Kein Sprach-Test für Flüchtlingskinder

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Grundschulleiterin Christiane Jakobs kritisiert die nicht
vorhandenen Cito-Tests für Flüchtlinge, Foto: Kemp

Die Förderbedarfe an den Hemelinger Grundschulen ist sehr unterschiedlich. Die aktuellen Berechnungen der Sozialindikatoren reichen für tatsächliche Zuweisungen nicht aus, kritisieren Beiratspolitiker­. Zudem gilt der Cito-Test (Sprachstands-Text) nicht für Flüchtlingeskinder, deshalb werdenden Grudnschulen keine zusätzlichen Förderstunden zugewiesen.

Viele Defizite an Schulen

Die letzte Hemelinger Beiratssitzung vor der Wahl hatte es in sich. Das Thema Schulen nahm – wie so oft in dieser Legislatur – viel Raum ein. „Wir haben im vergangenen Jahr alle Schulen besucht und viele Defizite festgestellt. Die Schulen fühlen sich nicht stark genug unterstützt“, erklärte Ortsamtsleiter Ullrich Höft zu Beginn der Sitzung. Die Orientierung an den Sozialindikatoren des Stadtteils oder des Ortsteils werde den Schulen nicht gerecht. Es müsse viel stärker um die soziale, gesundheitliche und Lebenssituation zugeschnittene Betreuungen geben, so der Beirat.

Das Problem des Datenschutzes

Daniel Keuper, Leiter der Statistik-Abteilung des Bildungsressorts, erläuterte, dass die Handhabung der Sozialindikatoren zwar nicht optimal, aber der zurzeit beste Weg sei, Bedarfe zu ermitteln. „Der Sozialindex des Ortsteils, in dem die Kinder leben, ist ausschlaggebend für die Förderzuweisungen an Schulen. Das System des Indexes mit 22 Kennzahlen wird noch weiterentwickelt“, erklärte Kneuper. Es sei nicht möglich, individuellere Daten, wie beispielsweise die Tatsache, ob Eltern der Kinder Sozialleis­tungen beziehen, zu erheben. „Das hat datenschutzrechtliche Gründe“, so Kneuper, der zudem überzeugt ist, dass der Migrationshintergrund für Bildungsfragen nicht sehr relevant ist.

„Cito ist für uns ein Reizwort“

Kneuper erklärte außerdem, dass es für die Sprachförderung zusätzliche Mittel gebe. Dazu werde der Sprachstandstest Cito herangezogen. Dieser wird vor der Einschulung eingesetzt. Gibt es an einer Schule besonders viele Kinder, die Sprachförderung benötigten, gebe es auch mehr Geld.

„Cito ist für uns ein Reizwort. Unsere Schule nimmt Kinder des bislang größten Flüchtlingswohnheims an der Ludwig-Quidde-Straße auf. Diese Kinder werden nicht bei Cito getestet. Sie kommen als Quereinsteiger des Schuljahres. Das heißt, sie werden für die Bedarfszuweisungen nicht berücksichtigt. Gleiches gilt für Konzepte, die Schulen mit großen sozialen Problemen für zusätzliche Sprachförderung einreichen können. Unsere Schule am Alten Postweg fällt da heraus, weil der Sozialindex des Ortsteils Hastedt nicht schlecht genug ist“, stellte Schulleiterin Chistiane Jakobs ihr Dilemma dar. Dennoch werde sie sich weiter bemühen, zusätzliche Mittel zu bekommen.

Flüchtlingskinder nicht erfasst

„Wie gehen wir denn damit um, dass Flüchtlingskinder offenbar beim Cito-Test nicht erfasst werden. Jetzt sollen Konzepte erstellt werden. Es wird dauern, bis die fertig sind. Damit wird wieder eine Entscheidung verschoben“, so Beiratssprecherin Gabi Bredow (SPD).

Etwas weniger diplomatisch drückte sich Hans-Peter Hölscher (SPD) mit Blick auf den Behördenvertreter aus: „Gehen Sie eigentlich auch mal in die Schulen oder machen Sie alles vom Rembertikreisel am grünen Tisch aus? Wir haben gesehen, wie die Zustände in den Schulen sind.“

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