Was wie eine Zeichnung aussieht, ist ein frühes Bild der Werksanlagen der „Hansa“an der Ochtumer Chaussee, das um 1905 aus einem Fesselballon heraus fotografiert wurde. Bildvorlage: Stadtarchiv Delmenhorst Was wie eine Zeichnung aussieht, ist ein frühes Bild der Werksanlagen der „Hansa“an der Ochtumer Chaussee, das um 1905 aus einem Fesselballon heraus fotografiert wurde. Bildvorlage: Stadtarchiv Delmenhorst
Zeitreise

Folge 3 der Zeitreise: Ankunft Linoleum-Experte

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Der Delme Report versorgt an historischen Themen interessierte Leser und Leserinnen mit spannenden Informationen: Die Zeitmaschine setzt mich am 15. Mai 1884 vor dem Delmenhorster Bahnhofsgebäude ab.

Ich treffe auf einen jungen Mann mit einem schweren Schrankkoffer, der nach einem Dienstmann zur Beförderung seines Gepäcks Ausschau hält. Wir kommen ins Gespräch. Er ist Engländer, spricht kaum Deutsch und stellt sich als George Baker vor. Arbeiten und Knowhow vermitteln will er in Delmenhorst bei den 1882 gegründeten Deutschen Linoleum-Werken „Hansa“.

Der Fachmann für die Herstellung des Bodenbelags war in Staines/England in der weltweit ersten Linoleum-Fabrik als leitender Techniker beschäftigt. Es gelingt, einen Dienstmann heranzuholen, und Baker teilt mir noch mit, er werde bei Alberti in der Ochtumer Chaussee (jetzt Stedinger Straße) wohnen. Dann trennen sich unsere Wege.

Zurück in der Gegenwart beschäftige ich mich mit der Biografie von Baker. Geboren wurde er am 13. Mai 1863 in Eardington/Shropshire in England. Schon nach etwas mehr als vier Jahren in Delmenhorst heiratete er am 27. September 1888 Dora Lürssen, Tochter des Korkfabrikanten und Hansa-Mitbegründers Bernhard Heinrich Lürssen. Es war die erste von drei seiner Ehen, aus denen insgesamt sieben Kinder hervorgingen.

George Baker zog es von England über Delmenhorst nach Triest und Italien

Am 14. September 1895 verließ Baker Delmenhorst und wechselte nach einem kurzen Aufenthalt in England nach Triest mit seinem bedeutenden Handelshafen. Die weltoffene Stadt des Zusammentreffens von verschiedenen Kulturen, Sprachen, Ethnien und Religionen gehörte bis 1918 zu Österreich und ging dann an Italien.

George Baker mit vier von seinen sieben Kindern. Das Foto wurde um 1912 in Triest aufgenommen. Bildvorlage: Chris Baker.

George Baker mit vier von seinen sieben Kindern. Das Foto wurde um 1912 in Triest aufgenommen. Bildvorlage: Chris Baker.

Baker beschritt beruflich neue Wege. Er baute sich erfolgreich eine Existenz als Provisionsvertreter auf und wurde am 4. April 1910 vom Auswärtigen Amt zum britischen Prokonsul ernannt. Er übte diese Funktion bis zum 12. August 1914 aus, dem Tag, an dem England Österreich-Ungarn den Krieg erklärte. Die unsicheren Verhältnisse ließen es Baker nun geraten erscheinen, Triest zu verlassen und nach London auszureisen.

Linoelum-Experte arbeitet später für das Auswärtige Amt

Dort nahm er ab Mai 1915 eine Tätigkeit als Angestellter im Auswärtigen Amt auf. Mit großer Wahrscheinlichkeit stand er auch in Beziehungen zur Firma Bullivant & Co., einem namhaften Hersteller von Drahtseilen. Nach dem Kriegsende kehrte er im Mai 1919 nach Triest zurück, wo er an seine alten Geschäftsbeziehungen anknüpfte. Sie müssen profitabel gewesen sein, worauf seine Auszeichnung mit einer Medaille der Britischen Handelskammer für Italien schließen lässt.

Am 18. Oktober 1938 starb der versierte Techniker und Kaufmann nach einem erfüllten Leben im Alter von 75 Jahren in seiner Wahlheimat.

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