Aufgrund fehlender Assistenzen wird ein Schüler Schulverweigerer wider Willen. Aufgrund fehlender Assistenzen wird ein Schüler Schulverweigerer wider Willen. Symbolfoto:Taken/pixabay.com
Vegesack

Schulverweigerer wider Willen – Assistenzen fehlen

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Weigert sich ein Kind zur Schule zu gehen, steht kurze Zeit später die Polizei vor der Tür. Verwehrt ein Mangel an Assistenzen jedoch den Zugang zum Unterricht, kann es Monate dauern, bis eine Lösung gefunden wird.

und Kathrin Harm

Die Eltern der 6a der Oberschule an der Lerchenstraße fühlen sich im Stich gelassen: Die beiden Assistenzstellen, die dieser Klasse zustehen, sind zur Zeit nicht besetzt.

Eine Assistenz kündigte bereits im vergangen Jahr, die zweite verließ von heut auf morgen ihren Arbeitsplatz. Durch das Fehlen konnte ein Schüler, der eine persönliche Assistenz benötigt, schon einmal vier Monate nicht am Unterricht teilnehmen. Zurzeit fehlt er seit Ende der Osterferien, sagt Klassen-Eltern-Vertreter Gerhard Bresgen.

Das Recht auf Unterricht

Er weist darauf hin, dass nach dem bremischen Schulgesetz jeder Schüler ein Recht auf Unterricht habe. Dieser Bildungsanspruch werde aber verwehrt, wenn man nicht dafür sorge, dass die Schule regelmäßig besucht werden kann, so Bresgen.

Sollte ein Schüler seiner Schulpflicht nicht nachkommen, drohen im Normalfall rechtliche Konsequenzen für ihn und seine Eltern. In diesem Fall ist es jedoch anders – da der Schüler nicht betreut werden kann, bleibt ihm der Unterricht wider Willen verwehrt.

Die Eltern hätten in diesem Fall mit keinen Konsequenzen zu rechnen, sagt Annette Kemp, Sprecherin der Senatorin für Kinder und Bildung. „Aber die Förderkinder der Klasse können seit dem Fehlen der Assistenzen nicht mehr im vollen Umfang die Angebote nutzen“, sagt Bresgen.

Konkret handele es sich um vier Kinder mit Störungen der Wahrnehmung und Entwicklung sowie zwei Kinder mit Schwierigkeiten in den Bereichen Lernen, Sprache, Verhalten.

Fachkräftemangel führt zu unbesetzten Stellen

Das Versäumnis sieht Bresgen beim Martinsclub, der als Arbeitgeber der Assistenzen fungiert und nicht schnell genug reagiere. „Wir sind uns der Situation bewusst und können den Unmut der Eltern verstehen“, sagt Benedikt Heche, Sprecher des Martinsclubs.

„Aber der Fachkräftemangel hat uns fest im Griff.“ An einer Lösung werde gearbeitet, etwas Konkretes könne der Martinsclub allerdings noch nicht vorbringen.

Zwar würden jede Woche Gespräche geführt, oft fehle es den Bewerbern aber an den notwendigen Formalqualifikationen. „Es ist unsere Prämisse Fachkräfte einzustellen, die auch die Qualifikation mitbringen“, sagt Heche.

Verkürzte Schulung für Assistenzen möglich

Auch Kemp weiß, dass die freigewordenen Assistenzstellen aufgrund des Fachkräftemangels nicht so schnell besetzt werden können, wie es erwünscht wäre.

Jedoch soll eine verkürzte Schulung für Interessierte möglich sein. Es müsse nur die Notwendigkeit und das Einverständnis der Eltern vorliegen, heißt es von der Sprecherin der Bildungssenatorin.

Verhandlungen mit weiteren Trägern

Bresgen kritisiert weiter, dass es bisher keine Alternativen zum Martinsclub im Bereich Assistenzen in Bremen gäbe. Dies könnte sich in Zukunft ändern. Laut Kemp gibt es Vertragsverhandlungen mit weiteren Trägern, diese seien jedoch noch nicht abgeschlossen.

Der Martinsclub geht gegen den Fachkräftemangel aktiv vor: In Kooperation mit der Pflegeschule Lilienthal bildet die Einrichtung seit zwei Jahren selbst im Bereich Heilerziehungspflege aus.

Der erste Jahrgang wird 2018 fertig. Mit Ende der Sommerferien wird es zudem eine Martinsclub-Depandance mit dem Schwerpunkt „Assistenz an Schulen“ in Vegesack geben.

Zwei Stadtteilkoordinatoren und zehn weitere Mitarbeiter stehen dann vor Ort als Ansprechpartner zur Verfügung. „Wir wollen vor Ort Präsenz zeigen“, sagt Heche.

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