Dr. Michael Schottmayer. Foto: Schlie Dr. Michael Schottmayer. Foto: Schlie
Expertenrat

Wie man den Weihnachtsstress vermeidet

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Weihnachten wird gerne als Fest der Liebe bezeichnet. Doch oft sind Advent und Feiertage eher von Unruhe und Stress geprägt. Wie sich das vermeiden lässt, erklärt der Psychologe Dr. Michael Schottmayer.

Weser Report: Der Advent ist für die meisten nur vermeintlich eine besinnliche Zeit. Vielmehr assoziieren viele mit der Vorweihnachtszeit Stress. Wo liegen Ihrer Meinung nach die Gründe dafür?

Dr. Michael Schottmayer: Die Menschen empfinden die anstehenden Aufgaben wie Geschenkekauf, Dekorieren und Backen als zusätzliche Belastung. Denn wer Arbeit hat, hat heutzutage aufgrund der stetigen Verdichtung meistens mehr als genug davon. Man neigt also dazu, die Dinge zum Fest vor sich her zu schieben, sodass es auch dabei zu einer Verdichtung und somit zu Stress­situationen kommt.

Sollte man die Erwartungshaltung an den Advent und die bevorstehenden Feiertage herunterschrauben?

Es ist sicherlich sinnvoll, die Messlatte nicht zu hoch zu legen. Aber auch mit gutem Projektmanagement lässt sich viel erreichen. Wer hindert uns daran, frühzeitig einen Plan der anstehenden Aufgaben zu machen, und diese nach und nach abzuarbeiten? So kann man die Tage vor dem Fest bestenfalls ganz entspannt angehen.

Liegt ein Grund für angespannte Stimmung an den Weihnachtstagen auch daran, dass wir uns unsere eigenen Bedürfnisse zu wenig bewusst machen?

Das mag so sein. Man sollte sich auch innerlich vorbereiten und vor Augen führen, was man erwartet. Nur weil es „Fest der Liebe“ heißt, wird die Beziehung zum „bösen Onkel“ nicht besser. Dessen sollte man sich bewusst sein und gelassen bleiben.

Sind zu wenig Bewegung, zu viel Völlerei und vielleicht auch noch höherer Alkoholkonsum ausschlaggebend, dass wir an den Weihnachtstagen reizbarer sind?

Das alles spielt sicherlich eine Rolle. Unter Alkoholeinfluss kommen häufig Dinge an die Oberfläche, die sonst unter der Decke gehalten werden. Man selbst hat nur reduzierte Möglichkeiten, überlegt zu reagieren.

Was raten Sie Menschen, die Weihnachten alleine sein müssen?

Heutzutage müssen glücklicherweise nicht wirklich viele Menschen an den Feiertagen alleine sein. Wer das nicht ausdrücklich möchte, sollte sich im Vorfeld umschauen, was für Möglichkeiten es gibt. Die sind mittlerweile umfassend. Gaststätten und Pensionen bieten für Betroffene oft etwas an, in Bürgerhäusern finden Single-Abende statt und ich habe sogar schon von einer Family-Escape-Party gehört. Da sollte doch für jeden etwas dabei sein.

Zur Person: Dr. Michael Schottmayer ist Psychologe an der Universität Bremen mit Schwerpunkt Sozial- und Wirtschaftspsychologie. Der 62-Jährige ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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