Das Weinfest ist eines der beliebtesten Open airs der Stadt. Foto: av Das Weinfest ist eines der beliebtesten Open airs der Stadt. Foto: av
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Open air ist schwer – Aus für das Bremer Weinfest?

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„Die Auflagen seitens der Stadt werden immer mehr und teurer“, berichten die Organisatoren von Großereignissen im öffentlichen Raum. Betroffen ist unter anderem das alljährliche Event für Genießer auf den Loriotplatz.

„Vor drei Jahren war es ein Bauzaun, um die Wallanlagen vor „Wildpinklern“ zu schützen, und die Festsetzung, Security einzusetzen. 2015 gab es verschärfte Auflagen zur Entsorgung von Schmutzwasser. Und die jüngste Anweisung lautet, die Standbetreiber mit Ausweisen auszustatten, die zur Anfahrt auf das Festgelände berechtigen“, listet Weinfest-Veranstalter Oliver Schmidt (Grashoff‘s Bistro) auf.

Die Kosten, die dadurch entstehen, könne er nicht auf die Winzer und Gastronomen umlegen, weil die Verträge schon seit Monaten in trockenen Tüchern sein. „Also müssen wir das selbst bezahlen. Unser Budget wird immer geringer. Künstler wie wir sie früher neben den Musikern auf dem Weinfest hatten, können wir uns beispielsweise schon lange nicht mehr leisten.“

Geänderte Zuständigkeiten

Er wolle keinen Gewinn mit der Veranstaltung machen, aber auch keine Verluste. So sieht er für das Weinfest keine Zukunft.„In Sachen Zufahrt zum Veranstaltungsgelände haben sich die Zuständigkeiten geändert“, erläutert Bernd Wurche, Sachbearbeiter Innenstadt beim Amt für Straßen und Verkehr (ASV). Früher habe das Stadtamt Kennkarten ausgegeben, jetzt sei seine Behörde für Ausnahmegenehmigungen zuständig. „Die braucht jeder, der Fußgängerzonen befährt“, fügt er hinzu.

„Die Kosten hätten allerdings noch schlimmer sein können“, lautete das Fazit von Susanne Rehenbrock, die zuständig für die Administration des Weinfestes ist und in dieser Funktion am Donnerstag mit ASV-Vertretern zusammensaß. „Man ist uns letztlich doch noch entgegen gekommen. Dennoch ist es mittlerweile schwer mit Open-Air in Bremen.“

Die Sicherheit der Teilnehmer garantieren

„Die vom Stadtamt verfügten Auflagen für Veranstaltungen wie das Weinfest sind erforderlich, um die Sicherheit der Teilnehmer und der Passanten im Umfeld zu gewährleisten“, so Marita Wessel-Niepel, Leiterin des Stadtamtes. Die Auflagen bezögen sich vorrangig auf die Freihaltung von Feuerwehrzufahrten, Vorgaben für flüssiggasbetriebene Geräte, die sichere Verlegung von Leitungen und den Einsatz von Sicherheitskräften.

Das macht auch  Theatro-Wirt Barry Randecker das Leben schwer. Er hatte während der EM zum Public-Viewing bei Deutschland-Spielen jeweils 20 Ordner engagieren müssen. „Seit der Love-Parade in Duisburg versteht man da keinen Spaß mehr“, lautet die Erfahrung des Gastronomen.

Händler vom Wochenmarkt auch betroffen

Händler vom Wochenmarkt sind von strengeren Vorgaben ebenfalls betroffen. „Es kommt einem so vor, als würde der Standort jeden einzelnen Waren-Körbchens inzwischen gesetzlich geregelt sein“, kritisiert einer von ihnen, der anonym bleiben möchte.

Bei allem Verständnis, das Weinfest-Organisator Oliver Schmidt für die Sicherheitsvorkehrungen aufbringt, stimmt ihn eines allerdings doch traurig: „In ihrer Heimat bekommen die Winzer bei Stadtfesten Zuschüsse. Bei uns bekommen sie den Eindruck, als seien sie nicht willkommen.“

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