Die Geschäfte in den Straßen der Überseestadt befinden sich aufgrund der schwierigen Bedingungen im ständigen Wechsel. Geschäfte wie die Boutique Select Mode & Kunst oder die Buchhandlung Logbuch haben das Quartier bereits verlassen. Foto: Schlie
Einzelhandel

Fehlendes Konzept: Ärger in der Überseestadt

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Schwierige Verkehrsbedingungen, kaum Laufkundschaft und steigende Preise: die Bedingungen sind für Einzelhändler und Gastronomen in der Überseestadt oft sehr schwierig. Die Folge ist ein stetiges Kommen und Gehen.

Viele haben sich etwas anderes erhofft – statt einer boomenden Geschäftsregion finden sie ein Quartier vor, dass mit enormen Verkehrsproblemen kämpft und dessen Bewohner eher außerhalb des Gebietes einkaufen.

Ein Beispiel für die ständige Fluktuation ist die Buchhandlung Logbuch: Fünf Jahre lang betrieben Sabine und Axel Stiehler im Port 3 Gebäude ihr Geschäft, ehe sie Mitte 2017 zurück nach Walle in die Vegesacker Straße zogen.

Öffentlicher Platz im Kerngebiet mit Kapazitäten

„Wir hatten gehofft, dass sich der Standort anders entwickelt“, sagt Sabine Stiehler. „Leider leben die Leute dort einfach zur wenig. Nur die Leute, die arbeiten, halten sich auch längere Zeit in den Straßen auf“, sagt sie. Aus wirtschaftlichen Gründen war ein Umzug dann schließlich die einzige Alternative. Rückblickend sagt Stiehler: „Vielleicht ist das Projekt immer noch zu frisch. Ein öffentlicher Platz im Kerngebiet mit Kapazitäten für den Einzelhandel würde sicherlich helfen.“

Auf ähnliche Erfahrungen blickt auch Veronika Hertel, Inhaberin der ehemalige Übersee-Boutique „Select Mode & Kunst“ zurück. „Wir hatten zwar immer unsere Stammkunden, aber Laufkundschaft war kaum vorhanden“, sagt sie. „Kleinere Unternehmer wie wir haben es sowieso schon sehr schwer. Die Verkehrs- und Parkprobleme haben dazu geführt, dass wir das Geschäft aufgegeben haben und uns nun mehr auf das Online-Geschäft konzentrieren.“

„Die Leute kommen einfach nicht zum Shoppen her“

Alex Becker, Vorsitzender der Waller Geschäftsleute, bestätigt die häufigen Inhaberwechsel und sagt: „Wir müssen Plätze schaffen, auf denen die Leute zur Ruhe kommen und sich umschauen. Nur so kommt es überhaupt noch zu Shopping.“

Frank Bischoff vom Verein Hafen-Klönschnack sieht das anders: „Die Leute kommen einfach nicht zum Shoppen her, sondern gehen hier eher zur Arbeit. Darum funktionieren auch kleine Imbisse oder andere Dienstleister deutlich besser.“ Man müsse schauen, was im Quartier gebraucht werde, sagt er.

Das andere Konzepte gut funktionieren, zeigt etwa das Restaurant Jaya an der Konsul-Smidt-Straße. „Wir haben sehr viel zu tun. Besonders der Mittagstisch läuft bombig“, erzählt Inhaber Mohamed Subry bin Ahamed.

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