Die Arbeitnehmerkammer zieht Bilanz zur Leiharbeit. Foto: WR Ingo Schierenbeck von der Arbeitnehmerkammer kritisiert die zunehmende Leiharbeit in Bremen. Foto: WR
Beschäftigung

Arbeitnehmerkammer kritisiert zunehmende Leiharbeit

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Die Arbeitnehmerkammer hält in ihrer Jahresbilanz fest: Zwar haben die Beschäftigungsverhältnisse in Bremen zugenommen, doch der Teufel liegt im Detail: Viele der Arbeitsplätze sind Leiharbeit und Frauen verdienen wenig.

Mehr als 4.212 neue sozialversichungspflichtige Arbeitsplätze sind 2015 laut Arbeitnehmerkammer in Bremen entstanden. “Wir begrüßen diesen anhaltend positiven Trend auf dem Arbeitsmarkt”, sagt Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer.

Auch im Verhältnis zum Bund habe Bremen wieder überdurchschnittlich abgeschnitten und in allen Bereichen Reallohngewinne verzeichnet. Allerdings zeigt sich, dass die positive Gesamtbilanz auch einige Schönheitsfehler aufweist: Mit 1.400 zusätzlichen Stellen in der Leiharbeit macht diese ein Drittel der neuen Arbeitsverhältnisse aus.

„Das ist bedenklich, weil Leiharbeit für die Beschäftigten oft ein Schleudersitz ist und in vielen Fällen nur eine unsichere Perspektive auf dem Arbeitsmarkt bietet“, so Schierenbeck.

Schlechter Verdienst der Frauen ist “Achillesferse”

Rückfragen bei Betrieben zeigten außerdem, dass Arbeitgeber zunehmend auf Werkverträge im tariflosen Raum ausweichen. „Wer die Leiharbeit gesetzlich wieder ein Stück weit regeln will, muss zwingend auch den ausufernden Einsatz von Werkverträgen begrenzen“, betonte Schierenbeck.

Ein weiterer Knackpunkt der Bilanz sei die nach wie vor schlechtere Bezahlung von Frauen. „Die Verdienste der Frauen in den personennahen Dienstleistungen sind und bleiben die Achillesferse des Bremer Lohngefüges“, so Elke Heyduck. Der Gender Pay Gap im Land ist unverändert hoch bei rund 25 Prozent.

Mindestlohn hat zu besseren Arbeitsplätzen geführt

„Was uns aber doch unangenehm überrascht hat, ist, dass Frauen in den typisch weiblichen Berufen der Erziehung, Pflege und Sozialarbeit nicht einmal den über alle Berufe gemessenen Lohndurchschnitt bekommen.“

Männer schon. Sie verdienen 32 Prozent mehr in medizinischen Gesundheitsberufen und 16 Prozent mehr in Erziehungs- und Sozialberufen. Heyduck: „Diese Erkenntnis sollte der Bremer Politik zu denken geben, ist sie doch in vielen Fällen mit verantwortlich für das Lohngefüge dieser Branchen.“

Weniger Minijobs in der Gastronomie

Als wiederum sehr positiv wertet die Arbeitnehmerkammer die fast 800 neuen Arbeitsplätze im Gastgewerbe, die in der Stadt Bremen entstanden sind – ein wichtiger Effekt des gesetzlichen Mindestlohns, der seit Anfang 2015 in Kraft ist. Hier wurden aus Minijobs, die in beiden Städten leicht rückläufig sind, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze.

„Bislang haben im Gastgewerbe die Minijobs überwogen. Wenn der Mindestlohn dazu führt, dass hier wieder vermehrt sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstehen, ist das eine gute Entwicklung“, betonte Schierenbeck.

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