Versiegelte Flächen gibt es in Bremen an vielen Ecken. Der Wettbewerb „abpflastern“ soll Eigentrümer motivieren den Beton aufzubrechen. Foto: Schlie Versiegelte Flächen gibt es in Bremen an vielen Ecken. Der Wettbewerb „abpflastern“ soll Eigentrümer motivieren den Beton aufzubrechen. Foto: Schlie
Abpflastern

Wettbewerb gegen den Beton

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Bremen pflastert ab: Wie der überregionale Wettbewerb gegen Versiegelung vorgehen will

Ungefähr 47 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen sind in Bremen nach Angaben des Hitzechecks der Deutschen Umwelthilfe versiegelt. Dadurch gehen wichtige Bodenfunktionen verloren: Regenwasser versickert schlechter, Asphalt heizt sich im Sommer schneller auf und die Bodenfruchtbarkeit sinkt. Die rot-grün-rote Koalition hatte sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, einen Entsiegelungsplan anzulegen. Die Ziele: neues Straßenbegleitgrün anlegen, Parkplätze entsiegeln und Rasengitter anlegen. Der Wettbewerb „Wir pflastern ab“ soll nun ein erster partizipativer Schritt in diese Richtung sein.

abpflastern – Vorbild ist die Niederlande

Vorbild des deutschlandweiten Wettbewerbs sind die Niederlande. „Insbesondere während der Corona-Pandemie ist aus dem Entsiegeln ein Sport geworden“, sagt Jasper Meya, Referatsleiter bei der Senatorin für Umwelt und Klimaschutz.

Im Mittelpunkt stehen vor allem private Flächen. Vorgärten, Garagenhöfe oder Parkplätze – Flächen, die nicht unbedingt versiegelt sein müssten, gebe es laut Meya genug. Ziel des Wettbewerbs ist es, genau diese Flächen aufzubrechen und wieder in Grünflächen zu verwandeln. Ob mit Gras oder zunächst nur mit Rasengittersteinen, bleibt den Eigentümern überlassen. Angesprochen werden nicht nur Hausbesitzer, sondern auch Kirchengemeinden, Schulen, die Gewoba, Hansewasser und weitere Großanlieger in Bremen.

Offiziell beginnt der Wettbewerb am 21. März und läuft bis zum 31. Oktober. Wer Flächen abpflastert, soll diese auf der Website abpflastern.de melden. Die entsiegelte Quadratmeterzahl wird dann der Stadt angerechnet. „Unser Ziel ist es, schon an Hamburg vorbeizuziehen“, sagt Meya.

Bremen will vorbei an Hamburg

Zum Vergleich: Hamburg entsiegelte im vergangenen Jahr 1.432 Quadratmeter. Da im Wettbewerb auch Bevölkerungsgröße und Landesfläche eine Rolle spielen, hätte Bremen ein Äquivalent von rund 450 Quadratmetern entsiegeln müssen, um gleichzuziehen, erklärt Meya.

Doch auch die Gestaltung nach der Entsiegelung spielt eine Rolle, erklärt Meya. Ein besonders positives Beispiel sei der Garten der Evangelischen Wilhadi-Gemeinde in Walle. Statt eines Parkplatzes ist dort nun eine „grüne Oase“.

abpflastern richtet sich an Privatpersonen

Öffentliche Flächen sollen zunächst nicht Teil des Wettbewerbs sein. „Vielleicht können wir drei bis vier öffentliche Flächen bereitstellen, die dann gemeinsam abgepflastert werden, aber in kleinem Rahmen“, erklärt Meya. Zudem eignet sich nicht jede Fläche für eine Entsiegelung. Das Umfeld der Waterfront wirkt von außen wie eine Betonwüste, eine Entsiegelung ist wegen der Altlasten der AG Weser im Boden jedoch nicht möglich.

Während der niedrigschwellige Wettbewerb im Beirat Östliche Vorstadt gut aufgenommen wird, gibt es Kritik am Fehlen öffentlicher Flächen. „Wir haben bereits eine ganze Liste an Orten, die entsiegelt werden könnten“, sagt Ortsamtsleiterin Astrid Verena Dietze und verweist auf den Mecklenburger Platz.

Für große Entsiegelungsprojekte im öffentlichen Raum seien die Planungs- und Umsetzungskapazitäten beim Umweltbetrieb und dem Amt für Straßen und Verkehr derzeit jedoch nicht vorhanden, meint Meya. Das Umweltressort prüft jedoch, wie man die Bremerinnen und Bremer, die am Wettbewerb teilnehmen, unterstützen könne. „Möglich ist zum Beispiel, dass wir die abgepflasterten Steine und Platten an mehreren Terminen gesammelt abholen“, schließt Meya.

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