120 Jahre lang ist Werder ohne Stadionsponsor ausgekommen – jetzt soll dieses Tabu gebrochen werden. Foto: Nordphoto
Stadionname

Ultras attackieren Werder-Bosse

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Ein Brief, viele harte Vorwürfe: „Scheinheilig, Doppelmoral, unehrlich". Es geht um den Stadionnamen.

Noch ist der Vertrag mit dem möglichen neuen Stadion­namensgeber nicht unterschrieben – und ginge es nach dem Willen von sieben Bremer Fan-Gruppen, dann würde der Kontrakt zwischen dem SV Werder und der Wohninvest Holding auch im Papierkorb landen.

In einem gemeinsam verfassten und an alle Werder-Fans gerichteten Offenen Brief fordern die Fan-Gruppen die Geschäftsführung auf, „genauestens zu überlegen, ob es nicht auch andere Lösungen geben kann“.

Namensänderung kritisiert

Denn die geplante Änderung des Stadionnamens von „Weserstadion“ zu „Wohninvest Weserstadion“ kommt bei den Ultra-Gruppen wie erwartet nicht gut an.

Überdies werfen sie dem SV Werder bei der Auswahl des Partners eine „Doppelmoral“ sowie „Scheinheiligkeit“ vor und beklagen im Auswahlprozess ein „intransparentes und unehrliches Handeln“ der Geschäftsführung gegenüber dem Fanbeirat.

Kurzes Statement

Obwohl die gegen den Klub und Wohninvest gerichteten Vorwürfe recht hart und teils nicht mal im Ansatz belegt sind, reagierte der SV Werder so gut wie gar nicht auf den Brief.

Zwar äußerte sich gestern Mediendirektor Michael Rudolph – sein drei Sätze umfassendes Statement blieb aber frei von Wertung oder Widerspruch.

„Die Ultra-Gruppierungen haben uns ihre Gedanken ebenfalls mitgeteilt. Wir sind mit unserer aktiven Fanszene in einem regelmäßigen Austausch. Wir haben sie in den vergangenen Tagen über den Stand der Gespräche unterrichtet und werden diesen ­Dialog auch weiterhin auf dem direkten Wege fortsetzen“, erklärte der Werder-Kommunikationschef.

Stadionname für 30 Millionen verkauft

Am vergangenen Freitag war bekannt geworden, dass Werder Bremen die Rechte am Stadionnamen für zehn Jahre an Wohninvest, ein Immobilienunternehmen aus Fellbach in Baden-Württemberg, verkaufen will und dafür insgesamt 30 Millionen Euro erhalten soll.

Der Kernpunkt der Kritik der Ultras ist nicht der Verkauf der Namensrechte an sich, sondern das Geschäftsmodell der Firma Wohninvest und die angebliche Doppelmoral der Klubführung.

Kritik an Immobilienunternehmen

Die Ultras holen gegen Immobilienunternehmen generell die große Keule raus, zeichnen das Bild von Geschäftemachern, die alleinerziehende Mütter mit Kindern vor die Tür setzen, um den gut verdienenden Bankier einziehen zu lassen.

Auch Wohninvest beteilige sich „maßgeblich am sozioökonomischen Strukturwandel von Stadtteilen“, schreiben die Ultras. Beweise dafür liefern die Fans jedoch nicht.

Stets an „Scheinheiligkeit“ erinnern

Dennoch sehen sie durch die angestrebte Partnerschaft eine Aussage von Werder-Geschäftsführer Frank Baumann, wonach ein Namensgeber des Stadions „zu unserer Philosophie passen“ müsse und Geld bei der Auswahl „nicht die entscheidende Rolle“ spiele, als ad absurdum geführt.

„Wenn also künftig der Name ,Wohninvest‘ das Weserstadion ziert, dann wird Werder an seine Scheinheiligkeit, stets die eigenen Werte dem Geld vorzuziehen, erinnert“, heißt es in dem Schreiben.

Investor als „zwielichtig“ bezeichnet

Und weiter: „Letzten Endes hat die soziale Verantwortung des Vereins bei diesem Deal das Nachsehen und mal wieder stellt ein Sponsoring-Vertrag die Doppelmoral der Geschäftsführung unter Beweis.“ Die Wohninvest Holding wird außerdem ein „zwielichtiger Sponsor“ genannt.

Am Ende des Fan-Briefs werden die Gruppen Caillera Ultras, Infamous Youth, ­UltrA-Team Bremen, L’Intesa Verde, Ultra Boys, Wanderers Bremen und HB Crew als gemeinsame Autoren aufgeführt. Die Mail an Fans und Medien enthält im Betreff die klaren Botschaften „Stadionnamen erhalten“ und „Scheiß Wohninvest“.

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