Oliver Prostak (30) ist einer von zwei Geschäftsführern von Glasfaser Nordwest. Zuvor war er bei der Telekom für Marktentwicklung und Vertriebssteuerung zuständig. Foto: Schlie
Glasfaser-Ausbau

„In ein paar Jahren wird man 1.000 Mbit benötigen“

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Warum das Unternehmen Glasfaser Nordwest in Bremen viele Gehwege aufbuddeln will.

Von Robert Lürssen und Hermann J. Olbermann

Weser Report: Herr Prostak, wer ist Glasfaser Nordwest?

Oliver Prostak: Glasfaser Nordwest ist ein Gemeinschaftsunternehmen an dem Telekom und EWE zu gleichen Teilen beteiligt sind. Das Joint Venture wurde mit dem Ziel gegründet, einen eigenwirtschaftlichen Ausbau des Glasfasernetzes in großen Teilen des Nordwestens zu übernehmen.

Was bedeutet „eigenwirtschaftlich“ ?

Wir bauen auf eigene Rechnung ohne staatliche Zuschüsse.

In welchem Gebiet sind Sie tätig?

Im gesamten Kerngebiet der EWE von Stade bis etwa nach Paderborn. Dort gibt es etwa 3,4 Millionen Haushalte. Unser Ziel ist es, 1,5 Millionen Haushalte an das Glasfasernetz anzuschließen und mit 1.000 Mbit-Anschlüssen zu versorgen. Dafür werden wir innerhalb von zehn Jahren bis zu zwei Milliarden Euro investieren.

Wann beginnen Sie?

Wir haben schon begonnen. In neun Gebieten läuft der Ausbau bereits. Weitere vier folgen sehr zeitnah. Darunter ist Bremen.

Und wann starten Sie in Bremen?

Offizieller Spatenstich ist in der kommenden Woche. Details dürfen wir aus wettbewerbsrechtlichen Gründen erst dann verraten.

In Bremen verfügen die meisten Haushalte über schnelles Internet. Wozu braucht man eine 1.000 Mbit-Leitung?

Viele Privatpersonen benötigen die 1.000 Mbit pro Sekunde heute noch nicht. Wir wissen aber, dass man mit 100 Mbit-Leitungen schon heute manchmal an Grenzen stößt. Das ist die Wette, die wir eingehen: In ein paar Jahren wird man 1.000 Mbit benötigen. Der Ausbau dauert wahnsinnig lang. Deshalb müssen wir jetzt damit beginnen.

1.000 Mbit-Anschlüsse kann man doch auch heute schon bekommen. Welchen Vorteil bietet die Glasfaser?

Über das Kabelnetz kann man heute teilweise schon 1.000 Mbit pro Sekunde bekommen. Der Nachteil von Kupfer ist aber, dass alle an der gleichen Strippe hängen. Wenn abends viele Leute gleichzeitig im Internet sind, geht die Leistung nach unten. Bei der Glasfaser hat jeder Kunde seine eigene Faser. Kupfer ist immer limitiert, Glasfaser ist es nicht. Wir können 1.000 Mbit heute locker anbieten. Das lässt sich aber noch deutlich steigern. Einige Kunden fragen uns jetzt schon, wann wir 10.000 Mbit-Leitungen anbieten können. Rein physikalisch wäre auch eine Million Mbit pro Sekunde möglich.

Was kostet ein 1.000-Mbit-Glasfaseranschluss?

Das können wir nicht sagen, weil wir die Anschlüsse nicht verkaufen und mit dem Endverbraucher gar nicht in Kontakt treten. Wir bauen nur das Netz und stellen es dann den Providern zur Verfügung. Die Kunden buchen ihren Anschluss also wie gewohnt bei Telekom, bei SWB und per­spektivisch bei einem anderen Anbieter. Das ist wichtig: Der Ausbau erfolgt diskriminierungsfrei.

Schließen Sie alle Haushalte im Ausbaugebiet an?

Wir dürfen die Leitungen nur in Häuser legen, in denen mindestens ein Kunde das Produkt bucht oder wir eine Eigentümererlaubnis haben. Der Ausbau an sich ist aber nicht an eine Vorvermarktung oder bestimmte Quoten gebunden. Wenn sich Kunden erst später entscheiden, kommen wir wieder und legen den letzten Meter bis ins Haus.

Mit wem stimmen Sie sich beim Leitungsbau ab?

Grundsätzlich funktioniert das am besten in engem Dialog mit der Kommune. In Bremen ist Wesernetz ein wichtiger Ansprechpartner. Wir versuchen, alle Synergien vor Ort zu nutzen. Wenn irgendwo eine Versorgungsleitung verlegt wird, versuchen wir gleich ein Leerrohr für die Glasfaser mitzuverlegen. Ohnehin versuchen wir minimalinvasiv zu arbeiten. Unsere verschiedenen Ausbaupartner setzen dabei unterschiedliche Methoden ein. Manchmal muss der ganze Gehweg aufgebuddelt werden, manchmal reicht alle paar Meter ein Loch. Bei Bedarf können wir auch mal eine Straße vorziehen oder nach hinten schieben, wenn andere Baumaßnahmen das erfordern.

Ab wann werden die ersten Glasfaseranschlüsse in Bremen verfügbar sein?

Die Vorvermarktung beginnt im Dezember. Vorher gibt es noch eine Informationsveranstaltung für die Bürger. Wir bauen erstmal ein Stück auf Vorrat, damit die Kunden später nicht so lange warten müssen.

Wie sieht es bei Mehrfamilienhäusern aus?

Es zählt ausdrücklich zu unseren Zielen, Mehrfamilienhäuser mit anzuschließen. Wir können dort die Glasfaser bis in jede Wohnung legen.

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