Jean-François Guitons ironische Antwort auf die Schaffenskrisen von Künstlern, die emsig malen, aber keine künstlerischen Spuren hinterlassen. Foto: Konczak Jean-François Guitons ironische Antwort auf die Schaffenskrisen von Künstlern, die emsig malen, aber keine künstlerischen Spuren hinterlassen. Foto: Konczak
Ausstellung

Raumfüllende und beeindruckende Videokunst

Von
Videokunst spricht in der Regel nur ein speziell kunstinteressiertes Publikum an. Das Team der Städtischen Galerie zeigt sich mit der Ausstellung „Immer wieder“ daher mutig. Das sollte mit einem Besuch belohnt werden.

Jean-François Guiton, Professor für Zeitmedien an der Hochschule für Künste in Bremen, nutzt komplett alle Räume des Haus Coburgs für seine Videokunst. Im Fokus seiner  Ausstellung steht die Zeit – sowohl inhaltlich als auch medial. Es geht um Stille und um Sound.

Wer sich die Zeit für die Video-Kompositionen von Guiton nimmt, findet immer mehr Details, ähnlich wie bei einem Gemälde. Teilweise hat der Künstler die Projektionen und medialen „Skulpturen“ sogar auf die Räume im Haus Coburg zugeschnitten. Dies wird zum Beispiel bei der 10-Kanal-Videoinstallation mit Röhrenmonitoren auf Stativen mit dem Titel „Die Höflinge“ deutlich. Gezeigt werden auf den Bildschirmen runde Metallelemente, die sich zeitlich unterschiedlich zu verneigen scheinen – begleitet von einem hypnotischen Sound-Rhythmus. Ähnlich wie viele Glocken in einem engen Turm, hat Guiton „Die Höflinge“ in den Wintergarten der Städtischen Galerie „gedrängt“.

Spannend: Guitons „Les pas perdus“

In der ersten Etage geht es dem Künstler um eine ironische Auseinandersetzung mit dem Schaffensprozess – jemand malt unaufhörlich und hinterlässt keinerlei Spuren.
Spannend: Guitons Videoinstallation „Les pas perdus“, dargeboten in einer am Boden stehenden Holzkiste. Dabei setzt sich der Künstler metaphorisch mit dem Leben auseinander, welches man Schritt für Schritt bestreitet. Akustisch wechseln die Schrittfolgen vom weichen Gehen auf dem Gras bis hin zu den stoppenden, knirschenden Schritten auf kleinen Steinen.

Schlimme, zerstörerische Szenen aus dem Alltag verdichtet Guiton in einer großformatigen raumfüllenden Installation im zweiten Stock. Dabei reduziert er seine Aussage auf eine Meta-Ebene. Ihm geht es darum, den thematischen Kern der gezeigten Szene zu definieren.

Faszinierende Gebäude-Metamorphose

In der Remise der Kunststätte schließt sich eine Installation des finnischen Künstlerduos IC-98 (Patrik Söderlund und Visa Suonpää) an. Mit „A View from the Other Side“ laden sie den Besucher ein, einer faszinierenden Gebäude-Metamorphose zu folgen. „Protagonist“ ist ein neoklassisches Gebäude im Zentrum der finnischen Stadt Turku.

Die Waldemar Koch Stiftung, die Oldenburgische Landesbank, der Freundeskreis der HfK Bremen sowie das Niedersächsische Ministerium für Kultur und das Finnland-Institut unterstützen den aktuellen Ausstellungsreigen in der Städtischen Galerie Delmenhorst. Die Ausstellungen sind bis zum 13. Januar zu sehen.

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