Bob Geldof kommt mit den Boomtown Rats am 6. März, 20 Uhr, ins Bremer Pier2. Tickets gibt es bei eventim.deFoto:pv Bob Geldof kommt mit den Boomtown Rats am 6. März, 20 Uhr, ins Bremer Pier2. Tickets gibt es bei eventim.deFoto:pv
Interview

Brexit, Trump, Armut: Was Bob Geldof wütend macht

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Mit seinen Boomtown Rats kommt Altrocker Bob Geldof am 6. März ins Bremer Pier2. Warum er auch heute noch genauso politisch aktuell ist, wie vor 30 Jahren, verrät er im Gespräch mit dem Weser Report.

von Jens Fischer

Bob Geldorf ist zwar deutlich älter geworden – eitel ist er nicht. Auch von der Musik lässt er sich nicht abhalten und geht mit seiner alten, neuen Band, den Boomtown Eats wieder auf Tour. Balsam für die Künstlereitelkeit sei das gelungene Comeback erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber vor allem kicke ihn die Neugier, „ob unsere Band wirklich gut oder es nur meine Wunschvorstellung war, dass wir die Klasse unserer Rivalen Sex Pistols und The Clash hatten.“

Die irischen Rats begründeten in den Siebzigern die Musikrichtung „New Wave“. Inhaltlich ging es um Sex, Saufen, Sozialpolitik. Bedeuten die Songs noch das, was sie einst erzählen sollten? Geldof: „Die wirtschaftlichen Bedingungen, die zu unserer Musik geführt haben, sind heute wieder so wie damals, das Material also brandaktuell – diese Perspektivlosigkeit der Jugend, die sehe ich an meinen Kindern, die vergeblich Arbeit suchen.“

Geldof wurde als illegaler Immigrant aus Kanada rausgeschmissen

Zuletzt war Geldof in Richtung Irish Folk unterwegs mit seiner Solokarriere. Bis er nach 27 Jahren erstmals wieder mit den Boomtown Rats zusammen auftrat – vor 165.000 Zuschauern beim Isle-of-Wight-Festival. „Als wir loslegten, ging es sofort um alles, mit aller Kraft, daran ist nichts geschauspielert“, so der Frontmann, „ich spüre beim Singen noch genau meine Wut, wie ich als Jugendlicher vorm Dubliner Arbeitsamt im Dauerregen in der Schlange stand, weil es in Irland einfach keine Jobs gab. So wurde ich zum Wirtschaftsflüchtling.“ Nach Kanada übersiedelte er. „Die haben mich als illegalen Immigranten aber wieder rausgeschmissen.“

Schließlich landete Geldof in England. Wo er als Kämpfer für humanitäre Zwecke Karriere machte – und eher für den Friedens- denn den Literaturnobelpreis ins Gespräch kam. Denn er nutzte als einer der Ersten seine Popularität sowie die Emotionalität der Musik, um mit Wohltätigkeitskonzerten Aufmerksamkeit und Geld für den Kampf gegen Apartheid, Hungersnöte, Armut und Verschuldung der 3. Welt zu generieren. Auch für Obdachlose, Entwicklungshilfe und Väterrechte engagiert er sich.

Es gibt viele Wege, den Mächtigen Fuck-off zu sagen

„Ausgangspunkt bei diesen Aktivitäten wie bei meinen Liedtexten ist, dass ich moralisch sauer bin. Heutzutage geschieht dies angesichts all der Kriege, des Flüchtlingselends, der Volksentscheide für den Brexit und Trump, diesem Vollidoten. Ich versuche auf der Bühne die Beziehungen unserer Songs zu diesen Themen anzudeuten.“ Guter, alter Protestrock? Geldof: „Musik sollte was verändern, einen Wandel anschieben wollen, was sonst treibt uns an als Künstler? Ich bin es leid, Musiker zu erleben, die nichts zu sagen haben, vermisse einfach die politischen Aspekte in der Popmusik.“

Es gehe um Widerstandsgeist. „In den Fünfzigern galt Little Richard als gefährlich, da er im Rock-’n’-Roll-Slang sang: A-wop-baba-luba-a-wop-bam-boom. Eine Art Fuck-off. Heute gibt es viele künstlerische Wege, den Mächtigen Fuck-off zu sagen. Auch wir Boomtown Rats versuchen weiterhin diese Erregungspotenziale zu schüren, den Zorn.“

Gefragt, ob zur Vermittlung eines ähnlich aufrührerischen Geistes die Hits zeitgemäß umarrangiert werden müssten, antwortet Geldof: „Quatsch, die sind doch perfekt, da ändern wir gar nichts.“ Kommen live neu komponierte Lieder zu Gehör?  „Ich habe 180 neue Songs auf meiner Festplatte, wir können also jederzeit eine Platte aufnehmen. Aber unser Publikum will die Titel hören, die es kennt und zwar so, wie es sie von früher kennt. Unser Hit-Repertoire ist groß genug für zwei Stunden fucking hell Rock-Intensität“, so Geldof.

Bob Geldof kommt mit den Boomtown Rats am 6. März, 20 Uhr, ins Bremer Pier2. Tickets gibt es bei eventim.de

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