Upcycling: neue Kleidung aus alten Stücken selbst gemacht

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Renate Drögemüller (2.v.l) erklärt jungen „Upcyclern“, wie
man aus alten Jeans einen Rucksack macht. Fotos: Barth

Früher unvorstellbar, heute gang und gäbe: Kleidung einmal anziehen und wegwerfen. Für Renate Drögemüller vom Upcycling-Design-Label „Mormor„unerträglich. Von der pensionierten Lehrerin kann man lernen, wie man aus einem alten Hemd 30 neue Designstücke fertigt.

„Was glaubt ihr, wie viele neue Sachen man hieraus machen kann“, fragt  Drögemüller und zeigt ihren jungen Kursteilnehmern ein altes XXL-Herrenhemd.

Die Mädchen und Jungen zwischen zehn bis zwölf Jahren sind zunächst zurückhaltend: „vier“, „acht“ – der zwölfjährige Joshua setzt dann aber auf 13.

30 neue Sachen aus einem alten Hemd

Drögemüller, die regelmäßig Upcycling-Kurse gibt – Lehrgänge, in denen sie zeigt, wie man aus alten Textilien neue Kleidungsstücke und Gebrauchsgegenstände herstellt – verblüfft ihre Schneiderlehrlinge: „Es sind insgesamt 30.“

Von der Hose über ein schickes Kleid bis hin zu Weihnachtsbaumschmuck und Katzenspielzeug – Drögemüller verwertet Altkleider bis zur letzten Faser: „Das darf man doch nicht einfach wegschmeißen.“ Dabei war ein anderer Aspekt für Drögemüller Anlass, 2012 ihr Modelabel „Mormor“ (schwedisch Großmutter) zu gründen.

„Meine Enkelin brauchte für den Fasching eine schwarze Hose, um sich als Harry Potter zu verkleiden. Nachdem ich ihr eine bei „H und M“ gekauft hatte, wollte ich wissen, wie oft ich die waschen muss, um alle Chemikalien zu entfernen.“

Fünf Waschgänge als Faustregel

Johanna (10) zeigt, dass aus einem alten Hemd
ein neues Kleidchen entstehen kann.

Dabei lief die 68-Jährige von Institut zu Institut, ohne eine erschöpfende Antwort zu erhalten. Laut einer schwedischen Untersuchung gelten fünf Waschgänge als Faustregel.

Die pensionierte Lehrerin will aber nicht mit erhobenem Zeigefinger durch die Welt gehen: „Ich möchte das Bewusstsein für Konsum schärfen und Alternativen aufzeigen.“ Dafür sei das Nähen von Kleidung Mittel zum Zweck.

„Die Kurs­teilnehmer lernen so zu begreifen und zu handeln“, sagt Drögemüller. Und damit das möglichst viele lernen, arbeitet Drögemüller ohne Honorar: „Allerhöchstens nehme ich eine kleine Materialpauschale und bei langen Anfahrten etwas Kilometergeld.“

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