Guter Dinge zur Ausstellungseröffnung „Blüten und Blütenteppiche“ zeigen sich Laudator Rainer Schossig (links) und Ausstellungskünstler Hans Jürgen Wormeck. Foto: Armbrust
Osterholz-Scharmbeck

Parallele von Blüten und Menschen

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Noch bis 5. April: Ausstellung von Kunstverein-Gründer Hans Jürgen Wormeck auf Gut Sandbeck

Wer die Galerie von Gut Sandbeck betritt, dem sticht auf der gegenüberliegenden Rückwand ein zwei Meter mal zwei Meter großes farbenfrohes Gemälde ins Auge. Es heißt Besiedlung II. Gerade darauf ging auch Laudator Rainer Schossig bei der Eröffnung der Ausstellung „Blüten und Blütenteppiche“ ein. Er sagte: „Auf den verschiedenfarbigen Fassungen der großen Gemälde mit dem bezeichnenden Titel ‚Besiedelung‘ zieht Wormeck seine schönsten Parallelen zwischen Blüten und Menschen: Beide besiedeln ihr Land, die einen formen blühende Gärten, die anderen blühende soziale Gemeinschaften.“ 19 Arbeiten des Künstlers Hans Jürgen Wormeck stellt der Kunstverein Osterholz von Sonntag, 1. März, bis Sonntag, 5. April, aus.

Dieses Jahr sei für den Kunstverein ein besonderes Jahr, „weil es eben unser Jubiläumsjahr ist“, sagte Vorsitzende Katrin Schütte am vergangenen Sonntagvormittag. „50 Jahre gibt es jetzt den Kunstverein.“ Dabei sei Wormeck eine besondere Rolle zugekommen: „Er ist nicht nur ein wunderbarer Mensch, sondern auch ein Gründungsmitglied des Kunstvereins.“ Er habe den Verein mitgeprägt und begleitet.

Die Bilder sind auch kleinformatig, 50 mal 40 Zentimeter, gehalten in Öl auf Leinwand, mit den Themen Lebensentwurf, oder als Radierung unter „Beinahunfall“, wie auch als Aquarell gemalt. Als Besucher sagte dazu der Erste Stadtrat Torsten Haß, dass er davon beeindruckt sei, wie unterschiedlich man Blüten darstellen könne.

Laudatio beruft sich auf „Das Werk“

In seiner Laudatio griff Schossig auf das gerade erschienene Buch „Das Werk“ von Wormeck zurück. Er zitierte daraus die Worte des Künstlers, dass ihm „das Bild, die Metapher des Blütenkelchs als lebendes Gefäß für die Universalität eines einzelnen Menschen eingegeben“ worden sei. „Alle umfassenden Kenntnisse von der Welt und ihren Wandlungen sind im Blütenkelch angelegt, aber sehr unterschiedlich von Blüte zu Blüte, keine Blumenwiese, sondern ein Heer von Menschen, dicht gedrängt oder vereinzelt.“ So hat Wormeck laut Schossig in seinem Buch definiert, was er beim Zeichnen oder Malen von Blumen und Blütenteppichen innerlich voraussetzt. „Keine Blumenwiesen, sondern ein Stück Menschenbild, wobei Menschen nicht als Stilblüten betrachtet werden, sondern schlicht als Teil der Schöpfung.“

Dabei ging der Redner auch auf die angewandten Techniken wie die Radierung ein. Ihm zufolge hat Wormeck schon früh begonnen zu radieren, zunächst in handlichen Formaten und mit grafischen Figurationen. In denen habe er persönliche Erlebnisse und Erinnerungen, Träume und Missverständnisse aufgegriffen. „Hans Jürgen schuf mit dem Griffel auf der Zinkplatte eine Unzahl phantastischer Szenen.“

Da findet sich nach den Worten des Laudators kindliches und pubertäres, tierisches und erotisches, mögliches und unmögliches, schräge Ballette von Figuren-Knäuels. Es gebe geheimnisvolle Metamorphosen zwischen Gebären und Sterben, Dämonen und Chimären, verschmitzte Visionen und enorme Epiphanien. Wie von einem roten Faden durchzogen wimmelten sie von lebenden Organismen, zumal Bäumen, Blumen und Kelchen, so Schossig.

„Diese Ausstellungseröffnung hat mir viel Freude bereitet“, sagte Wormeck abschließend. Es seien sogar viele ehemalige Schüler gekommen.

Bis zum 5. April ist die Ausstellung in der Galerie von Gut Sandbeck, Sandbeckstraße 13, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind sonnabends von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr. Eintritt wird nicht erhoben.

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