sie auf Parallelen zwischen Modersohn-Beckers und Longevials Kunst hinwies. Nun sind Longevials ebenso zarte wie eindrückliche Arbeiten zum ersten Mal in einer Einzelausstellung in Deutschland zu sehen.
Das Haus im Schluh, gegründet von Modersohn-Beckers Freundin Martha Vogeler, widmet sich in „Angewandt. Frau + Design“ den Arbeiten von 15 erfolgreichen Künstlerinnen aus Textilkunst, Mode, Porzellan, Keramik, Silber, Messing, Werbegrafik und Fotografie von 1920 bis heute. Ausgangspunkt der Ausstellung sind Modersohn-Beckers wenig bekannte Gehversuche im Textildesign. Diese nimmt das Haus im Schluh zum Anlass, von Frauen geschaffene Designkunst zu präsentieren.
Dokumentation, Kinofilm und weiteres Programm
Doch nicht nur die Ausstellungen bieten Kunstinteressierten die Möglichkeit, sich mit Modersohn-Beckers Arbeit und Aktualität auseinanderzusetzen: Auch eine bald erscheinende Dokumentation und ein Kinofilm nähern sich ihrem Leben und Wirken.
In beiden Produktionen verkörpert Schauspielerin Katharina Stark die Malerin. Beide Filme spielen an Originalschauplätzen in Worpswede, dokumentarische und spielerische Elemente greifen ineinander und ergänzen sich gegenseitig.
Die Dokumentation „Paula Modersohn-Becker. Keine Kompromisse“ gibt es am Sonntag, 8. Februar, um 16.45 Uhr bei Arte zu sehen und wird anschließend für 30 Tage in der Arte-Mediathek abrufbar sein. Zu Wort kommen neben Experten zu Modersohn-Beckers Leben auch Künstlerinnen und Künstler, deren Werke in den Ausstellungen zu Modersohn-Becker zu sehen sind. Der Kinofilm „Paula Modersohn-Becker – Wer weiß schon, was ein Leben ist“ erscheint planmäßig im Herbst.
Über das gesamte Jahr hinweg finden zusätzlich zahlreiche Veranstaltungsformate rund um Modersohn-Becker statt: Ob Fahrradtour, Führungen, Kooperationen mit Packhaus- und Figurentheater Bremen oder eine öffentliche Fachtagung zu kritischen Positionen in der Künstlerinnenforschung – das Spektrum ist weit gefächert. Eine Übersicht über alle Veranstaltungen gibt es online unter paula150.de/mehr-paula





