Erst die Verbeugung, dann der Fisch: Der Eisvogel-Hahn bringt seiner Henne ein Brautgeschenk. Foto: Markus Hibbeler
Wildtieren helfen

Der Eisvogel: das gefiederte Juwel

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Gewässerverbauung und -verschmutzung gefährden den Meisterfischer. Flüsse mit Steilhängen schützen.

Der Eisvogel ist gemäß Bundesnaturschutzgesetz in Verbindung mit der Bundesartenschutzverordnung eine in Deutschland streng geschützte Art. Dieser prominente Vogel war 1973 wie auch 2009 Vogel des Jahres in Deutschland, 2000 in Tschechien, 2005 in Belgien, 2006 in der Schweiz, 2009 in Österreich und 2011 in der Slowakei.

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Der Eisvogel braucht nahrungsreiche Gewässer

Der Eisvogel ist fast ausschließlich an Gewässern zu finden. Der Ansitzjäger nutzt Äste als Ansitzwarten. Seine Nahrung basiert fast ausschließlich auf aquatisch lebenden Tieren wie Fischen, Insekten oder Kaulquappen, weshalb sein Vorkommen stark an nahrungsreiche, saubere Gewässer gebunden ist, die insbesondere klar sein müssen, da der Eisvogel ein Sichtjäger ist.

Dieses gefiederte Juwel mit dem unverwechselbaren schillernden Federkleid ist sowohl ein Standvogel als auch ein Kurzstreckenzieher. In Deutschland ist der Eisvogel überwiegend ein Standvogel, daher ist er, mit Glück, ganzjährig zu sehen. Der ruffreudige Vogel praktiziert die Schachtelbrut: Die Henne sitzt oft schon auf dem zweiten Gelege, während der Hahn noch die Küken aus dem vorherigen füttert. Der kleine Fischjäger brütet in Höhlen, die er tief in Steilwände gräbt.

Als Ansitz bevorzugt der Eisvogel Äste. Von hier aus hat der „Königsfischer“ die Fische gut im Blick. Der Eisvogel ist wohl eine der schillerndsten einheimischen Vogelarten. Foto: Markus Hibbeler

Als Ansitz bevorzugt der Eisvogel Äste. Von hier aus hat der „Königsfischer“ die Fische gut im Blick. Der Eisvogel ist wohl eine der schillerndsten einheimischen Vogelarten. Foto: Markus Hibbeler

Der Eisvogel wurde wegen seiner Federn getötet

Diese Flaggschiffart – von ihrem Schutz profitieren viele andere Organismen im selben Lebensraum – wurde in der Vergangenheit nicht nur durch die Binnenfischerei bedroht. Der Eisvogel wurde wegen seiner Federn getötet: Die Modeindustrie begehrte diese, denn im 19. Jahrhundert waren sie ein gefragter Schmuck für Damenhüte, und Angler nutzten sie als künstliche Fliegen.

Heute wird der auffällige Vogel durch Regulierungen, Begradigungen und Zuschüttungen von Gewässern, aber auch durch deren Verschmutzungen, gefährdet. „Viele Bäche und Flüsse sind heute begradigt. Steilwände aus Sand, besser aus Lehm, in die der Eisvogel seine tiefen Bruthöhlen bauen kann, sind kaum noch vorhanden“, bedauert der Wildbiologe, Naturfotograf und Fotojournalist Markus Hibbeler, der dem Eisvogel durch seine herausragenden Fotomotive eine Stimme gibt. „Der Eisvogel benötigt dringend Schutzmaßnahmen“, fährt der erfahrene Biologe fort.

„Hauptbedrohungen für Eisvögel sind Lebensraumverlust und Wasserverschmutzung. Schutzgebiete und Renaturierungsmaßnahmen sind entscheidend für den Erhalt ihrer Populationen“, betont der Eisvogelexperte Hibbeler.

Die Menschen sollten auf den Eisvogel Rücksicht nehmen

„Insbesondere Störungen in der Nähe der Brutröhre verträgt der Eisvogel nicht“, erklärt die Bremer Tierschutz- und Wildtier-Expertin Dr. K. Alexandra Dörnath, die die Tierarztpraxis Klein Mexiko und das Exoten-Kompetenz-Centrum leitet. „Wenn der Eisvogel dann doch ein ideales Revier an einem langsam in seinem natürlichen Bett schlängelnden, sauberen, klaren, fischreichen, in eine strukturreiche Aue eingebetteten Fluss- oder Bachlauf gefunden hat, kann es dennoch weitere Faktoren geben, die ihm das Leben schwer machen“, so die Wildtierärztin.

Denn solche Gewässer zögen immer Menschen an, die in ihrer Freizeit Erholung suchten. Wassersportler wie Kanufahrer, aber auch Angler, Spaziergänger, Wanderer, Sonnenanbeter und Badegäste würden so zu störenden Eindringlingen im Eisvogelrevier.

Nicht nur Schutz und Pflege von Brutwänden sind wichtig für Eisvogelpopulationen, sondern der Schutz ihres gesamten Lebensraums ist essenziell für ihr Überleben, so der Nabu (Naturschutzbund Deutschland e. V.). Um der Vogelart zu helfen, sind insbesondere Aktive des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz e. V.) vielerorts dabei, Flussläufe zu renaturieren, Ufer neu zu bepflanzen oder natürliche Abbruchkanten für Eisvögel „bewohnbar“ zu machen.

Der 16 bis 20 Zentimeter große und 40 bis 80 Gramm schwere „fliegende Edelstein“ ist ein Meisterfischer. Er taucht mit großer Genauigkeit ins kühle Nass, um nach Futter zu jagen. Aber auch seine schnellen und wendigen Flugmanöver sind beeindruckend zu beobachten. Foto: Markus Hibbeler

Der 16 bis 20 Zentimeter große und 40 bis 80 Gramm schwere „fliegende Edelstein“ ist ein Meisterfischer. Er taucht mit großer Genauigkeit ins kühle Nass, um nach Futter zu jagen. Aber auch seine schnellen und wendigen Flugmanöver sind beeindruckend zu beobachten. Foto: Markus Hibbeler 

Die Expertin Dr. Alexandra Dörnath aus der Tierarztpraxis Klein Mexiko
Foto: Bollmann

Die Witterung hat großen Einfluss auf die Eisvogel-Bestände

„Die hohe Fortpflanzungsrate hilft den Eisvögeln, die großen Verluste in kalten Wintern auszugleichen“, weiß die Wildtierärztin Dörnath. Ihre Populationen seien stark abhängig von der Wetterlage. Die Lebenskonditionen für den Eisvogel seien selbst ohne jedes menschliche Zutun starken Veränderungen unterworfen, wobei insbesondere die Witterung enormen Einfluss auf seine Bestände hätten. Vor allem die Niederschlagsmengen und die Wintertemperaturen seien hier entscheidend.

Mit den bekannten Worten des senegalesischen Försters Baba Dioum, die inzwischen weltweit ein geflügeltes Sprichwort geworden sind, weist Dörnath auch auf die Bedeutung der Naturfotografie hin: „Nur das, was wir kennen, lieben wir und nur das, was wir lieben, schützen wir“. Naturfotografen wie Markus Hibbeler brächten Tiere und Natur in unsere Wohnzimmer und somit in unsere Herzen, so die Naturliebhaberin. Ohne Hibbeler wären Tiere wie der Eisvogel mit ihrer beachtenswerten akrobatischen Jagd auf Futter weniger bekannt. Naturfotografen sind also auch wichtige Naturschützer, so Dörnath.

Falls Ihnen ein Thema rund um einheimische Wildtiere und auch Exoten unter den Nägeln brennt, schreiben Sie uns einfach unter martin.bollmann@weserreport.de eine Mail.

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