Trotz Streit: Osterholz soll Dutzende Windräder bekommen

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Im Bereich Lange Heide sollen neue Windräder entstehen. Foto: Möller

Autark in der Energieversorgung will der Landkreis Osterholz will bis zum Jahr 2030 sein. Allein in diesem Jahr sollen dafür noch über 20 neue Windkraftanlagen genehmigt werden. Anwohner wehren sich gegen manche Großanlage, so beispielsweise in Heilshorn.

Lange hatten Gegner von Großwindkraftanlagen mit Höhen von bis zu 180 Metern darauf vertraut, dass ihnen irgendwie die Deutsche Flugsicherung zur Seite steht.

Weil die Himmelsbeobachter ein Funkfeuer in der Ortschaft Paddewisch im Landkreis Osterholz betreiben und im Umkreis von 15 Kilometern zunächst keine neuen Windparks dulden wollten, galt das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung als stiller Bündnispartner der Gegner größerer Windkrafträder: Es gab jahrelang Ebbe bei der Genehmigung neuer Anlagen.

Nun hat ein Anlagenbetreiber kurzerhand die Wiese mit der Radaranlage gekauft und den Flug­sicherern die Kündigung des Pachtvertrages angedroht. Die gaben darauf ganz schnell nach und verzichten nun auf den großen Sicherheitsabstand. Im Kreishaus herrscht darüber große Freude, Mitte Mai konnte der bisher verhinderte Windpark in Oldendorf mit seinen vier Anlagen genehmigt werden.
 

Windräder 850 Meter neben Wohnbebauung

Insgesamt sind noch 21 weitere Windräder im Genehmigungsverfahren, darunter am Standort „Lange Heide“. Gerade dort regt sich aber nach wie vor Widerstand gegen den Bau der Kolosse, die zum Teil nur 850 Meter von der Wohnbebauung entfernt entstehen sollen. Acht Windräder mit einer Höhe von jeweils 180 Metern, und je eine Anlage mit 100 sowie eine mit 130 Metern Höhe wären bis zu doppelt so hoch wie der Bremer Dom. Was die Kritiker besonders stört, ihr Wohngebiet in Heilshorn würde einer zu hohen Lärmbelastung ausgesetzt.

Man fürchtet, dass sich die Kreisverwaltung durch die Antragsteller mit von denen vorgelegten Schallprognosen täuschen lasse. Schon heute, sind sich die Einwender sicher, heulen die Rotoren der elf dort stationierten Windräder lauter als es den Annahmen der Windkraftbetreiber entspricht.

Diese Lärmvorbelastung fließt ihrer Ansicht nach nicht in die Gutachten der Windparkplaner ein. Ganz entscheidend für den Lärm, der bei ihnen ankommt, seien Windrichtung, und Wetterlage sowie die Tageszeit. Gerade nachts, wenn die meisten schlafen wollen, höre man die Rotoren.

Kreisverwaltung will Energiewende

In der Kreisverwaltung bleibt man guten Mutes, ein selbst gestecktes Ziel erreichen zu können: Bis 2030 soll im Landkreis Osterholz aus den erneuerbaren Energieformen Wind, Fotovoltaik und Biogas so viel Strom erzeugt werde, wie die Menschen hierzulande verbrauchen.

„Es gibt mehrere betroffene Anwohner und Initiativen, die sich mit Anregungen und Bedenken in das Genehmigungsverfahren eingebracht haben und von uns beteiligt werden“, räumt Kreishaussprecher Marco Prietz ein. Die dabei vorgebrachten Einwände und Bedenken würden „ernstgenommen und gründlich geprüft“. Nach derzeitigem Stand sei der Kreisverwaltung aber nichts bekannt, was dazu führen könnte, dass die Genehmigungen letztlich nicht erteilt werden können.

Abschließende Prüfungen zu bestimmten Details wie Abschaltzeiten im Hinblick auf Schallschutzfragen oder die Erschließung ständen aber noch aus. „Wir bleiben bei der Einschätzung, dass die Windenergieanlagen im Bereich „Lange Heide“ wie ge­plant tatsächlich realisiert werden“, so Prietz.

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