Blick in den Ehrenhof. Vorne rechts sieht man die Arkaden, im Hintergrund die Markthalle. Foto: Stadtarchiv Blick in den Ehrenhof. Vorne rechts sieht man die Arkaden, im Hintergrund die Markthalle. Foto: Stadtarchiv
Zeitreise

Folge 1 der Zeitreise: „Kriegerehrung“ beim Rathaus

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Der Delme Report versorgt an historischen Themen interessierte Leser und Leserinnen mit spannenden Informationen: Die Zeitmaschine rasselt und scheppert und beendet ihren 1. Trip in die Vergangenheit am 25. Oktober 1925.

Ganz Delmenhorst ist an diesem Sonntag auf den Beinen, und fast alle Häuser haben Fahnenschmuck angelegt, halbstock wehen die Tücher im Herbstwind. Die Schüler aller Schulen mit ihren Lehrern und alle Vereine der Stadt machen sich auf den Weg zum Marktplatz, um dort mit den Angehörigen der 824 Gefallenen an der Einweihung des von dem Rathaus-Architekten Heinz Stoffregen geplanten Ehrenmals teilzunehmen.

Die Kapelle intoniert Beethovens Trauermarsch und dann wird das Chorlied „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ angestimmt. Pastor Wilhelm Meyer besteigt die Kanzel und hält die Weihrede. Auf ihn folgt Professor Wilhelm Kluckhohn, der Vorsitzende des Denkmalsausschusses, der das Zustandekommen der Ehrung in seinem Ablauf schildert. Letzter Redner ist Oberbürgermeister Rudolf Königer, der sich für die Stadt bei allen Aktiven und Förderern des Denkmals bedankt. Gemeinsam begibt man sich dann in den Ehrenhof, um Kränze niederzulegen.

Die Inflationszeit stoppte das Projekt, so dass es erst im Oktober 1925 eingeweiht werden konnte

Bereits am 11. Januar 1922 wurde in einer stark frequentierten Bürgerversammlung der Denkmalsausschuss gegründet, der sich in zahlreichen Besprechungen als Standort für die Ehrung auf den Gartenhof zwischen Rathaus und Markthalle verständigte und das Konzept Stoffregens billigte. Dann kam allerdings die Inflationszeit dazwischen und stoppte das Projekt. Erst im Juli 1924 konnte der Ausschuss seine Arbeit wieder aufnehmen. Zunächst einmal musste die veranschlagte Bausumme von 50.000 Mark aufgebracht werden. Eine Haussammlung erbrachte rund 13.600 Mark, den Rest schulterten die Stadt und die Industriebetriebe.

Im Juli 1925 konnte mit dem Bau begonnen werden, eine Grundsteinlegung erfolgte im kleinen Kreis am 28. August. Besonders schwierig gestaltete sich die Erhebung der Namen der gefallenen Delmenhorster, die ja frei von Fehlern und Irrtümern bleiben musste.

Eine Vielzahl von Menschen hat sich auf dem Marktplatz zur Einweihung des Ehrenmals versammelt.Foto: Stadtarchiv

Eine Vielzahl von Menschen hat sich auf dem Marktplatz zur Einweihung des Ehrenmals versammelt.Foto: Stadtarchiv

Heute ist das Denkmal seiner früheren Ästhetik weitestgehend beraubt. Der 1955 erfolgte Abbruch des zum Marktplatz abschließenden Arkadenganges bewirkte einen ersten einschneidenden Wandel der Optik des vorher so weihevollen und würdigen Ehrenmals. 1966 wurde die Anlage baulich völlig umgestaltet. Ihren Mittelpunkt markiert seither eine von Professor Kurt Schwerdtfeger gestaltetet Muschelkalkskulptur, die den Sarkophag eines Gefallenen darstellt, im Sprachgebrauch der Delmenhorster oft als „schlafender Beamter“ betitelt.

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