Jens Heeren (M.), Geschäftsführer des Neusi‘s, übernimmt künftig die Patenschaft für das Langemarck-Denkmal in unmittelbarer Nachbarschaft. Horst Otto (l.) und John Gerardu (r.) haben aus dem Denkmal einen Denkort gemacht.Foto: Füller Jens Heeren (M.), Geschäftsführer des Neusi‘s, übernimmt künftig die Patenschaft für das Langemarck-Denkmal in unmittelbarer Nachbarschaft. Horst Otto (l.) und John Gerardu (r.) haben aus dem Denkmal einen Denkort gemacht. Foto: Füller
Denkmal-Patenschaft

Nachbarschaft verpflichtet

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Das Neusi‘s Fahrrad Repaircafé ist neuer Pate des Langemarck-Denkmals in der Neustadt.

„Es ist naheliegend im doppelten Sinne“, sagt Jens Heeren, Geschäftsführer des Neusi‘s Fahrrad Repaircafés an der Langemarckstraße. Nahe liegend – gerade mal wenige Meter – steht das Langemarck-Denkmal in den Neustadtswallanlagen, welches 2020 diesen Standort bezog.

„Wir räumen unseren Biergarten und Platz jeden Tag auf. Die Leute lassen nun mal was liegen. Auch am Denkmal räumen wir natürlich Müll und Flaschen weg, wenn es verschmutzt ist“, sagt Heeren.

Ein Auge auf das Denkmal

Aus kurzen Begegnungen mit Horst Otto von der Denkorte-Initiative des Vereins „Erinnern für die Zukunft“ am Denkmal entstand die Idee, die Patenschaft zu übernehmen.

„Wir kümmern uns nun sozusagen professionell um das Langemarck-Denkmal und haben aktiv ein Auge darauf“, sagt Heeren. Bei gröberen Verschmutzungen müsse allerdings die Stadt verständigt werden.

Historische Verbindung

Naheliegend ist die Patenschaft, die das Neusi‘s für das Denkmal übernimmt auch aus historischer und ideologischer Sicht, wie Heeren sagt: An der Stelle, wo heute das Neusi‘s steht, stand bis 2019 noch das Denkmal – inzwischen ein Denkort mit Informationsstele.

„Wir haben da also auch eine historische Verbindung“, sag Heeren, der mit seinem Repaircafé hinter dem neuen Sinn des Denkmals als Zeichen für Frieden und Abrüstung steht.

Ursprünglich diente das 1934 errichtete Langemarck-Denkmal vor der Hochschule in Nazideutschland zur Kriegsverherrlichung. 1988 wurde es von Unbekannten von seinem Sockel gestürzt.

Heu­te regt es zur Aus­ein­an­der­set­zung mit der NS-Ideo­lo­gie an und sym­bo­li­siert die Ab­leh­nung des Mi­li­ta­ris­mus. Am neuen Standort hat die Denkorte-Initiative maßgeblich mitgewirkt und die Stele erarbeitet.

Weitere Paten für Denkmäler

Das Patenschaftsmodell ist nicht neu: Auch die Freiwillige Feuerwehr Neustadt ist Pate für das Denkmal am Dammacker, die Wilhelm-Kaisen-Oberschule für jenes an der Vohnenstraße.

„An der Duckwitzstraße kümmert sich auch jemand um den Denkort und pflegt ihn. Wir wissen aber nicht genau, wer das macht und glauben, es ist ein älterer Herr, der auch auf der Enthüllung anwesend war“, verrät Otto.

Weitere Patenschaften für Denkmäler und -orte sind ebenfalls möglich: „Wir können jemanden gebrauchen, der ein Auge auf den Erdbunker am Leibnizplatz hat. Dieser sollte die dortige Nachbarschaft während des Krieges vor Bomben schützen und doch starben leider 66 Anwohner darin“, sagt John Gerardu von der Denkorte Initiative.

Nachwuchs gesucht

Diese forscht derzeit an neuen Projekten, etwa zu den Kasernen in Huckelriede und zu den Franke-Werken. „Wir suchen auch Leute, die Lust haben, uns dabei zu unterstützen, gerne auch Jüngere“, sagt Otto.

Der künftige Aufwand für Heeren und sein Team hält sich in Grenzen, er sei persönlich und ideell, sagt Heeren. „Es ist eher eine Ehre, sich darum kümmern zu dürfen“, so Heeren weiter.

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