Hat in der Bundesliga mehr als 100 Spiele als Werder-Trainer bestritten: Florian Kohfeldt (rechts) mit seinem Co-Trainer Tim Borowski. Foto: Nordphoto) Florian Kohfeldt (rechts) und sein Co-Trainer Tim Borowski, haben seit 2017 sportlich viel miteinander erlebt. Möglicherweise wechselt Kohfeldt zu Borussia Mönchengladbach. Foto: Nordphoto
Trainerzukunft

Was will Florian Kohfeldt?

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Nicht zum ersten Mal scheint der Werder-Coach im Visier eines anderen Clubs zu sein.

Plötzlich schauen die Verantwortlichen und die Fans des SV Werder nicht nur auf Bremen, sondern auch auf Mönchengladbach. Wen schnappt sich Borussia-Manager Max Eberl als Nachfolger von Marco Rose, den es im Sommer zu Borussia Dortmund zieht? Möglicherweise Florian Kohfeldt. Noch ist alles offen, der Kampf um den Coach hat gerade erst begonnen. Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen zu dieser spannenden Personalie.

Wie groß ist Gladbachs Interesse?

Groß. Zwar tauchten am Dienstag Berichte auf, Kohfeldt stünde gar nicht oder zumindest nicht mehr auf der Wunschliste der Borussia, doch das stimmt nicht. Borussia-Manager Max Eberl hat sich noch nicht entschieden, aber immerhin drei Favoriten: Jesse Marsch (RB Salzburg/47), Gerardo Seoane (Young Boys Bern/42) und Kohfeldt (38). Eberl will angeblich nichts überstürzen und frühestens im März einen Nachfolger verpflichtet haben.

Was will Kohfeldt?

Das ist offen. Bei seiner Vertragsverlängerung im Sommer 2019 erneuerte er sein Versprechen, den bis 2023 laufenden Vertrag erfüllen zu wollen, wenn Werder das wünsche. Zuletzt verzichtete Kohfeldt auf so ein klares Bekenntnis, betonte aber sein besonderes Verhältnis zum Club, dem er schon seit fast 20 Jahren angehört: „Ich bin Trainer von Werder Bremen – und das bin ich sehr, sehr gerne und mit vollem Herzen.“ Weiter will er sich nicht äußern.
Das Interesse eines Achtelfinalisten der Champions League wird ihm schmeicheln und gewiss ins Grübeln bringen. So eine Chance ergibt sich nicht so oft für einen jungen Trainer – wie Kohfeldt auch mit seinen 38 Jahren immer noch einer ist.
Verschiedene Vereine sollen sich bereits in der Vergangenheit mit dem Bremer Coach beschäftigt haben – darunter Borussia Dortmund, der VfL Wolfsburg und vor allem die TSG 1899 Hoffenheim im vergangenen Sommer. Es ist wahrlich nicht ausgeschlossen, dass Kohfeldt diesmal aufgrund der wesentlich besseren sportlichen Perspektive durch die größeren finanziellen Möglichkeiten von Borussia Mönchengladbach offener für etwas Neues ist.

Wie sind Werders Chancen?

Durchwachsen. Ginge es rein um die Emotionalität, hätte Werder gute Karten. Schließlich ist man gemeinsam durch dick und dünn gegangen. Dieser Abstiegskrimi schweißt zusammen. Der Club und speziell Sportchef Frank Baumann, fast so etwas wie ein Freund von Kohfeldt, dürfen auch eine gewisse Dankbarkeit vom Trainer erwarten. Denn sie haben in der tiefsten Krise an ihm festgehalten. Zudem ist der Neuaufbau gelungen, aber längst noch nicht abgeschlossen. Doch letztlich geht es nur um eines: um Überzeugung. Wenn Kohfeldt der Überzeugung ist, einen anderen Weg gehen zu wollen, dann hat Werder keine Chance und sollte auch nicht versuchen, diese zu nutzen, wie es eine Fußball-Floskel fordert.

Wie kann Werder profitieren?

In erster Linie mit einer satten Ablöse. Fünf Millionen Euro kassiert Borussia Mönchengladbach vom BVB für die vorzeitige Freigabe von Rose. Dessen Vertrag läuft eigentlich noch bis 2022, beinhaltet aber eine Ausstiegsklausel. Ob es so eine auch in Kohfeldts Kontrakt gibt, ist nicht bekannt. Aber sein Arbeitspapier endet sogar erst 2023, da sollten fünf Millionen Euro für Werder durchaus drin sein. Und das ist gerade für die Bremer in Coronazeiten viel Geld.

Wie groß wäre der Verlust?

Sehr groß. Kohfeldt ist das Gesicht des Vereins, bundesweit wahrscheinlich bekannter als jeder Werder-Profi. Er hat die Mannschaft nach dem Fast-Abstieg stabilisiert, viele junge Spieler eingebaut. Es darf nicht nur auf den sicheren Klassenerhalt gehofft werden, sondern auch auf den Pokalsieg und eine gute Entwicklung in der neuen Saison. Viele Spieler sind auch wegen des Trainers (noch) in Bremen.

Darf Kohfeldt überhaupt gehen?

Eigentlich nur im Einvernehmen mit dem Club. Dazu ist diese Verbindung viel zu eng und besonders gewesen. Frühzeitige Klarheit im Abstiegskampf und ein weiterer Sieg im Pokal würden da sicher helfen. Durch die Ablösesumme könnte eine Win-Win-Situation entstehen.

Hat Werder schon Nachfolger im Visier?

Nein. Die Verantwortlichen gehen fest davon aus, dass Kohfeldt mindestens noch eine Saison bleibt. Es gibt deshalb auch keine Liste mit Nachfolgern, aber auf so einer dürfte im Fall der Fälle schnell der Name Ole Werner von Holstein Kiel landen. Der 32-Jährige ist so etwas wie der Kohfeldt der Zweiten Liga.

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