Der Reformer Martin Luther hat vor 500 Jahren das Oberichkeitsdenken in Frage gestellt. Foto: pv Der Reformer Martin Luther hat vor 500 Jahren das Oberichkeitsdenken in Frage gestellt. Foto: pv
Reformationstag

Reformationstag: Wenn Martin Luther noch lebte

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Vor 500 Jahre hat Martin Luther 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg angebracht. Seine Kritik: Gläubige sollen sich kein reines Gewissen mehr bei der Kirche erkaufen können.

Pastorin Marina Kortjohann predigt am Reformationstag in Achim und erklärt, was Luther heute anprangen würde. 

WESER-REPORT: Für die Kirchenlaien unter uns: Wo würde der Reformer Luther heute seinen Finger in die Wunde legen, wenn er sich den Landkreis anschauen könnte.

Ich denke beim Leistungsstreben und dem gnadenlosen Verlangen, dass Menschen noch schneller und noch effektiver sein müssen – das finde ich zumindest.

Gibt es Sachen, die Sie als Pastorin in Ihrer eigenen Kirche kritisieren?

Ich hab schon erlebt, wie bei einer Taufe nach einem Gottesdienst die Mutter anmahnte: Kommt die Gemeinde denn nach dem Gottesdienst gar nicht mit zu uns? Ich dachte, die Gemeinde interessiert so etwas. Die Mutter war aber auch Teil der Gemeinde und ging selbst nie zu anderen Taufen. Ich fände es gut, wenn Leute ihren eigenen Platz in der Gemeinde finden.

„Ich kann nicht sagen, warum die Leute aus der Kirche austreten“

Pastorin Marina predigt am Reformationstag in Achim. Foto: pv

Pastorin Marina Kortjohann predigt am Reformationstag in Achim. Foto: pv

Würde Luther auch darauf aufmerksam machen, dass Menschen aus der Kirche austreten, weil sie sich von ihnen nicht mehr repräsentiert fühlen?

Ich kann Ihnen nicht erklären, warum die Leute aus der Kirche austreten. Aber so allgemein kann man schon sagen, dass sich Mensch nicht mehr von der Kirche repräsentiert fühlen.

Luther wollte eine Veränderung der Kirche erreichen: Seine Thesen führte zur Spaltung der katholischen Kirche. Kann die Kirche eine Gesellschaft zusammenbringen, die sich in Arm und Reich aufteilt?

Wir versuchen das ja ständig. Das beste Beispiel ist Brot für die Welt. Wir versuchen das auch durch unsere Predigten zu erreichen. In der Bibel steht, dass Arme und Reiche den gleichen Zugang zu Gott haben.

„Alle Menschen sind Kinder Gottes“

Kann die Kirche auch eine Brücke zwischen AfD-Beführwortern und Gegnern bauen?

Ich glaube wenn sich mehr Menschen an das halten würden, was in der Bibel steht, würde sich vieles zum Besseren ändern. Zum Thema AfD kann ich sagen: Das Thema Flüchtlinge ist in der Bibel ein sich durchziehendes Thema. Schon das Volk Israel ist geflüchtet und Jesus ist mit seinen Eltern. Alle Menschen sind Kinder Gottes, egal woher sie auch kommen.

Welche Bedeutung hat das Jubiläum 500 Jahre Reformation für Sie persönlich?

Das Jubiläum ist so wichtig, weil die Reformation durch Luther eine gesellschaftliche Entwicklung angestoßen hat: Die Abkehr vom Ablasswesen und die Evangelische Kirche, die sich daraus entwickelt hat. Auch das Obrigkeitsdenken wurde angezweifelt.

Gottesdienst in St-Laurentius-Kirche

Pastorin Marina Kortjohann predigt am Dienstag, 31. Oktober, zum Reformationstag mit Kollegen aus anderen Gemeinden in der St.-Laurentius-Kirche in Achim. Der Gottesdienst beginnt um 18 Uhr. Weitere Informationen sind online unter st-laurentius-achim.de verfügbar.

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