Viele Kilometer oder Unfallschaden: Verkauf im Minutentakt

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Manfred Engelbart (M.) mit Bietern. Foto: Konczak

Wie es aussieht, wenn ein Autohaus seine Gebrauchtwagen an Wiederverkäufer und Exporteure versteigert: Unter den Hammer, der in diesem Fall ein Kugelschreiber ist, kommen Wagen, die entweder eine sehr hohe Laufleistung auf dem Kilometerzähler haben oder einen Unfallschaden aufweisen.

Würde das Unternehmen, das Autohaus Engelbart, die Wagen sie an Endverbraucher veräußern, müsste es Garantie geben. Das damit verbundene wirtschaftliche Risiko will man aber nicht eingehen. Deshalb werden die Fahrzeuge an Exporthändler verkauft. Die Rolle des Auktionators übernimmt Inhaber Manfred Engelbart selbst.

 „Früher hatten wir die Aufkäufer von Montag bis Freitag auf dem Hof stehen“, erklärt Manfred Engelbart. Die hätten dann bis zu drei Mitarbeiter gleichzeitig gebunden. Vor viereinhalb Jahren kam der Autohauschef dann auf die Idee, für diesen Kundenkreis eine Auktion zu veranstalten.

„Ich wollte meinen Verkäufern mal zeigen, wie man diese Autos verkauft“, sagt er. Die Veranstaltung funktionierte so gut, dass daraus eine feste Einrichtung wurde. Alle drei Wochen lädt Engelbart nun einen handverlesenen Kreis an Exporteuren ein und bietet ihnen die Autos exklusiv an. Dafür machen die Aufkäufer im Gegenzug auf ihrer täglichen Schnäppchenjagd einen Bogen um das Autohaus.

 

Versteigerung kommt nur langsam in Gang

Rund 50 Fahrzeuge stehen an diesem Morgen aufgereiht zur Versteigerung bereit. Neben Toyota sind auch andere Marken darunter. An die Windschutzscheibe haben Engelbarts Mitarbeiter jeweils Informationsblätter mit Fahrzeugtyp, Baujahr, Ausstattungsmerkmalen, Laufleistung und bekannten Schäden geklemmt. In den Fahrertüren stecken die Schlüssel. Die Händler nutzen die Gelegenheit, um sich einen schnellen Eindruck zu verschaffen. Punkt 10 Uhr fährt Manfred Engelbart vor, begrüßt seine Kunden mit Handschlag.

Dann geht es schnell zur Sache. 3.000 Euro ruft Engelbart für einen Opel Astra auf, doch die Käufer sind noch nicht warm. Keiner will ein Gebot abgeben. „Was ist los? Habt ihr kein Geld dabei?“, pflaumt Engelbart die Umstehenden an. „Zwei-zwei“, bietet einer, als er sich schon dem nächsten Wagen zuwenden will. „Dann lasse ich ihn lieber stehen“, behauptet Engelbart. „Was willst Du haben?“, bohrt der Interessent nach. „3.000, habe ich doch gesagt.“ „Jetzt mal im Ernst!“ „Zwei-neun“, bietet Engelbart an. „Das zahlt keiner“, meint der Bieter. „Dann bleibt er eben stehen“, entscheidet Engelbart und beendet damit die Diskussion.

Der Höchstbietende zieht den Schlüssel ab 

 

Beim nächsten Auto hat er mehr Glück. 1.000 Euro ruft er für einen Kia auf. 700 will der erste Interessent zahlen. Doch ein zweiter Bieter steigt ein. Bis 1.150 Euro schaukeln sich die beiden hoch. Dann erteilt Engelbart den Zuschlag. Er trägt den Preis in eine vorbereitete Tabelle mit den Fahrzeugen und den Namen der Auktionsteilnehmer ein. Der Höchstbietende zieht den Schlüssel ab. Die Fahrzeugpapiere bekommt er am Nachmittag im Büro, wenn er die Rechnung bezahlt.

Bei jedem Objekt be­ginnt der Poker aufs Neue. Für Autos aus dem Niedrigpreissegment findet sich immer ein Abnehmer. Bei hochwertigeren Fahrzeugen zögern die Händler. Nach einer knappen Stunde ist die Liste abgearbeitet. „Das war‘s“, sagt Engelbart. „Wir sehen uns in drei Wochen.“ Einer der Käufer will nachverhandeln. Er bietet 10.000 Euro für drei Autos, die keinen Abnehmer gefunden haben. Doch Engelbart bleibt hart. „Du hattest eben Deine Chance.“

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