Serge Gnabry erzielt das 1:0 für die Gäste. Foto: Nordphoto Als Bayerns Serge Gnabry erstmal vor dem Werder-Tor auftaucht, muss Schlussmann Jiri Pavlenka zum ersten Mal hinter sich greifen. Foto: Nordphoto
Heimspiel Bayern

Schmeichelhafte 1:2-Heimpleite verschärft die Krise

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Es bleibt dabei: Werder Bremen kann gegen Bayern München nicht mehr punkten. Auch der 16. Versuch, dem Rekordmeister wenigstens ein Pünktchen abzuluchsen, scheiterte. Im Weser-Stadion verloren die Bremer mit 1:2 (1:1).

Damit setzten die Grün-Weißen setzten nicht nur ihre Horror-Serie gegen die Münchner fort, sondern verlängerten auch die aktuelle Sieglosserie in der Bundesliga. Nur ein Punkt aus den letzten fünf Spielen – der Trend ist alarmierend. Die völlig verdiente Niederlage gegen die Bayern hatte ausgerechnet ein Ex-Bremer zu verantworten. Serge Gnabry erzielte beide Münchner Tore (20./50.). Der zwischenzeitliche Bremer Ausgleich ging auf das Konto von Yuya Osako (33.).

Zusätzlich schlimm: Werder verlor in Milos Veljkovic (verletzt) und Niklas Moisander (Gelb-Rot in der Nachspielzeit) beide Innenverteidiger und hat vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf (Freitag, 20.30 Uhr, Weserstadion) ein großes Abwehrproblem.

Werder fehlte Mut und Glaube

Die Ausgangslage vor dem Spiel war in etwa diese gewesen: Werder hoffte auf den Sieg, Werder glaubte an den Sieg, Werder wollte den Sieg. Nach 15 Niederlagen in Folge gegen die Bayern und mehr als zehn Jahre nach dem letzten Erfolg über die Bayern schien den Bremern die Gelegenheit günstig. Die Münchner Ergebnisdelle mit drei Spielen ohne Sieg war der Motor der Bremer Zuversicht.

Aber: Auf dem Platz trugen Mut und Glaube zunächst rote Trikots. Angst und Ungenauigkeit waren dagegen grün gekleidet. Soll heißen: Werder machte zunächst nichts, Bayern machte alles.
Beflügelt durch den 5:1-Sieg in der Champions League über Benfica Lissabon bestimmte der Meister, der nach dem Ausfall von Mats Hummels kurzfristig auch den K.o. von Arjen Robben beklagte, die Partie nach Belieben.

Ausgerechnet Gnabry

Die Gäste ließen den Ball laufen, und die Bremer liefen hinterher. Genauso, wie Werder-Trainer Florian Kohfeldt es nicht sehen wollte. Er hatte „eigenes Kombinationsspiel“ und „eigene Ballbesitzphasen“ gefordert. Doch bis zur 20. Minute kam Werder nicht einmal in die Nähe des Münchner Tors.
Ob der Stimmungsboykott der Ostkurven-Ultras eine Rolle dabei spielte, ließ sich nicht belegen. 20 Minuten und eine halbe protestierten die Fans auf den Stehplätzen gegen die Zerstückelung des Spieltags. Als sie wieder Alarm machen wollten, mussten sie erstmal den Rückstand verkraften. Nachdem Robert Lewandowski (7.) und Joshua Kimmich (15.) die ersten guten Chancen der Bayern vergeben hatten, schlug ausgerechnet Gnabry zu.

Rückstand wirkt belebend

In der Saison 2016/17 hatte er in 27 Spielen für Werder elf Tore erzielt, nun traf er das erste Mal gegen die Bremer. Kimmich hatte den Ball in den Strafraum gehoben, Ludwig Augustinssons Abseitsfalle gegen Gnabry schnappte sich zu und im Duell mit Werder-Keeper Jiri Pavlenka erzielte der für Robben in die Startelf gerutschte 23-Jährige das 1:0 für den Meister (20.).
Dass diese Führung berechtigt war, stand außerhalb jeden Zweifels. Zu dominant waren die Bayern, zu brav die Bremer. Doch der Rückstand wirkte belebend, Werder wurde plötzlich munterer, mutiger. Ein Distanzschuss von Nuri Sahin (29.) war ein erstes Lebenszeichen, nur wenig später jubelten dann die Bremer.

Osako von Boateng nicht zu stoppen

Max Kruse flankte auf Yuya Osako. Und der Japaner, der den Vorzug vor Martin Harnik bekommen hatte, schraubte seine 1,82 Meter perfekt in die Höhe, setzte sich gegen den zehn Zentimeter größeren Jerome Boateng durch und köpfte das 1:1 (33.). Werder wieder im Spiel – und der verletzte Philipp Bargfrede staunte bei „Sky“: „Ich wusste gar nicht, dass Japaner so kopfballstark sind.“ Boateng wusste es offenbar auch nicht.
Der Halbzeitstand war allerdings absolut schmeichelhaft für die Bremer, die sich viel zu viele Ballverluste leisteten und den Bayern viel zu viele Chancen gestatteten. Vor und nach dem Ausgleich hatten Thomas Müller und Lewandowski Top-Möglichkeiten ausgelassen. Bargfredes Halbzeitbilanz fiel deshalb nicht gerade euphorisch aus: „Wir können froh sein, nicht das 0:2 bekommen zu haben.“

Johannes Eggenstein im Pech

Kein 0:2, aber das 1:2 leuchtete dann nach 50 Minuten von den Videowänden auf die 42 100 Zuschauer im Weser-Stadion herab. Müller hatte sich auf der rechten Seite spielend leicht gegen Sahin durchgesetzt, die Hereingabe verlängerte Gnabry mit dem linken Knie ins lange Eck. Doppelpack des Ex-Bremers. „Wir freuen uns auf ihn“, hatte Werder-Sportchef vor der Rückkehr des Nationalspielers nach Bremen gesagt – ob das in diesem Moment noch galt?

Fakt war: Wäre Osako nicht in einen Schuss von Johannes Eggestein gelaufen, hätte Werder den Schaden schnell wieder repariert (58.). Kurz darauf musste Kohfeldt sein Team neu aufstellen. Innenverteidiger Milos Veljkovic musste angeschlagen vom Platz, Sebastian Langkamp kam. Kurz danach auch Kevin Möhwald für Johannes Eggestein.

Pizarro sorgt noch einmal für neues Leben

Die Bremer spielten fortan mit einer Dreierkette, Möhwald übernahm die „Sechs“, Sahin rückte eine Position nach vorn. Es waren keine geplanten Umstellungen, eigentlich wollte Kohfeldt in Milot Rashica einen schnellen Angreifer bringen, doch wegen Veljkovics Verletzung änderte sich der Plan. An dessen Ende stand die Einwechslung von Claudio Pizarro. Und siehe da: Werder lebte sofort auf.

Der 40-Jährige, in seiner Karriere neun Spielzeiten bei den Bayern und nun in seiner neunten Werder-Saison, legte mit seinem ersten Ballkontakt für Kruse ab, der Kapitän verzog aber knapp (77.). Die Szene war das Zeichen für die Bremer Schlussoffensive. Doch die bestand nur noch aus ungefährlichen Standards.

 

 

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