Der groß angelegte Belastungsversuch im vergangenen Sommer hat sich gelohnt. Anhand der Messungen des seinerzeit durchgeführten Experiments konnten Ingenieure nachweisen, dass die Bürgermeister-Smidt-Brücke weiterhin stabil genug ist, um von Straßenbahnen befahren zu werden. Noch besser: Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) kündigte an, die Wiederaufnahme des Straßenbahnverkehrs über die Brücke auch gleich mit einer Taktverdichtung auf mehreren Linien zu verbinden.
Zentrale Verkehrsachse
„Die Bürgermeister-Smidt-Brücke ist eine zentrale Achse für den öffentlichen Nahverkehr über die Weser. Mit der Freigabe für die Straßenbahnen ab dem 13. April verbessern wir das Angebot für viele Fahrgäste, die täglich zwischen Neustadt und Stadtmitte unterwegs sind“, kündigte Özlem Ünsal an. Die Verkehrssenatorin hatte es sich nicht nehmen lassen, die frohe Botschaft persönlich zu verkünden.
Auslöser für die vor anderthalb Jahren angeordnete Sperrung der Brücke für Straßenbahnen waren vorgeschriebene statische Nachberechnungen gewesen. Diese hatten eine theoretische Überbelastung verschiedener Brückenteile ergeben. Experimentell konnte diese Berechnungen nur widerlegt werden. „Beim Belastungstest konnte keine übermäßige Verformung der Bauteile festgestellt werden“, erklärt Rick Graue, Leiter des Amtes für Straßen und Verkehr (ASV). „Die Kräfte haben sich anders verteilt.“
600 Millionen Daten
Bei dem Belastungstest im August 2025 waren verschiedene Fahr- und Begegnungssituationen simuliert worden. Umfangreiche Messungen hatten dabei rund 600 Millionen Daten geliefert, die anschließend von den Ingenieuren bewertet werden mussten. „Mit der nun vorliegenden fachlichen Bewertung steht fest: Straßenbahnverkehr ist auf der Bürgermeister-Smidt-Brücke unter klar definierten Auflagen wieder möglich“, so Graue.
Konkret bedeutet das: Es bleibt bei Tempo 30 für alle Verkehrsteilnehmenden, und für den öffentlichen Personennahverkehr gilt ein Abstandsgebot von 100 Metern für alle Kombinationen aus Bussen und Straßenbahnen je Fahrtrichtung. Begegnungsverkehr ist anders als auf der Wilhelm-Kaisen-Brücke jedoch möglich. Der Pkw-Verkehr bleibt einspurig je Richtung, da eine Öffnung einer zweiten Fahrspur nach derzeitigem Stand keinen verkehrlichen Mehrwert bringen würde, laut Verkehrsressort aber zusätzliche Nachteile für das Bauwerk mit sich bringen könnte.
Mehr Fahrten auf den Linien 1, 4 und 6
Die BSAG nutzt die Gelegenheit, um ab dem 13. April einen weiteren Teil der Stufe 1 der Angebotsoffensive zu realisieren. So soll die stark genutzte Linie 1 (etwa 58.000 Fahrgäste pro Tag) zur Hauptverkehrszeit künftig alle siebeneinhalb statt alle zehn Minuten fahren. Da die Linie 1 dann nicht mehr über die ebenfalls nur begrenzt belastbare Wilhelm-Kaisen-Brücke fahren muss, können dort mehr Fahrten der Linien 4 (künftig alle fünf Minuten) und 6 (alle sechs Minuten) stattfinden.
Die Linie 8 kann ebenfalls wieder über die Wilhelm-Kaisen-Brücke fahren. Allerdings erst ab 1. Mai. Grund sind Baumaßnahmen an anderer Stelle. Die Linie 14 wird im Gegenzug wieder eingestellt.





