Besonders in der Ortschaft Teufelsmoor engagieren sich die Gegner weiterer Verschärfungen für den Naturschutz. Foto: Möller Besonders in der Ortschaft Teufelsmoor engagieren sich die Gegner weiterer Verschärfungen für den Naturschutz. Foto: Möller
Mehr Naturschutz?

Entscheid der Verwaltung wäre besser für die Natur

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Vor den beiden entscheidenden Sitzungen zur Beschlussfassung über verstärkten Naturschutz in der Hammeniederung sowie fürs Teufelsmoor in dieser Woche, meldeten sich am Freitag die Naturschutzverbände zu Wort.

Naturschützer bezweifeln, ob der Kreistag überhaupt das richtige Gremium sei, das über die Sammelverordnung beschließen sollte.  Weil sich die Kreispolitik des Themas Sammelverordnung angenommen habe, komme es dort, wo eigentlich eine fachliche Bewertung  greifen müsse, zur Durchsetzung von Nutzerinteressen.

Dr. Hans-Gerhard Kulp vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisiert eine Lobby aus Landwirtschaft, Freizeitskippern und Jägerschaft, die seit Monaten mit demagogischer Rhetorik  „die Politik vor sich hertreibt“. Man selbst vertrete das Interesse des Gemeinwohls. Kopfschüttelnd schaut er in die Ortschaft Teufelsmoor, wo sugerriert werde, dass dort die Welt untergehe, wenn das Dorf unter Landschaftsschutz gestellt werde.

Naturliebe liegt vor Kunstinteresse

In Worpswede habe der Gemeinderat weitere Unterschutzstellungen im GR-Gebiet abgelehnt, „dabei kommem viel mehr Erholungssuchende wegen der Natur nach Worpswede, als aus Interesse an der Kunst“, wirft Werner Schlüter von der UWG Worpswedes ein. „Ich möchte, dass auch noch meine Enkel die Natur erleben können“, sagt Susanne Eilers vom Naturschutzbund (Nabu). Sie sind vom von der Kreisverwaltung vorgelegten Kompromiss für die Sammelverordnung enttäuscht, „damit wird das Niveau für den Schutz von Wiesenbrütern und Rastvögeln hinter europäisches Recht zurück“, sagt Kulp.

Klar müssten die Landwirte entschädigt werden, wenn ihnen durch naturschutzrechtliche Auflagen ein wirtschaftlicher Schaden entstehe. Dass die Bauern alleine durch ihre Berufsausübung die Kulturlandschaft pflegen und erhalten, müsse aber bezweifelt werden. Kulp führt an, dass es sonst wohl nicht so gekommen wäre, dass sich die Zahl der Kiebitzpaare in der Hammeniederung von 500 Brutpaaren in den 1970er Jahren auf gerade noch 50 reduziert hätte.

Nutzungsinteresse nicht gut für Natur

Für die Uferschnepfe sei der Rückgang noch bedrohlicher: Von 340 Paaren seinen vielleicht noch zehn übrig geblieben.
Für Kulp hat der Naturschutz eindeutigen Vorang vor den Nutzungsinteressen der Grundbesitzer. Dass es nicht einer Oberen Naturschutzbehörde überlassen werde, fachlich erforderliche Maßnahmen festzulegen, kritisiert er. Das Schutzniveau dürfe nicht durch die Politik vor Ort gesenkt werden. Deutschland habe sich 1992 in Rio zu Zielen von Umwelt und Entwicklung verpflichtet, da wäre der Kreistag jetzt nicht die richtige Ebene, solches zurückzunehmen.

Weil der jetzt vorgelegte Entwurf der Sammelverordnung noch immer Torfabbau und Grünlandumbruch zulasse, sogar mit Gift in Landschaftsschutzgebieten gespritzt werden könne, stellen sich Kulp und andere Naturschützer genauso gegen die Sammelverordnung, wie es Proteste aus der Landwirtschaft wegen zu hoher Belastungen für ihre Existenzen gebe.
Der zuständige Kreisausschuss für Umweltplanung und Bau tritt am Dienstag, 6. Dezember, ab 14.30 Uhr im Kreishaus zusammen. Es folgt am Mittwoch, 7. Dezember, ab 16 Uhr eine Kreistagssitzung, die ausnahmsweise im Medienhaus im Campus, stattfindet.

 

Unser Kommentar: Ökodiktatur

Die Naturschützer haben offenbar ein taktisches Verhältnis zur Demokratie. Sie werfen den­jenigen, die sich gegen schärfere Naturschutzauflagen in Hammeniederung und Teufelsmoor wehren, vor, nur ihre Nutzerinteressen im Auge zu haben. Wer für mehr Naturschutz streitet, vertrete hingegen das Gemeinwohl.

Sie sind beleidigt, weil der vermeintlichen Gegenseite mehr Aufmerksamkeit entgegen gebracht werde. Und das nur, weil die Bauern lauter waren. Hinter den Naturschützern stehen angeblich 3.500 Mitglieder, also eigentlich alle. Da es im Kreistag gegenwärtig aber keine Mehrheit für ihre Wünsche gibt, sprechen sie dem Kommunalparlament einfach die Legitimation ab, über die Sammelverordnung zu entscheiden. Das wäre besser von einer Fachbehörde zu leisten.

Dass es den Naturschützern nicht gelungen ist, für ihr Anliegen erfolgreich zu werben, kann man doch nicht den Bauern in die Schuhe schieben.  Wer Naturschutz einfach von oben verordnen will, statt  dafür um Mehrheiten zu streiten, zieht der Demokratie wohl eine Ökodiktatur vor.

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