Ilka Krüner-Reuß (v l.) und Maren Maetze von der Frühberatungsstelle Bremen-Nord haben zusammen mit Hebamme Jasmin Schmidt und Pädagogin Kathrin Oporek das neue Angebot ins Leben gerufen. Foto: Füller Ilka Krüner-Reuß (v l.) und Maren Maetze von der Frühberatungsstelle Bremen-Nord haben zusammen mit Hebamme Jasmin Schmidt und Pädagogin Kathrin Oporek ein neues Angebot ins Leben gerufen. Foto: Füller
Beratung

Unglücklich nach der Geburt: Tabuthemen ansprechen

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Die strahlende Bilderbuch-Mami ist ein Mythos, sind sich die Mitarbeiterinnen der Frühberatungsstelle Bremen-Nord einig. In Aumund gibt es ein neues Angebot für Frauen mit negativen Erfahrungen, Sorgen und Ängsten.

Für Frauen sind Schwangerschaft und Geburt Grenzerfahrungen – im positiven aber auch im negativen Sinn. „Die Zeit heilt nicht von selber alle Wunden. Ich hätte mit nach der Geburt meiner Tochter vor 30 Jahren ein Angebot wie dieses gewünscht. Deshalb sind wir so froh, jetzt endlich starten zu können“, sagt Diplom-Psychologin Maren Maetze von der Frühberatungsstelle Bremen-Nord.

Negative Erfahrungen ansprechen

Gemeint ist das Angebot „Elternzeit mit Nachwehen“. Zusammen mit Hebamme Jasmin Schmidt und Pädagogin Kathrin Oporek wollen Maetze und ihre Kollegin Ilka Krüner-Reuß, Diplom-Sozialpädagogin,  Frauen einen Raum geben, auch über negative Erfahren im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt zu sprechen. Erlebtes soll verarbeitet werden können. „In Baby-Kursen ist dieses Thema immer wieder zur Sprache gekommen“, sagt Schmidt.

Für freiberufliche Hebammen sei es laut Schmidt zudem schwer, Frauen im Hinblick auf dieses Thema intensiv zu betreuen. „Wir können helfen, die körperlichen Wunden zu heilen, die seelischen müssen leider oft auf der Strecke bleiben.“ Im Rahmen des Angebots konnte Schmidt nun fest bei der Frühberatungsstelle angestellt werden.

Hoher gesellschaftlicher Druck

Auf Frauen läge ein enormer Druck von außen, nach der Geburt ihres Kindes glücklich zu sein. Doch was ist, wenn bestimmte Erlebnisse und Ängste dazu führen, dass sie dieses Gefühl nicht empfinden? Die Frauen meinen, versagt zu haben, so Schmidt weiter.

Besonders Kaiserschnitte lösten solche Gefühle aus, sagt die Hebamme. „Die Frauen fühlen sich ausgeliefert und nicht beteiligt. Das kann Folgen haben“, so Schmidt weiter.
Oft seien auch Frauen, die bereits das zweite Kind erwarten, von Ängsten geplagt, weil zuvor schon negative Erfahrungen gemacht wurden.

Betroffene sind mit ihren Gedanken nicht allein

„Die Frauen sind mit solchen Gedanken nicht allein. In der Gruppe können sie einfach nur zuhören, aber auch ihre Sorgen äußern, wer möchte auch im Einzelgespräch mit der Psychologin“, sagt Krüner-Reuß.

Es handelt sich nicht um eine Therapie, zu der etwa im Falle einer Wochenbettdepression geraten wird, sondern um ein Angebot, dass neue Blickwinkel auf Erlebtes geben soll. „Erkennen wir, dass eine Frau weitere Hilfe braucht, bieten wir diese aber an und stellen Kontakte her“, so Maetze.

Auswirkungen auf die ganze Familie

Jedes Treffen beinhalte Gespräche, aber auch Bewegung und Musik. „Wir wollen ihnen ein gutes Körpergefühl geben. Sie sollen sich entspannen und mit einem positiven Gefühl die Gruppe verlassen“, so Oporek.

Die Probleme haben laut Maetze häufig Auswirkungen auf die ganze Familie und die Beziehung zu Mann und Kind, weil die Frauen sich veränderten. „Wir wollen mit dem Angebot Verarbeitungsprozesse in Gang setzen, die den Betroffenen helfen, die negativen Gefühle mit etwas Positivem zu belegen“, so Krüner-Reuß.

Kostenfreie Teilnahme dank Förderung

Das Angebot ist mittels einer Förderung der Senatorin für Soziales kostenfrei für alle interessierten Frauen. Es findet ab sofort montags von 11.15 Uhr bis 12.30 Uhr im Mehrgenerationenhaus Haus der Zukunft (Lüssumer Heide 6) statt. Teilnehmerinnen können ihre Babys mitbringen. Informationen gibt es unter der Telefonnummer  69 00 91 46.

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