Lilienthals Dörfer verlieren Grundschulen

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Was Kriege und Feuersbrünste in Jahrhunderten nicht geschafft haben, erledigen nun Grüne und SPD: Tanja Ruczyns­ki (CDU) warf Dienstagabend der grün-roten Ratsmehrheit  vor, die Schulen in den Dörfern zu zerstören. Die Verwaltungsvorlage für die künftigen Grundschulstandorte wurde dann mit 15 gegen 10 Stimmen beschlossen.

Protestler trugen symbolisch einen Sarg in die Sitzung. Foto: Möller

Vor dem Rathaus hatte das Aktionsbündnis „Unser Lilienthal – Unsere Grundschulen“ Dienstagabend noch einmal mobilisiert. 800 Menschen stritten schon Mitte Juni bei einer Treckerdemo für den Erhalt aller Grundschulstandorte in Lilienthal (wir berichteten), es waren außerdem rund 3.000 Unterschriften gesammelt worden, „das ist so viel wert, wie eine Bürgerbefragung“, schimpfte Heinz-Hermann Schnaars aus Frankenburg in der Einwohnerfragestunde.

Mut zu schwieriger Entscheidung

Bürgermeister Willy Hollatz sprach anschließend von einer stark polarisierten Debatte, in deren Verlauf er auch Kränkungen erlebt habe. Uwe Kempf (SPD) nannte seine bevorstehende Zustimmung eine wohl schwierige Entscheidung, zu der er aber den Mut aufbringen werde. Dass ihm Proteste entgegen schlugen, überrasche ihn nicht, „ich bin gestählt aus der langen Debatte um die Linie 4“.
Martin Heinlein vom Aktionsbündnis warf insbesondere Hollatz vor, das Engagement der vielen Ehrenamtlichen in den Außenbereichen zu übergehen, der Bürgermeister wehrte solche Anschuldigungen als „populistisch“ ab.

Die Neuausrichtung der Schullandschaft sei eine notwendige Reaktion auf den demografischen Wandel. Lilienthal erhalte vier von sechs Grundschulstandorten und sorge dort für einen Ganztagsschulbetrieb und eine Bildungsqualität, die nur aufrecht erhalten werden könne, wenn eine Schülerzahl in der Stärke von mindestens zwei Klassen je Jahrgang gehalten werden könne.

Schulschließungen als Konsequenz aus Straßenbahnbau

Die Schließungen der Schulstandorte in Seebergen und Frankenburg wären wohl nötig, weil die Gemeinde sich bei der Finanzierung der Straßenbahnerweiterung verhoben habe, mutmaßte Ingo Wendelken von der Fraktion „Querdenker“. Gemeinsam mit der CDU beantragte er eine Bürgerbefragung zum Schulkonzept.

Der Antrag wurde mit grün-roter Mehrheit abgelehnt. Anschließend wurden weitere Änderungsanträge  aus den Reihen von CDU und Querdenkern ebenfalls mit 15 gegen 10 Stimmen niedergestimmt, bis die Verwaltungsvorlage mit 15 zu 10 Stimmen angenommen wurde.

Schlag für Menschen in Lilienthals Außenbereichen

„Für uns Menschen in den Dörfern ist das ein schwerer Schlag, weil die Schulen immer Keimzellen des sozialen Zusammenhalts gewesen sind“, so das Aktionsbündnis in einer Erklärung im Anschluss an die Sitzung.

Keiner der Verantwortungsträger habe der Bevölkerung in den Außenbereichen überzeugend erklären können, warum sie „dieses Opfer für ein wie auch immer geartetes höheres Ziel erbringen sollen“.

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