Bremerhaven leidet nicht nur unter der Corona-Krise. Foto: Eurogate
Bremen und Hamburg

Der zweite Anlauf für Hafenkooperation

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Die Bremer und Hamburger Terminalbetreiber prüfen nach mehr als 20 Jahren erneut eine Kooperation.

Die Nachricht schreckte nicht nur die Börsianer auf. Die Bremer und Hamburger Terminalbetreiber HHLA, Eurokai und BLG, bisher ärgste Konkurrenten, teilten mit, dass sie eine „strategische Kooperation“ ausloten.

„Die Gespräche sind noch in einem sehr frühen Stadium“, sagt Hans-Jörg Heims, der Sprecher der Hamburger HHLA. Die Unternehmen sondierten, ob sie beim Containerumschlag in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven zusammenarbeiten könnten.

BLG schweigt

Die Bremer BLG wollte sich dazu auf Anfrage gar nicht äußern. Auch Eurokai schwieg. Das Hamburger Unternehmen hält 50 Prozent an Eurogate, die andere Hälfte besitzt die BLG. Eurokai ist unter den Dreien das einzige Unternehmen, das voll in privater Hand ist. Es gehört der Hamburger Familie Eckelmann. BLG ist mehrheitlich im Besitz der Stadt Bremen, die Mehrheit an HHLA hält die Stadt Hamburg.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher ist über die Gespräche informiert, wie aus politischen Kreisen zu erfahren war. Von Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte war nichts zu hören.

Die drei Unternehmen leiden nicht nur unter der Corona-Krise. Früher konnten die Terminalbetreiber mit 10 bis 15 Reedereien verhandeln und entsprechend günstige Konditionen durchsetzen. Jetzt stehen ihnen drei mächtige Allianzen gegenüber, zu denen sich die Reedereien im Laufe der letzten Jahre zusammengeschlossen haben.

Konkurrenz im Ausland

So verlagerte etwa Hapag-Lloyd Containerumschlag von Bremen nach Hamburg. Die französische Reederei CMA CGM wechselte mit ihrem Containerdienst erst von der HHLA zu Eurogate und dann nach Antwerpen.

Antwerpen ist nach Rotterdam der größte Konkurrent der deutschen Seehäfen. Weltweit steht Rotterdam auf Platz 10. Rund 14,8 Millionen Standardcontainer (TEU) wurden dort im vergangenen Jahr umgeschlagen. Antwerpen liegt mit 11,6 Millionen Containern auf dem 13. Rang, Hamburg folgt mit 9,2 Millionen Containern an 17. Stelle. Bremerhaven und Wilhelmshaven tauchen unter den 20 größten Seehäfen weltweit gar nicht auf.

Gemeinsames Interesse

Das Interesse an einer Stärkung der deutschen Häfen eint BLG-Vorstandschef Frank Dreeke und HHLA-Vorstandsvorsitzende Angela Titzrath schon jetzt. Beide sitzen im Präsidium des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe. Da lässt sich am Rande von Konferenzen wohl über Gemeinsamkeiten sprechen.

Schon Titzraths Vorvorgänger als HHLA-Chef, Peter Dietrich, hatte 1997 eine Kooperation mit der BLG angestrebt. Ihm schwebte eine gemeinsame Deutsche Bucht AG vor. Der Versuch scheiterte an Animositäten zwischen den Hanseaten.

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