Ganz schön böse: Comedian Oliver Polak.Foto: pv Ganz schön böse: Comedian Oliver Polak.Foto: pv
Interview

Polak: „In Deutschland gibt es auch viel Dreck“

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Er gilt als böse und scheut sich nicht, Witze zu machen, bei denen einem das Lachen im Halse stecken bleibt: Comedian Oliver Polak im Gespräch über Biografisches, Hunde und Delmenhorst.

Herr Polak, Sie werden als ungepflegt, fett und schlecht gekleidet angekündigt. Kann man besser böse sein, wenn man sich als Witzfigur verkauft?

Oliver Polak: : Ich weiß nicht… Aber Stand-up ist tatsächlich immer dann am interessantesten, wenn der Mensch auf der Bühne auch ein paar Schwächen und Brüche zeigt. Von so einem eitlen Sonnyboy will man sich nicht unbedingt was sagen lassen. Aber natürlich ist meine Figur ironisch überzeichnet. Obwohl… etwas dicker bin ich schon.

Das Thema Judentum ist ein wichtiges in ihrem Leben…

In dieser Show nicht. Diesmal geht es „Über Alles“. Aber es stimmt schon: Meine erste Show war – wie bei vielen Comedians – biografisch. Dann habe ich experimentiert und das dritte Programm ist jetzt eher grundsätzlich. Es ist ja auch viel los gerade in der Welt.

Wenn es jetzt schon um alles geht, fragt man sich unweigerlich, was als nächste überhaupt noch kommen kann.

Ach, da denke ich noch nicht dran. Momentan sehe ich kein anderes Ding. Ich war seit drei Jahren nicht auf Tour und freue mich jetzt erstmal auf die neue Show!

„Alles“ ist ja ziemlich viel… Gibt‘s vielleicht einen roten Faden?

Nein, aber natürlich gibt es viele Tabu-Themen, die ich angehe. Aber nicht nur, um sie bloß zu brechen. Es ist ja so: Wir sagen immer: Oh, die schlimmen Amerikaner. Dabei gibt es bei uns in Deutschland mindestens genau so viel Dreck. Zum Beispiel diese NSU-Morde, Vergewaltigungen, Isis, Einsamkeit… Ich rede über das, was mich bewegt. Dabei improvisiere ich aber auch viel. Etwa 30 Prozent, könnte man sagen. Und ich rede viel mit meinem Publikum. Man kann also sagen: Jeder Abend ist anders.

Nach Ihrer ersten Tournee sind Sie in eine tiefe Depression gefallen. Wie beugen Sie der diesmal vor?

Das passiert nicht mehr. Ich habe ja damals meine Biografie erzählt. Und plötzlich wurde ich nur noch auf das Thema „Jude“ reduziert. War `n bischen zu viel. Aber das ist kein Problem mehr. Außerdem habe ich jetzt einen Hund, der mich begleitet. Einen echten. Und im Gegensatz zu dem Schäferhund-Aufsteller muss dieser auch keine Mütze tragen. Das sorgt natürlich auch für lustige Situationen: Neulich wollte er nicht Backstage bleiben und kam dann einfach auf die Bühne gelaufen. Ich bekomme nur langsam Angst, dass die Leute lieber ihn sehen wollen als mich… Übrigens sehe ich gerade an der Telefonnummer, dass Sie gar nicht aus Bremen anrufen…

Nein, stimmt. Ich arbeite heute bei unserer Schwester-Zeitung, dem Delme-Report…

Ach, Delmenhorst. Kenne ich. Meine Oma hat da mal gelebt. Das ist wie Alcatraz, nur mit Bäumen. Von da kommt auch viel Negatives: Viel Gewalt und Sarah Connor…

Und was für Vorurteile haben Sie über Bremen?

Oh, ich habe einen großen Bezug zu Bremen. Als gebürtiger Papenburger… Ich habe Freunde da und auch schon viele Abende im Tower verbracht. Letztes Mal bin ich in der Tower-Bar aufgetreten. War alles cool. Nächste Woche bin ich dann in der Lila Eule. Bin gespannt, da hab ich echt Bock drauf!

Comedian Oliver Polak tritt am kommenden Samstag, 16. September, 20 Uhr, mit seiner Show „Über alles“ in der Lila Eule auf.

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