Auch das kommunale Jobcenter der Kreisverdener ALV vermittelt Flüchtlingen, ebenso wie die Verdener Arbeitsagentur, zunehmend mehr Qualifizierungsangebote. Foto: Bruns Auch das kommunale Jobcenter der Kreisverdener ALV vermittelt Flüchtlingen, ebenso wie die Verdener Arbeitsagentur, zunehmend mehr Qualifizierungsangebote. Foto: Bruns
Integration

Die Arbeitsmarktvermittlung läuft schleppend

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Keine kurzfristige Angelegenheit: Ein gutes Jahr nachdem auch der Landkreis eine erhebliche Anzahl geflüchteter Menschen aufgenommen hat, befasst man sich inzwischen verstärkt mit ihrer Vermittlung auf den Arbeitsmarkt.

Von Henrik Bruns

Im vorigen Sommer begann die Arbeitsagentur damit, auch geflüchtete Männer und Frauen statistisch zu erfassen. Im Gesamtbezirk der Verdener Arbeitsagentur, zu dem auch Teile der Landkreise Nienburg und Diepholz gehören, verzeichnete man Ende November 1.473 als arbeitslos gemeldete Geflüchtete. Sie machen 12,2 Prozent aller Arbeitslosen im Agenturbezirk aus.

Mehr Personen in Weiterbildung

Doch tatsächlich sind wahrscheinlich mindestens gut doppelt so viele arbeitswillige Flüchtlinge ohne richtigen Job: 1.446 weitere geflüchtete Menschen befanden sich zum gleichen Zeitpunkt in Integrationskursen und Qualifizierungsmaßnahmen. Oder sie waren erwerbstätig aber suchten zugleich eine weitere oder bessere Stelle. Die Arbeitsagentur führt sie daher nicht als arbeitslos, sondern als arbeitssuchend. Von ihnen machen Geflüchtete etwa 13,5 Prozent aus.

Während die Zahl der Arbeitslosen generell und sogar auch bei den Menschen mit ausländischen Pässen im Vergleich zum Oktober leicht zurückgegangen war, sind laut der Agentur jetzt mehr Personen in Weiterbildung. „Wir haben in diesem Jahr mehr Angebote für geflüchtete und nichtgeflüchtete Menschen“, erklärt Agentur-Leiter Joachim Duensing.

Sprachliche Barrieren ein Problem

Vorangigstes Problem bei der Beschäftigung von Flüchtlingen sind die sprachlichen Barrieren. Doch auch die hierzulande hohen Ansprüche an die Ausbildung spielen eine Rolle: In einem Land mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen gelte vielleicht jemand schon als Maler, weil er einmal ein Haus angestrichen hat – an einen hiesigen ausgebildeten Maler werden dagegen ganz andere Anforderungen gestellt, gibt Duensing ein Beispiel.

Im Bereich der Ausbildung erinnern Experten an das Instrument der Einstiegsqualifizierung, eine Art der Ausbildung vorgelagerter „Schnupperkurs“ für junge Leute. Dr. Bodo Stange, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade, ist sich sicher, dass dieses Instrument einen wichtigen Beitrag bei der Integration von Flüchtlingen in die Ausbildung leisten wird. „Die Flüchtlinge sind in den Betrieben aber noch nicht angekommen“, so Stange.

Flüchtlinge „wohl erst Übermorgen“ in Ausbildung

Im Elbe-Weser-Raum, aus dem die Mitgliedsbetriebe der IHK-Stade stammen, seien im kürzlich ausgelaufenen Ausbildungsjahr immerhin 151 Plätze für solche Einstiegsqualifizierungen angeboten worden, von denen aber lediglich elf mit Flüchtlingen besetzt waren. Flüchtlinge in Ausbildung zu bringen gelinge „nicht heute und nicht morgen, sondern wohl erst Übermorgen“, konstatiert auch Arbeitsagenturchef Joachim Duensing.

„Städte, Gemeinden und gemeinnützige Träger müssen jetzt im Bereich der Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge dringend zusätzlich aktiv werden“, fordert wiederum Heiko Oetjen. Der SPD-Kreisfraktionschef bezieht sich auf das Programm des Bundesarbeitsministeriums, 100.000 Ein-Euro-Jobs für Flüchtlinge zu schaffen.

Region als Trendsetter?

Das Programm läuft bereits seit Anfang August, doch bundesweit sind bisher erst 12.192 Plätze beantragt und 456 genehmigt worden. Auch für 2017 würden auf die kommunalen und gemeinnützigen Träger im Landkreis Verden mehrere hundert Plätze aus dem Programm FIM („Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen“) entfallen, so Oetjen.

Damit könnten Flüchtlinge bereits vor Abschluss ihres Asylverfahrens niedrigschwellig an den deutschen Arbeitsmarkt herangeführt werden, wie auch sinnvoll zum Gemeinwohl beitragen und sich einbringen. „Ich würde mich freuen, wenn wir in unserer Region Trendsetter bei der Nutzung dieses Angebots werden“, meint er.

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