„Da vergeht einem der Appetit“: In Bremen stinkt's! -
Der miefige Muff-Mix kriecht aus den Kanalgittern der Hansestadt. Da soll manchmal ein Eimer Wasser helfen, rät ein Abwasser-Experte. Foto: Barth
Geruchsprobleme

„Da vergeht einem der Appetit“: In Bremen stinkt’s!

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Die Hitze-Welle fordert ihren Tribut: Bremen fängt an zu müffeln – vor allem untenrum. Ein übler Geruch steigt aus den Abwasserkanälen auf. Ohne Wind bleibt er für längere Zeit stehen. Eine Spurensuche - untenrum.

Bremen ähnelte in den vergangenen Wochen einem Backofen, einem mit Ober- und Unterhitze. Selten wehte ein Lüftchen, noch seltener regnete es. Und wie es sich mit einem Backofen verhält, in dem wochenlang zig verschiedene Dinge brutzeln und der zwischendurch nie gesäubert wird: Irgendwann fängt es an zu stinken. 

Dabei ist es nicht nur der Müll, der in der Gluthitze ausdünstet – auch im Untergrund köchelt etwas gewaltig: das Abwasser von 500.000 Bremern – Fäkalien, Vermischtes, Frittenfett. Der miefige Muff-Mix kriecht aus den Kanalgittern der Hansestadt – beißend, beim fehlenden Wind stehend, legt er sich wie eine derb-duftende Dunstglocke über Teile der Hansestadt. 

„Da vergeht einem der Appetit“

„Überall müffelt es: Sebaldsbrück, Bremen-Mitte, Viertel, Hemelingen. Da vergeht einem der Appetit, wenn der Geruch zum Fenster reinweht“, schreibt eine Leserin auf Facebook. „Richtig mies stinkt es an der Ecke Neuenlander Straße/Kirchweg in der Neustadt“, befindet ein anderer.

„Die Hitze macht auch vor der Kanalisation nicht Halt“, sagt Oliver Ladeur, Sprecher des Bremer Abwasserunternehmens Hansewasser. Doch so einen Fall, wie der jetzige, das habe man in Bremen auch noch nicht gehabt. „Im Untergrund herrscht Dürre“, sagt Ladeur. 

Geruchs-Schutz funktioniert nicht

Normalerweise würden die Wasserkammern in den Gullys dafür sorgen, dass der Gestank nicht nach oben getragen wird, doch: „Die sind ausgetrocknet“, so der Hansewasser-Sprecher. Hinzu käme, dass im Hauptteil des Bremer Kanalnetzes ein Mischwasser-System genutzt wird, vor allem in den Stadtteilen, die vor 1950 erbaut wurden, etwa in Bremen-Nord, oder auch der Altstadt. Dort fließt das Fäkalwasser im Mix mit Regenwasser durch.

„Wenn der Regen ausbliebt oder auch die Menschen weniger Wasser im Haushalt verbrauchen, kann es zu einem langsameren Fluss des Abwasserstroms kommen.“ Dann könne es passieren, dass eklige Teilreste länger an einer Stelle kleben bleiben.

Ein Handgriff, der helfen kann

Wem es zu sehr stinke, der könne sich mit einem Handgriff helfen: „Einfach einen Zehn-Liter-Eimer nehmen und in den Gully schütten.“, erklärt der Abwasser-Experte. In Extrem-Fällen sollten sich Betroffene an die Service-Hotline unter 988 11 11 wenden.

Dann rücke ein Geruchsmanager aus, der die Lage begutachtet und gegebenenfalls weitere Schritte einleitet. Immerhin: Der für die nächsten Tage vorausgesagte Regen soll nicht nur Abkühlung bringen, sondern auch die Kanäle durchspülen – und den Gestank gleich mit beseitigen.

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