Pastor Manfred Meyer macht sich vor Ort ein Bild über die Arbeit im Kindergarten.Fotos (3): Klama Pastor Manfred Meyer macht sich vor Ort ein Bild über die Arbeit im Kindergarten.Fotos (3): Klama
Osterholz

Besuch in der Schneckengruppe

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Landesdiakoniepastor Manfred Meyer begleitete einen Tag lang Erzieherinnen als Praktikant.

Es herrscht reges Treiben bei der Ankunft der 76 Kinder um 8 Uhr morgens im St.-Petri-Kinderhaus in Bremen-Osterholz.
Die Schneckengruppe bekommt an diesem Morgen Besuch von Landesdiakoniepastor Manfred Meyer, der für einen Tag Praktikant im St.-Petri-Kinderhaus der Diakonie ist.

Die Kinder schauen ihn mit großen Augen an, als sich der Pastor vorstellt. „Ich war in eurem Alter nicht im Kindergarten und daher finde ich es ganz aufregend, heute bei euch zu sein“, sagt Meyer.

Nicht im Kindergarten gewesen? Das können sich die 20 Kinder der Schneckengruppe nicht vorstellen – und schon prasseln die Fragen auf den Gast ein, der sie alle geduldig beantwortet.
Meyer möchte die Arbeit der Erzieherinnen kennenlernen und ihre Anliegen aus erster Hand hören, um sie öffentlich vertreten zu können.

Alle wollen mit dem Praktikanten spielen

20 Kinder sind in der Schneckengruppe. Viel Arbeit für die Erzieherinnen, die sich kleinere Gruppen wünschen.

20 Kinder sind in der Schneckengruppe. Viel Arbeit für die Erzieherinnen, die sich kleinere Gruppen wünschen.

Den Erzieherinnen ist es wichtig, die Selbstständigkeit der Kinder zu fördern. „Die Kinder können viel und das sollen sie auch machen. Und was sie nicht können, lernen sie“, erklärt Janina Fürst, Leiterin des St.-Petri-Kinderhauses. Es gibt klare Regeln und Strukturen – und innerhalb dieses Rahmens dürfen die Kinder sich entfalten, ausprobieren und ein Gespür für die eigenen Fähigkeiten entwickeln.

Beim gemeinsamen Freispiel widmen sich die Kinder unterschiedlichen Dingen: Puzzle, Lego, Murmelbahn, Malen, Basteln oder Bügelperlen. Und natürlich schart sich alles um den Tages-Praktikanten, der eifrig mitbastelt und -spielt. Die Kinder denken sich sogar ein eigenes Spiel aus, bei dem sie ein Restaurant gründen. Das Essen wird gebastelt und die Speisekarte gemalt.

Erzieherin Jessica Ellendt nutzt derweil jeden freien Moment, sieht nach den Kindern, räumt auf, hilft auf der Toilette, erklärt Spiele und stützt beim Erklimmen der Leiter.

Beeindruckt vom Personal

„Ich bin beeindruckt von der Qualität der Arbeit der Erzieherinnen im St.-Petri-Kinderhaus, die ich hier beobachten konnte“, betont der Landesdiakoniepastor mit Blick auf den erlebten Tag. Neben dem Spiel mit den Kindern und der Unterstützung beim Mittagessen, steht für den Landesdiakoniepastor bei diesem Praktikum auch das Gespräch mit den Pädagogen im Fokus. Ihn interessieren die Erfahrungen und Wünsche der Mitarbeiterinnen.

„Ideal wäre es, wenn wir die Gruppen mit zwei Fachkräften weiter verkleinern könnten. Kleinere Gruppen wären für alle von Vorteil, denn dann könnte man nochmal ganz anders auf die Kinder eingehen“, sagt Fürst.

Mehr Männer in den Beruf holen

Ein weiterer Wunsch der Leitung wäre es, dass sich noch mehr Männer für den frauendominierten Beruf entscheiden. Sicher sei es eine Schwierigkeit, dass in Deutschland traditionell die Männer das Geld nach ­Hause bringen und sich daher weniger Männer für den geringeren Verdienst als Erzieher entscheiden würden, so Fürst. Dabei sei es auch für die Kinder gut und wichtig, Männer im Alltag zu erleben.

Neben Gesprächen mit den Erzieherinnen spielt und bastelt Meyer auch mit den Kindern.

Neben Gesprächen mit den Erzieherinnen spielt und bastelt Meyer auch mit den Kindern.

„Ich wünsche mir, dass das Land Bremen in diesen wichtigen Bereich der frühkindlichen Bildung mehr investiert“, betont Meyer. „Für uns als Diakonie ist frühkindliche Bildung – und Bildung überhaupt – ein wichtiges Thema, denn wie ich heute selbst gesehen habe, werden hier spielerisch auch Werte wie zum Beispiel Gerechtigkeit vermittelt.“

Das kann Fürst nur bestätigen: „Es ist wichtig, dass die Kinder das Miteinander vorgelebt bekommen und dass es ihnen nähergebracht wird.“
Bei der Verabschiedung hallt die Frage durch den Raum: „Wann kommst du wieder?“ Das weiß Manfred Meyer zwar noch nicht, aber das Diakonische Werk trägt die Kosten für einen Puppenspieler, der die Kinder bald besuchen wird.

von Klara Wittwer und Johanna Stölting

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