Theater Bremen: „Kafka kann auch Spaß machen“

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„Das Schloss“ feiert Sonntag Premiere. Foto: Landsberg

Das Theater Bremen will mit seiner Interpretation von Kafkas Stück „Das Schloss“ neue Wege gehen. Statt einem klassischen Schauspiel, wird ein szenisches Konzert aufgeführt. Es geht um Fremdsein, Rastlosigkeit und Leistungsdruck.

Er torkelt im Astronautenkostüm über die Bühne, stellt eine Fahne auf, sucht Orientierung. Die Musik jagt ihn von rechts nach links, er schnappt nach Luft. K, die Hauptfigur in Kafkas Stück „Das Schloss“ ist ein Fremder, der nicht willkommen ist.

Eigentlich will er auch nur zum Schloss am Ende eines Dorfes, das für ihn der Inbegriff der Macht ist. K ist ein rastloser Mensch, der einfach nicht aufhören kann mit der Suche nach Macht und Anerkennung. Doch als Fremder trifft er nur auf Ablehnung.

Es geht um Fremdsein, Ablehnung und Anerkennung 

„Das Thema ist hoch aktuell“, sagt Regisseur Alexander Riemenschneider. Zusammen mit dem tschechischen Autor Jaroslav Rudis hat er ein Stück auf die Beine gestellt, in dem Sprache und Musik verschwimmen. Anstelle des klassischen Handlungsstranges würde die kraftvolle Musik den Energiebogen des Stückes spannen, sagte Regisseur Riemenschneider. Auch die Sprache soll das Oberthema Fremde aufgreifen. „Wie in Kafkas Leben auch, wird zum Teil auf deutsch, zum Teil auf tschechisch gesprochen und gesungen“, sagt Riemenschneider.

Knapp 20 Menschen stehen auf der Bühne, vier Schauspieler, der Rest sind Musiker. Sie machen aus dem Stück ein imposant-berührendes Konzert. Die Musik untermalt die Emotionen der Darsteller, sie alle sind K, einen Hauptdarsteller gibt es nicht. „Wenn wir denken, haben wir viele Stimmen im Kopf, die sich voneinander unterscheiden“, sagt Riemenschneider. Wenn alle auf der Bühne K seien, würde das diese Prozesse wiederspiegeln.

 

„Kafka kann auch Spaß machen“

Die Idee für die Inszenierung entstand durch die Band. „Wir haben zu einer Kafka-Ausstellung in Stuttgart Musik gemacht, dann Lieder gespielt und Konzerte gegeben“, sagt Jaroslav Rudis. Bei einem Konzert in Bremen habe er dann gemeinsam mit Dramaturgin Viktorie Knotkova gedacht, dass man auch ein Theaterprojekt daraus machen könnte.

Für die Inszenierung am Bremer Theater habe die Band die Songs noch einmal komplett umgeschrieben. Die Schwere, Traurigkeit und Melancholie in Kafkas Stück könne sie besonders gut transportieren. Aber zuweilen auch die Leichtigkeit. Regisseur Riemschneider: „Während der Proben haben wir gemerkt: Kafka kann und darf  auch Spaß machen.“  

Premiere ist am Sonntag, 20. September um 18 Uhr im Theater Bremen.

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