ein nutria frisst paprika. foto: pixabay Sieht süß aus, richtet aber großen Schaden an: das Nutria. Foto: pixabay
Bremen

Nutrias setzen Bremens Landwirten zu

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Die Nutria vermehren sich in Bremen rasant. Mit ihren Bauten durchlöchern sie die Deiche. Landwirte beklagen große Schäden. Eine gesetzliche Grundlage zur Bejagung der wühlenden Biberratten gibt es hier aber noch nicht.

„Wir können den Tieren nur freundlich zulächeln und ihre Schäden wieder beseitigen“, sagt Wilfried Döscher, Geschäftsführer des Deichverbands am rechten Weserufer. Gemeint ist die Nutria, eine aus Südamerika stammende Biberratte mit einem Gewicht von bis zu 14 Kilogramm und sechs Zentimeter langen, orangenen Nagezähnen.

Einst auf Pelzfarmen in der ehemaligen DDR gehalten, sind sie spätestens seit der Wende auf freiem Fuße unterwegs – und das vorwiegend in der Nähe von Gewässern.
Nutria wühlen sich über der Wasseroberfläche in Deiche und Böschungen und machen so den Untergrund instabil.

Nutria-Bau. Foto: Deichverband

Ein Nutria-Bau. Foto: Deichverband

Ihre Bauten haben einen Durchmesser von rund 30 Zentimetern und verzweigen sich über mehrere Meter. In Niedersachsen ertrank ein Landwirt, als sein Traktor einbrach und in einen Graben stürzte. „Auch unsere Mitarbeiter sind mit schweren Maschinen am Uferrand unterwegs, es ist eine Frage der Zeit, wann etwas passiert“, sagt Döscher.

Höhere Vermehrungsrate als ein Kaninchen

Vor allem im Niederblockland und am Hodenberger Deich haben die so genannten Neozoen sich ausgebreitet und durchlöchern die Deiche. Ihre Stärke: Sie vermehren sich rasant. Schon fünf Monate alte Jungtiere können sich fortpflanzen. „Ein Kaninchen ist ein glatter Versager dagegen“, sagt Dö­scher. Denn Nutria paaren sich ganzjährig und haben eine kurze Tragzeit.

Innerhalb von drei Jahren kann ein Paar so bis zu 16.000 Nachkommen produzieren. Seit dem vergangenen Jahr ist in Bremen ein deutlicher Anstieg der Population zu beobachten, inzwischen werden auch Paare mit Jungtieren gesichtet.

Das Problem: Nutria dürfen in Bremen nicht bejagt werden, obwohl sie laut einer EU-Verordnung mit allen Mitteln bekämpft werden sollen. „Bremen muss sich daran halten“, sagt Marcus Henke, Vorsitzender der Landesjägerschaft Bremen. Beide Bremer Deichverbände haben inzwischen einen Antrag auf Bejagung gestellt.

„Ein Wettlauf gegen die Zeit“

„Es kommt auf jeden Tag an und eine Ausnahmeregelung würde uns schon helfen“, so Henke. Die Schäden, die durch Nutria entstehen, sind sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich erheblich: „Wenn wir jetzt nichts tun, kommt eine nicht absehbare Höhe von Kosten auf Bremen und die Landwirte zu“, sagt Henke.

Derzeit erarbeitet das zuständige Ressort eine Änderung des Jagdrechts, um der Population der Tiere Herr zu werden. Henke und Döscher drängen: „Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit und jeder Tag zählt.“

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