kriminalstatistik högl-70prozent marcus schmidt Zwischen weniger Diebstahl und mehr Gewalt: Innensenatorin Eva Högl (M.), die Leiterin des Kriminalamtes Petra van Anken (l.) und Polizeipräsident Dirk Fasse stellten Bremens Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 vor. Foto: Marcus Schmidt
Kriminalstatistik

Mehr Gewalt gegen Polizei und zu Hause

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Weniger Einbrüche, weniger Raub, weniger Diebstahl und die Polizei in Bremen klärt mehr Fälle auf.

Bremens neue Innensenatorin Eva Högl spricht anfangs von „guten Nachrichten für Menschen in Bremen“ in der neuen polizeilichen Kriminalstatistik: „Die Zahlen zeigen: Der Einsatz der Polizei Bremen wirkt. Weniger Einbrüche, weniger Raub, weniger Diebstähle – und eine Aufklärungsquote, die über dem Durchschnitt der vergangenen 25 Jahre liegt.“

Den positiven Entwicklungen stehen jedoch auch besorgniserregende Anstiege bei Gewaltdelikten gegenüber: „Der Ton in unserer Gesellschaft ist rauer geworden. Das merken wir auf der Straße, das merken wir in den Familien, und das merken auch unsere Einsatzkräfte jeden Tag. Diese Entwicklung macht mir Sorgen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Gewalt und Aggression zur Normalität werden“, sagt Högl.

Als sogar „dramatisch“ stuft sie die wachsende Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten ein. Im Land Bremen sind im Jahr 2025 insgesamt 94.401 Straftaten abschließend in die Statistik eingeflossen. Das sind 10.983 Fälle weniger als im Vorjahr – ein Rückgang um 10 Prozent. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote auf 49 Prozent und liegt damit über dem Durchschnitt der vergangenen 25 Jahre (47 Prozent). In der Stadt Bremen sank die Zahl der Straftaten um 11 Prozent auf 79.494 Fälle, die Aufklärungsquote stieg auf 48 Prozent (Vorjahr: 45 Prozent)

Weniger Raub und mehr junge Räuber ermittelt

Ein Dutzend Beispiele: Auch bei den Raubdelikten wirken – laut Statistik – die Maßnahmen der Polizei Bremen. Etwa der Einsatz der Mobilen Wache und einer temporären Videoüberwachung an sogenannten Hotspots wie der Breminale, dem Freimarkt und der Osterwiese. In der Stadt Bremen sanken die Raubdelikte um 12 Prozent von 1.118 auf 982 Fälle. Die Aufklärungsquote stieg von 42 Prozent im Vorjahr auf 49 Prozent.

Beim Straßenraub ging die Zahl um 10 Prozent von 625 auf 564 Fälle zurück. Hier kletterte die Aufklärungsquote auf 38 Prozent – weit über dem Zehn-Jahres-Durchschnitt von 30,9 Prozent. Die seit September 2023 eingerichtete Soko „Junge Räuber“ bleibt damit auch weiterhin ein Erfolgsmodell. Bisher wurden 1.643 Ermittlungsverfahren geführt, davon 1.090 aufgeklärt – eine Quote von 66 Prozent. 526 Tatverdächtige wurden ermittelt, 98 Haftbefehle erwirkt, davon 83 vollstreckt.  „Die ‚Soko Junge Räuber‘ ist ein voller Erfolg. 83 Haftbefehle vollstreckt, 526 Tatverdächtige ermittelt. Wir wollen, dass die Menschen in Bremen sicher sind – auf der Straße, am Bahnhof, in der Innenstadt. Deshalb führen wir die Soko fort“, so Högl.

Wohnungseinbrüche sind zurückgegangen

In der Stadt Bremen konnte die Zahl der Wohnungseinbrüche um 17 Prozent auf 1.002 Fälle gesenkt werden (Vorjahr: 1.202). Fast jeder zweite Einbruch blieb im Versuchsstadium. Die Aufklärungsquote erreichte mit 12 Prozent einen Höchstwert im Zehn-Jahres-Vergleich (Vorjahr: 8 Prozent). Vor zehn Jahren lag die Zahl der Wohnungseinbrüche noch bei 2.600. Polizeipräsident Dirk Fasse: „Die erneut gesunkenen Zahlen bei Wohnungseinbrüchen und die gestiegene Aufklärungsquote sind gute Signale: Unsere Präventions- und Ermittlungsarbeit zeigt Wirkung.“

Kinder sind die Schwächsten

Der sexuelle Missbrauch von Kindern steig um 7 Prozent von 145 auf 155 Fälle. Die Aufklärungsquote lag bei 84 Prozent. 93 Prozent der Täter sind Männer, ihr Durchschnittsalter liegt bei 31 Jahren. „Kinder sind die Schwächsten in unserer Gesellschaft. Jeder einzelne Fall erschreckt mich“, so die Högl und erklärt:  „Dass die Aufklärungsquote hoch ist, zeigt, dass die Polizei hier genau hinschaut.“

Häusliche Gewalt stieg um elf Prozent

Die Partnerschaftsgewalt stieg um 11 Prozent von 1.797 auf 2.002 Fälle. Rund 80 Prozent der Opfer sind weiblich, die Täter fast immer männlich. Bei der innerfamiliären Gewalt ist ein Anstieg um 7 Prozent von 830 auf 885 Fälle zu verzeichnen. Högl: „Bei häuslicher Gewalt ist jeder Fall einer zu viel. Die Polizeien haben ein Hochrisikomanagement aufgebaut und den Opferschutz intensiviert.“  Ein wichtiger Baustein sein in Bremen die Gewaltschutzambulanz, die eine hohe Nachfrage nach rechtsmedizinischer Dokumentation nach Gewaltvorfällen unterstreiche.

Gewalt gegen Polizei und Retter „dramatisch“

Die Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte stieg um 60 Prozent von 384 auf 615 Fälle. Ausschlaggebend waren vor allem deutlich mehr Widerstandshandlungen und tätliche Angriffe. Die Aufklärungsquote lag bei 97 Prozent. Auch die Gewalt gegen Rettungskräfte bleibt auf hohem Niveau: 39 Fälle wurden registriert (Vorjahr: 38). Högl: „Polizistinnen und Polizisten gehen jeden Tag für uns in schwierige Situationen. Sie haben ein Recht darauf, nach dem Dienst gesund nach Hause zu kommen. 60 Prozent mehr erfasste Angriffe – das ist nicht hinnehmbar. Wir stehen hinter unseren Einsatzkräften und werden jeden einzelnen Fall konsequent verfolgen.“

Mehr Angriffe mit Messern

Die Zahl der Messerangriffe stieg um 36 Prozent von 389 auf 527 Fälle. In 250 Fällen wurden Messer im Zusammenhang mit Bedrohungen eingesetzt, die in Relation zum Vorjahr deutlich angestiegen sind. „Der Anstieg von Messerangriffen verdeutlicht auch weiterhin die Notwendigkeit von Waffenverbotszonen in Bremen.“, so die Mitteilung der Polizei,

CDU: „Weniger Straftaten, mehr Gewalt – das ist alarmierend“

„Natürlich freuen wir uns, dass Bremen sicherer geworden zu sein scheint, aber wir dürfen uns nicht täuschen lassen. Die Gewaltdelikte haben deutlich zugenommen, die Gesellschaft verroht zunehmend. Hier müssen wir entschieden gegensteuern“, sagt Marco Lübke, innenpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion Bremen.

Die FDP sieht „erschreckende Tendenz“

Dr. Marcel Schröder (FDP): „Der Senat verkauft die aktuelle Kriminalstatistik als Erfolg. Doch beim genaueren Hinschauen wird klar: Die Tendenz zu mehr Gewalt – wie gegen Polizisten, gegen Frauen – ist erschreckend. Bremen wird immer brutaler. Da müssen wir mit allen Mitteln gegensteuern.“

 

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