X-Recycling Station Borgfeld-3sp. Foto: Schlie Auf den Recyclingstationen, wie hier in Borgfeld, kann man Gartenabfälle aus Bremen entsorgen. Grünschnitt aus dem Umland hat dort aber nichts zu suchen. Foto: Schlie
Illegale Entsorgung

Bremen ist ein Eldorado für Mülltouristen

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Warum in Niedersachsen etwas für die Entsorgung von Abfall bezahlen, wenn man ihn in Bremen umsonst loswerden kann? Dies scheinen sich etliche Umländler zu denken, die es als Mülltouristen in die Hansestadt zieht.

Auf den Recyclinghöfen sind die Besucher aus dem Umland unterdessen unbeliebt. Schließlich ist die Entsorgung von Sperrmüll und Gartenabfällen auch für die Bremer nicht kostenlos, sondern wird über die Müllgebühren finanziert.

Deswegen dürfen dort aber auch nur Abfälle aus der Stadt entsorgt werden, erklärt Antje von Horn vom Umweltbetrieb Bremen. Für die Niedersachsen sind die Recyclinghöfe daher eigentlich tabu.

„Wir wollen verhindern, dass Abfälle wandern.“

Lediglich auf der Blocklanddeponie dürften entsprechende Abfälle daher gegen Gebühr entsorgt werden. In der Realität sieht man auf den Recyclinghöfen – vor allem an der Landesgrenze wie in Oslebshausen oder Borgfeld – unterdessen viel häufiger auswärtige Kennzeichen.

„Die Kollegen sind angehalten, auf die Kennzeichen zu schauen, Stichprobenkontrollen vorzunehmen und auswärtige Besucher abzuweisen. Im Blockland wird es sogar rigoros kontrolliert“, berichtet von Horn: „Wir wollen es den Umländlern so schwierig wie möglich machen. Wir wollen verhindern, dass Abfälle wandern.“

Viele Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen

Allerdings stoßen die Mitarbeiter der Reyclinghöfe bei den Kontrollen schnell an ihre Grenzen. Zu den Hochzeiten werde nicht so viel kontrolliert, räumt von Horn ein. Zudem gebe es bei Kontrollen immer wieder Diskussionen und Beschwerden.

Schließlich kämen viele Bremer auch mit Firmenwagen oder Fahrzeugen mit auswärtigen Kennzeichen. Da könnten die Mitarbeiter dann lediglich nach dem Personalausweis fragen oder nach einem Abfallgebührenbescheid aus Bremen.

Keine Zahlen über illegalen Abfalltourismus

„Eine durchgängige Kontrolle gibt es nicht“, erklärt auch Thomas Katzke aus dem Umweltressort: „Das wäre ein Riesenaufwand, der betrieben werden müsste und ein sehr großer bürokratischer Aufwand.“

Es werde auch nicht erfasst, wie viele Besucher aus dem Umland auf den Recyclinghöfen abgewiesen werden, daher gebe es auch keine Zahlen über den illegalen Abfalltourismus, fügt Katzke hinzu. Lediglich eine Nutzeranalyse aus dem Jahr 2011 liefere Anhaltspunkte.

Die Bremer zahlen

Danach kämen weniger als sechs Prozent der Besucher aus den Nachbargemeinden. Das entspricht bei jährlich rund 1,7 Millionen Anlieferungen auf den Recyclinghöfen allerdings bereits über 100.000 „Importe“ aus dem Umland, die auf Kosten der Bremer Gebührenzahler gehen.

Auch mengenmäßig sind das keine Peanuts: Schließlich werden jährlich insgesamt 50. bis 60.000 Tonnen Abfall (davon 28.000 Tonnen Grünschnitt) bei den Recyclingstationen entsorgt.

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