Yunus Çakar wurde im Januar als Linker Bürgermeisterkandidat aufgestellt. Nun legt ihm der Kreisverband der Linken einen Verzicht nahe. Çakar sieht sich laut eigenen Worten im Fadenkreuz einer „Rufmordkampagne“. Foto: Roskamp
Osterholz-Scharmbeck

Yunus Çakar meldet sich zu Wort

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Wie der bisherige Bürgermeisterkandidat der Linken die Berichterstattung über sich erlebt

Vor wenigen Tagen überschlugen sich die Ereignisse für die Linke OHZ und besonders für Yunus Çakar. Im Januar hatte die Fraktion den 34-Jährigen noch als ihren Bürgermeisterkandidaten für die Kreisstadt aufgestellt. Dann trudelte am Abend des 26. März eine Pressemitteilung des Linken Kreisverbands Osterholz ein: Die Fraktion forderte Çakar darin auf, auf seine Kandidatur zu verzichten. Wie kam es dazu?

Was bislang geschah

Am 25. März veröffentlichte die taz einen Artikel, in dem Çakar unter anderem als Mullah-Anhänger bezeichnet wird. Als erstes Indiz führt der Autor Çakars Teilnahme an einer Demonstration gegen den Krieg in Palästina vor etwa zwei Jahren an.

Noch am selben Tag baute der niedersächsische Landesverband der Linken Distanz auf. Unter dem Titel „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“ heißt es unter anderem „Die Vorwürfe gegen Yunus Çakar wiegen schwer. Verharmlosung autoritärer Regime wie des iranischen Mullah-Regimes sowie von Akteuren wie der Huthi-Bewegung steht im klaren Widerspruch zu den Grundwerten unserer Partei.“ Einen Tag später zog dann der Kreisvorstand Osterholz nach und wiederholte die Forderung des Landesverbands, Çakar möge auf seine Kandidatur verzichten. „Wir sehen uns zu diesem Schritt gezwungen, weil die aktuelle öffentliche Debatte eine sachliche, auf kommunale Themen fokussierte Wahlkampfführung unmöglich macht“, so der Kreisverband.

Keine internen Zweifel an Çakars Integrität

Gleichzeitig macht der Kreisverband in derselben Erklärung deutlich, dass man intern keinen Zweifel an Çakars Integrität hat. So wies er laut Erklärung „den Eindruck zurück, er solidarisiere sich mit dem iranischen Mullah-Regime, mit den Huthis oder mit antisemitischen Positionen.“ Er lehne außerdem das Mullah-Regime ab und betrachtet Kritiken seinerseits am militärischen Vorgehen der israelischen Regierung als legitime Regierungskritik. Dass Çakar beim Krieg in Palästina von einem Genozid gesprochen hat, wird durch Amnesty International gestützt, die Organisation ordnete den Krieg so ein. Ein wichtiger Punkt: „Jede Formulierung, die als Relativierung der Shoah verstanden werden könnte, ist falsch. Der Holocaust ist ein historisch singuläres Menschheitsverbrechen.“ Mit diesen Worten endet die Erklärung des Kreisverbands, dem in der Vergangenheit in Medienberichten Antisemitismus unterstellt wurde.

Çakars Sicht der Dinge

Und wie erlebt Yunus Çakar selbst die Situation? „Wir sehen mitten im Wahlkampf eine Rufmordkampagne gegen meine Person“, sagt er auf Nachfrage. Er werde sich nichtsdestotrotz „selbstverständlich auch weiterhin kommunalpolitisch und ehrenamtlich engagieren“. Zum Krieg und der Reaktion auf seine Teilnahme an Protestveranstaltungen sagt er: „Kritik an den Kriegsverbrechen Israels als ‚Antisemitismus‘ abzustempeln, verharmlost real existierenden Antisemitismus. Der Kampf gegen Rassismus jeglicher Art ist eine gesellschaftliche Hauptaufgabe. Beim Einsatz für Frieden dürfen wir keine nationalen oder ideologischen Unterschiede machen.“

Eine Bekanntgabe seitens Çakar bezüglich seiner Kandidatur steht noch aus.

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