David Garrett kommt 2019 nach Bremen. Foto: Pedro Becerra
Interview

David Garrett: „Mehr Adrenalin als ein Rockstar“

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Welche Dinge bei David Garrett unbedingt mit auf Tour müssen, ob er schon in der Kindheit musizierte und warum der Star-Geiger nicht mit Slash um die Häuser zog: Der "Teufelsgeiger" im WESER REPORT-Interview.

Weser Report: Ihre neue Tour steht unter dem Motto „Unlimited – Greatest Hits – Live 2019“. Zusammen mit Ihrer Band und der Neuen Philharmonie Frankfurt sind Sie in insgesamt 19 Konzerten zu erleben. Sind solche Auftritte die Königsdisziplin, in der ein Künstler zeigen muss, was er wirklich draufhat?

David Garrett: Ja, das sind sie. Live greifen das Zusammenspiel zwischen mir, Band, Orchester und die Gedanken, die ich mir über die Produktion gemacht habe, ineinander über. Das ist wirklich ein kleines Gesamtkunstwerk, entstanden aus meiner Fantasie. Wenn ich das zum Leben erweckt sehe, bin ich ein bisschen stolz. Das Schöne ist, dass bei einem Konzert immer alles passieren kann. Das macht es auch für mich spannend.

Welche Gedanken haben Sie sich über die Tour gemacht?

Ganz viele. Ich bin mein Repertoire Stück für Stück durchgegangen. In dem Moment, wo ich mir Musik anhöre, entstehen Bilder in meinem Kopf. Ich sehe gewisse Farben und Lichtstimmungen, die ich für ein Stück haben will. Ich will keine zwei Titel mit der selben Stimmung hintereinander haben. Und es ist wichtig, dass das Licht nicht dem Rhythmus der Musik schadet, sondern dass alles eine Symbiose ist.

Pink-Floyd-Schlagzeuger Nick Mason sagt: „Wer als Musiker bei einem Konzert nicht nervös ist, mit dem stimmt etwas nicht“. Was sagen Sie?

Ich bin immer noch nervös. Nervosität ist nichts Negatives, obwohl es sicher auch negative Nervosität gibt. Anspannung ist ganz wichtig vor dem Konzert. Andernfalls wäre es einem egal, was man auf der Bühne macht. Wenn du etwas von dir selber erwartest, bist du auch nervös, das ist völlig normal. Und es hört mit dem Alter nicht auf.

Wie war das in Ihrer Kindheit und Jugend?

Mit acht, neun Jahren war ich oft bei Kinderkonzerten hinter der Bühne. Da gab es welche, die sich vor Aufregung übergeben haben und zitterten. Da sollte man überlegen, ob das wirklich der richtige Beruf ist. In dem Moment, wo man auf die Bühne geht, muss man auch die Konzentration haben, die Nervosität wegzudrücken. Wenn du da aber mit zittrigem Bogen stehst, ist es nicht dein Beruf.

Wie fühlen Sie sich auf der Bühne, wenn Sie Songs der Metal-Band Metallica interpretieren?

Ich weiß nicht, ob sich ein Rockstar anders fühlt als jemand, der klassische Musik spielt. Vielleicht ist bei manchen Klassikkünstlern sogar mehr Adrenalin im Körper als bei so manchem Rockstar. Es macht für mich keinen Unterschied, in der Philharmonie auf der Bühne zu stehen oder in der O2-Arena.

Welche Rockstars haben Sie persönlich getroffen?

Schon einige. An Slash kann ich mich gut erinnern. Ich traf ihn in Los Angeles in seinem Studio. Er hat mich sehr beeindruckt, weil er ein sehr lieber, ruhiger und besonnener Typ ist. Es gab sicher Zeiten, wo er anders war.

Sind Sie mit Slash um die Häuser gezogen?

Nein, ich wollte kein schlechter Einfluss sein. (lacht)

Die Rolling Stones nehmen angeblich halbe Wohnzimmereinrichtungen mit auf Reisen. Was darf auf einer David-Garrett-Tournee auf keinen Fall fehlen?

Ich habe immer extra Saiten dabei, weil mir ab und zu eine E-Saite reißt. Aber mir reicht es, wenn ich Tee und frisches Wasser bekomme. Ein Stuhl wäre auch schön.

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