Professor Karsten Reise, ehemaliger Fellow am Hanse-Wissenschaftskolleg Delmenhorst stellte im Bremer Weserstation das Buch „Kurswechsel Küste – was tun, wenn die Nordsee steigt“ vor. Foto: Konczak Professor Karsten Reise, ehemaliger Fellow am Hanse-Wissenschaftskolleg Delmenhorst stellte im Bremer Weserstation das Buch „Kurswechsel Küste – was tun, wenn die Nordsee steigt“ vor. Foto: Konczak
Buch zur Küste

Neues Gesicht für die Küste der Nordsee

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Die Ergebnisse aus dem Projekt „Kursbuch Küste“ sind nun in das Buch „Kurswechsel Küste – was tun, wenn die Nordsee steigt“ eingeflossen. Wenn die Prognosen zutreffen, liegt Delmenhorst nah am Wasser.

„Das Büch über die Nordsee namens ‚Kurswechsel Küste – was tun, wenn die Nordsee steigt‘ ist ein Gemeinschaftsprojekt. Es basiert auf zahlreichen Gesprächsrunden am Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) Delmenhorst, an denen insgesamt 70 Experten aus den Bereichen Wissenschaft, Küstenschutz, Hafenwirtschaft, Tourismus, Politik und von Umweltverbänden in knapp drei Jahren teilgenommen haben“, teilte der Projektleiter Professor Karsten Reise (ehemaliger Leiter der Wattenmeerstation Sylt des Alfred-Wegener-Instituts), bei der Buchpräsentation am Montag im Bremer Weserstadion mit.

Das Weserstation war als Ort gewählt worden, da es im Überschwemmungsgebiet der Pauliner Marsch liegt. 90 Prozent der Landfläche Bremens wären von Überflutungen bedroht, wenn der Meeresspiegel über einen Meter stiege. Davon wäre auch das Stadion betroffen.

Die Nordsee rückt immer näher

Schnell sei allen Gesprächsteilnehmern klar geworden, dass dem schneller steigenden Meer mit technischem Fortschritt allein nicht zu begegnen sei, sondern vielmehr Innovationen gefragt seien, wie man mit mehr Wasser im Küstenraum leben könne. „Wir brauchen eine schrittweise Vorbereitung auf ein Leben mit veränderlichen Inselufern, wandernden Dünen und mehr Wasser in den Marschlandschaften“, sagte Reise.

Außerdem müsse man dem Watt helfen, genau wie das Meer, zu steigen. Bislang hätte man an den Küsten vor allem auf eine ständige Erhöhung der Deiche gesetzt. „Das allein wird nicht ausreichen. Zumal durch Entwässerungen, das Land hinter den Deichen kontinuierlich abgesackt ist und an einigen Stellen mittlerweile bis zu 3,6 Meter unter dem Meeresspiegel liegt“, so Reise.

Mehr Wasser aus der Nordsee hinter den Deichen zulassen

Der Projektleiter rät dazu, wieder mehr natürliche Überflutungsgebiete zuzulassen. „Diese Gebiete seien sogar wirtschaftlich nutzbar, etwa als Wasserbüffelweiden oder um dort meerwassertolerante Pflanzen anzubauen“, so Reise. Man müsse die Probleme mit dem Meeresanstieg als  Chance sehe.

„Um die Kosten zu senken, könnte man hohle Deiche bauen, in deren Innerem man beispielsweise Shoppingmalls einrichtet sowie hochgestellte oder schwimmenden Häuser.“ Die Schönheit der Nordseeküste wird durch 75 Bilder des amerikanischen Fotokünstlers Alex S. MacLean illustriert. Finanziell gefördert wurde das Projekt von der Bremer Landesbank.

Buch richtet sich an alle Bewohner der Küstengebiete

Das 200 Seiten umfassende Buch „Kurswechsel Küste“ richtet sich an alle Bewohner der Küstengebiete. Besonders angesprochen sind die Inselbewohner und die in den tief liegenden Marschen lebenden Personen, aber auch die Bewohner tiefer Stadtgebiete wie in Bremen, Hamburg oder Wilhelmshaven. Es ist im Wachholtz Verlag erschienen und kostet 24,80 Euro.

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