Schnee okay, aber vom Wasser keine Spur: Nicht nur Schlittschuhläufer, auch Naturschützer würden sich dieser Tage über vernässte Retentionsräume wie auf unserem Foto bei Tietjens Hütte freuen. Foto: Möller Nicht nur Schlittschuhläufer, auch Naturschützer würden sich dieser Tage über vernässte Retentionsräume wie auf unserem Foto bei Tietjens Hütte freuen. Foto: Möller
Regendefizit

Hammeniederung: Warten auf das Eislaufparadies

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Wenn die Hamme über die Ufer tritt, erfreut das – gerade im Winter – nicht nur Schlittschuhläufer. Auch Naturschützer sehnen höhere Pegelstände herbei, denn bald treffen die ersten Zug- und Rastvögel in der Region ein.

„Vor ein paar Jahren hatten wir rund um Tietjens Hütte ein richtiges Eislaufparadies. Da kam sogar das Fernsehen vorbei“, erinnert sich Johannes Kleine-Büning, Leiter des Planungs- und Naturschutzamtes der Osterholzer Kreisverwaltung. Momentan sei daran jedoch nicht zu denken, auch wenn die frostigen Temperaturen die so genannten Retentionsräume in der Hammeniederung durchaus in riesige Eisflächen verwandeln könnten. 

Diese Flächen, insgesamt rund 720 Hektar groß, wurden ab dem Jahr 2004 eingerichtet, um praktisch das über die Ufer getretene Wasser länger halten zu können. „In den 50er Jahren trat die Hamme regelmäßig über die Ufer“, erklärt Johannes Kleine-Büning.

Ein- und Auslaufbauwerke halten das Wasser

Durch die Regulierung über die Ritterhuder Schleuse sowie Weservertiefungen werde die Hammeniederung mittlerweile jedoch ganz anders entwässert. Um Zug- und Rastvögeln, die laut Kleine-Büning zwischen Ende Januar und März eintreffen, dennoch vernässte Flächen anbieten zu können, wurden die beschriebenen Überschwemmungsflächen eingerichtet.

Tritt die Hamme über die Ufer, überschwemmt das Wasser die Flächen. Per Ein- und Auslaufbauwerk kann dieser Zustand dann gehalten werden. „Das geschieht in enger Abstimmung der Naturschutz- und Wasserbehörden“, sagt Kleine-Büning.

Seit fünf Monaten Niederschlagsdefizit

Künstlich ließen sich die Retentionsräume jedoch nicht auffüllen. Etwa über die Ritterhuder Schleuse Wasser aufzustauen, würde demnach auch zahlreiche private Flächen, etwa landwirtschaftlich genutzte, fluten. „Das geht nicht“, so der Amtsleiter.

Also heißt es: Warten auf den Regen. „Wir haben seit fünf Monaten ein Niederschlagsdefizit“, erklärt Dr. Hans-Gerhard Kulp von der Biologischen Station ­(BioS) Osterholz. „Der Regen reichte einfach nicht aus, auch wenn wir uns natürlich über jede Überschwemmung der Retentionsflächen freuen würden.“

Es hat schon sämtliche Wetterlagen gegeben

Müssen Naturschützer und Eisläufer die Hoffnung auf vernässte Wiesen für diese Saison also schon begraben? „Nein, es gibt nichts, das wir nicht schon gehabt hätten“, beruhigt Andreas Burfeind, Geschäftsführer des Gewässer- und Landschaftspflegeverbands (GLV) Teufelsmoor.

Es habe schon Zeiten gegeben, in denen die Flächen von November bis April gefüllt gewesen seien. Ebenso gebe es eben auch Winter, die niederschlagsärmer ausfielen.

Sammelverordnung erlaubt auch künftig das Eislaufen

Johannes Kleine-Büning erklärt, dass auch die Sturmflutlage der vergangenen Tage an der Nordsee maximal indirekten Einfluss auf die hiesigen Pegelstände haben könne. So fließe die Weser bei Sturmflut schlechter in die Nordsee ab, die Lesum dadurch schlechter in die Weser und die Hamme eben schlechter in die Lesum. „Kommt dann noch Regen hinzu, könnten sich die Retentionsräume füllen“, beschreibt er.

Und betont, dass die neue, lang diskutierte Sammelverordnung auch künftig ausdrücklich vorsehe, das Eislaufen auf den Retentionsflächen zu erlauben. „Es freut uns, wenn Naturschutz und Freizeitvergnügen so gut kombiniert werden können.“

Vortrag bei der Biologischen Station Osterholz

Übrigens: Für den kommenden Freitag, 20. Januar, lädt die Biologische Station Osterholz, Lindenstraße 40 in Osterholz-Scharmbeck, zu einem Vortrag „Die Hammeniederung – Überschwemmungslandschaft, Naturschutzprojekt und Eislaufparadies“. Tasso Schikore spricht ab 19.30 Uhr über den besonderen Reiz der Hammeniederung im Winter.

Die Teilnahme kostet 3 Euro. Es wird um vorherige Anmeldung unter der Telefonnummer 04791/9656990 gebeten.

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