Lencke Steiner kam 2015 erstmals in die Bürgerschaft und wurde sofort Vorsitzende der FDP-Fraktion. Foto: Schlie
Interview

Lencke Steiner: „Mich rufen Hartz IV-Kinder an“

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FDP-Spitzenkandidatin Lencke Steiner spricht im Interview über das Wahlplakat mit ihrer Telefonnummer, Pläne für Car-Sharing in Bremen und die Gewoba.

Weser Report: Frau Steiner, der größte Fehler von Politikern ist es, dass sie keine Fehler zugeben. Das hatten Sie zu Beginn Ihrer politischen Karriere gesagt. Was war Ihr größter politischer Fehler?

Lencke Steiner: Ich poste gerne mal Dinge, ohne darüber nachzudenken, wie die bei anderen ankommen. Das kann dann schon dazu führen, dass sich einige wahnsinnig aufregen. Im Nachhinein kann ich das auch verstehen.

Bei der Bürgerschaftswahl 2015 wurden Sie als Quereinsteigerin Spitzenkandidatin der FDP. Jetzt hat die CDU mit Carsten Meyer-Heder einen Quereinsteiger an der Spitze. Was raten Sie ihm?

Zu Beginn des Wahlkampfes haben wir uns immer mal wieder ausgetauscht, wer was macht.

Was war der wichtigste Rat, den Sie zu Beginn Ihrer politischen Karriere bekommen haben?

Bei Einladungen zu Reden habe ich mich oft gefragt: Bin ich dem gewachsen? Da hat Rüdiger Grube, der damalige Chef der Deutschen Bahn, zu mir gesagt: Mach dir keine Sorgen, es gibt schon einen Grund, warum du eingeladen bist, und den muss du erkennen. Der Rat hat mir viel Selbstvertrauen gegeben.

Auf einem Wahlplakat veröffentlichen Sie ihre Handy-Nummer und fordern die Leute auf, Sie anzurufen. Wie viele Handys haben Sie?

Jetzt zwei, davon eines für die Nummer auf den Plakaten. Ich habe aber eine Anrufweiterleitung auf mein privates Telefon. Ich versuche, möglichst schnell zu antworten, schaffe ich aber nicht immer. Nur über Ostern habe ich das Handy in die Ecke geworfen.

Was wollen die Anrufer mit Ihnen besprechen?

Viele wollen über die Rentenpolitik reden und darüber, dass sich Leistung wieder lohnen muss und deshalb die Steuern sinken müssen. Mich rufen auch Kinder von Hartz IV-Empfängern an und fragen, warum sie darunter leiden müssen, dass ihre Eltern Hartz IV bekommen. Und Verkehr ist ein großes Thema.

Sie setzen sich ja für die Autofahrer ein, fordern mehr Parkplätze auch in der Innenstadt.

Wir sind nicht die reine Autopartei, aber wir wollen den Leuten nicht verbieten, Auto zu fahren. Wir wollen einen modernen Mobilitätsstandort schaffen mit mehr Carsharing-Anbietern. Cambio als Platzhirsch in Bremen ist nicht mehr modern. Da müssen Sie sich noch persönlich vorstellen, und das Unternehmen entscheidet, ob es Sie gnädigerweise als Kunde aufnimmt. Es gibt Anbieter mit Floating-Konzepten, wo der Kunde das Auto überall annehmen und wieder abstellen kann. Dann braucht man wirklich kein eigenes Auto mehr.

Sie wollen bei der Bürgerschaftswahl mehr als zehn Prozent der Stimmen erreichen. In der jüngsten Umfrage steht die FDP erst bei sieben Prozent. Mit welchen Themen wollen Sie zulegen?

Am wichtigsten ist, dass wir uns von den anderen Parteien unterscheiden und mit den Leuten noch mehr sprechen.

Bei der Bildung versprechen alle relevanten Parteien mehr Lehrer.

Hier unterscheiden wir uns schon dadurch, dass wir den Schulkonsens nicht unterschrieben haben. Und wir sind so ziemlich die Einzigen, die sagen, auch in der Bildung darf Leistung wieder positiv gesehen werden. Deshalb wollen wir Noten ab Klasse drei und Rechtschreibung von Anfang an. Wir wollen auch mehr Gymnasien zusätzlich zu den Oberschulen, Gymnasien mit dem Abitur nach der zwölften Klasse und Gymnasien mit dem Abitur nach der 13.

Sie fordern auch den Verkauf von kommunalen Unternehmen. Warum?

Wenn finanziell nichts mehr geht, sollte Bremen zumindest prüfen, ob es kommunale Unternehmen gibt, die nicht unbedingt länger der Kommune gehören müssen. Wozu braucht die Stadt ein eigenes Catering-Unternehmen? Warum nicht die Brepark privatisieren? In anderen Städten betreiben private Unternehmen die Parkhäuser, und da parkt man auch nicht schlechter.

Welche Unternehmen sollten weiterhin der Stadt gehören und nicht privatisiert werden?

Zum Beispiel die Geno mit ihren Krankenhäusern. Es gibt Kernbereiche, wo eine Privatisierung keinen Sinn macht

Bei der Gewoba?

Die Gewoba nehmen wir von der Privatisierung aus. Wir möchten, dass mehr Wohnungen gebaut werden – von privaten und von kommunalen Unternehmen. Ganz oft dreht sich die Diskussion nur um Sozialwohnungen oder sehr teure Wohnungen. Wir möchten den Bereich dazwischen stärken. Wir möchten auch, dass mehr Einfamilienhäuser und Doppelhäuser entstehen.

In den Umfragen schneidet die FDP in Bremen schlechter ab als im Bund.

Die Bremer FDP war nie an den Bundestrend gekoppelt. Wir konzentrieren uns auf unsere Stärken und versuchen, alles herauszuholen.

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