Bürgermeister Carsten Sieling im Gespräch mit Festbesucherin Festbesucherin Tanja Henkel erzählt Bürgermeister Carsten Sieling, was sie alles bei der Suche nach einer neuen Wohnung erlebt hat. Foto: Eckert
Wahlkampf

Carsten Sieling auf Wahlkampftour in Obervieland

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Birne ist nicht gleich Birne, wie Bremens Bürgermeister Carsten Sieling erfahren musste. Der SPD-Spitzenkandidat war auf dem Stadtteilfest in Obervieland und suchte das Gespräch mit den Bürgern. Ganz ohne Parolen.

Die Birne will Carsten Sieling dann doch nicht annehmen, nicht diese. Birne steht für CDU, jedenfalls jetzt im Wahlkampf um eine neue Bürgerschaft. „Klare Birne, klare Worte, klare Ziele“, wirbt CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder auf Plakaten für sich und seine Partei.

Tatsächlich klebt auf der Birne, die ein junger Mann Sieling anbietet, ein kleines CDU-­Logo. SPD-Spitzenkandidat Sieling mit CDU-Präsent? Das geht gar nicht, nicht knapp zwei Wochen vor der Wahl. Nicht auf dem Stadtteilfest in Obervieland, das Hunderte Besucher anlockt.

43 Stände auf dem Gelände des TuS Komet Arsten

Arbeiterwohlfahrt, Franziskus-Gemeinde, Demenz-Initiative, Polizei und Feuerwehr informieren über ihre Arbeit, bieten Spiele an oder gestalten ein Bühnenprogramm. Insgesamt 43 Stände stehen auf dem Gelände des Sportvereins TuS Komet Arsten.

Ein Jahr lang hat Vereinsvorsitzender Andreas Vroom gemeinsam mit einem Team das Fest vorbereitet. Sogar die Sonne strahlt, nach den kalten Regentagen zuvor.

Wahlkampfwetter. Carsten Sieling, offenes Hemd, Freizeitblazer statt Anzug, wirkt entspannt. Er hat schon härtere Auftritte hinter sich.

Urlaub mitten im Wahlkampf

Tanja Henkel kommt dem Bürgermeister freundlich entgegen. „Wir kennen uns aus der Flüchtlingshilfe“, spricht ihn die Festbesucherin an. Jetzt klagt sie ihm, wie schwer es sei, in Bremen eine Wohnung zu finden.

Für Sieling, das Stichwort um aufzuzählen wie viele Förderprogramme der Senat verabschiedet hat, wie viele Baugenehmigungen die Behörde erteilt hat und wie viele Wohnungen noch geplant sind.

Vielleicht hätte Sieling gerne noch über den Ausbau der Kitas gesprochen, über die 500 Millionen Euro, die Bremen von 2020 an jährlich zusätzlich bekommt, aber danach fragt Tanja Henkel nicht.

Andere Gäste wohl auch nicht. Sieling drängt niemanden Fakten und Parolen auf. Er schlendert zu den Ständen, schüttelt Hände. Für ihn ist der Auftritt hier ein bisschen wie Urlaub mitten im Wahlkampf. Podiumsdiskussionen und Streitgespräche erfordern mehr Konzentration.

SPD liegt aktuell unter der CDU

Am SPD-Stand greift Sieling zum Hammer. Hier können die Besucher ihre Kräfte messen, indem sie versuchen, mit möglichst wenig Schlägen einen Nagel in einen Holzbalken zu treiben.

Sieling holt aus und zack, zack, zack ist der Nagel drin. Auf dem Biergipfel am Donnerstag zuvor im Bürgerpark brauchte er für den Fassanstich nur einen Schlag. In München hätte er sich damit schon für die Leitung der Stadt qualifiziert.

In Bremen erreicht die SPD in der jüngsten Umfrage, die Radio Bremen in Auftrag gegeben hat, nur 25 Prozent. Die CDU schafft immerhin 26 Prozent. Vor vier Jahren, bei der letzten Bürgerschaftswahl, kam die SPD noch auf 32,8 Prozent, die CDU musste sich mit 22,4 Prozent begnügen.

Am 26. Mai könnte die SPD erstmals nach 73 Jahren das Rathaus verlieren.

„Der Bürgermeister hat es nicht leicht“

Noch ist Zeit, um Sympathiepunkte zu sammeln, etwa im Recycling-Pop-up-Store auf dem Sportgelände, bei der Freizeitgemeinschaft Arsten, dem Sozialverband und der Demenz-Initiative.

Auch Johannes Sczyrba ist da, der Pfarrer der katholischen St.-Franziskus-Gemeinde. „Der Bürgermeister hat es nicht leicht“, sagt der Pfarrer. Er kennt Sieling schon lange, hatte mal überlegt, für den Bundestag zu kandidieren.

Da wird Sieling schon wieder eine Birne angeboten. Diesmal greift er zu und beißt rein. „Schmeckt“, sagt er, sie trägt ja kein CDU-Logo und ist von der Arbeiterwohlfahrt.

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