Bienenexperte Friedrich Pohl bei der Arbeit am Bienenvolk in einer so genannten Golz-Beute, die ein besonders rückenschonendes Imkern erlaubt. Foto: pv
Trend: Stadt-Imkern

Urban Beeing: Hoffnung für die Honigbienen

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300 Imker in der Hansestadt: Auch in Bremen wird Urban Beeing immer mehr zum Trend. Doch den Bienenhaltern geht es dabei gar nicht um den Honig. Der Grund ist viel mehr ein uneigennütziger.

Während das Insektensterben auf dem Lande unvermindert weitergeht, besteht zumindest für die Bienen Hoffnung auf Besserung. Durch einen Zufall haben Forscher ein neues Mittel gegen die schon vor Jahrzehnten eingeschleppte Varroa-Milbe gefunden. Diese Milbe ist ein kleiner aber tödlicher Parasit, der der Honigbiene und ihrer Brut das Leben schwer macht und – ohne Behandlung – ganze Völker vernichten kann.

Imkern in der Stadt, das so genannte Urban Beeing, liegt in Bremen genauso wie in Hamburg und anderen Großstädten im Trend. Schließlich machen in der Stadt keine Insektizide und Monokulturen die fleißigen Tieren zu schaffen und in den Vorgärten, Grünflächen und Innenhöfen finden sie trotzdem ausreichend Kräuter und Blumen.

Blutsaugender Parasit

Gegen die in den 1970er-Jahren aus Asien eingeschleppte Varroa-Milbe half aber auch den städtischen Imkern bislang nur die „weiche Chemie“, wie sie der Bienenexperte Dr. Friedrich Pohl vom Bremer Veterinäramt nennt.

Vor allem mit organischen Säuren konnte der blutsaugende Parasit bislang in Schach gehalten werden. Allerdings sind auch Mittel wie die Ameisensäure für die Bienen nicht unschädlich und dürfen auch nur nach der Honigernte eingesetzt werden, damit sich keine Rückstände im Honig finden.

Antidepressiva helfen Bienen

Umso erfreulicher war für die Imker da die Nachricht von der Universität Hohenheim: Bei der Suche nach einer gentechnischen Methode gegen die Varroa-Milbe entdeckten die Forscher bei einer Kontrollgruppe zufällig, dass auch Lithiumchlorid gegen den Parasiten wirksam ist.

Ein Salz, das leicht verfügbar und einfach anzuwenden ist und auch schon als Antidepressivum in der Humanmedizin angewandt wird. Der Biologe Pohl warnt dennoch vor allzu großen Hoffnungen auf dieses „Wundermittel“.

Da das Lithiumchlorid die Bienenlarven schädigen könne, dürfe man es nur bei Völkern ohne Brut zufüttern und die gebe es eben nur bei Schwärmen oder in der kalten Jahreszeit. Gerade im Winter habe man aber mit der Oxalsäure bereits ein sehr wirksames Mittel gegen die hartnäckige Varroa-Milbe, die sich mittlerweile in jedem Bienenvolk finde, erläutert Pohl. Er rät deshalb, auf jeden Fall bei den bewährten Behandlungsschritten zu bleiben.

Mehr Helfen, weniger Honig

Hoffnung für die Honigbienen sieht er unterdessen aus einem ganz anderen Grund: „Vor zehn Jahren  haben wir befürchtet, dass die Imker in Bremen aussterben“, berichtet Pohl. In den vergangenen Jahren hätten sich aber wieder viel mehr Menschen für die Imkerei begeistert. So gebe es in Bremen mittlerweile wieder 300 Imker mit knapp 2.000 Völkern.

Vielen der Neuimker gehe es dabei nicht in erster Linie um den Honigertrag, sondern darum, den Bienen zu helfen und die Bestäubung der Pflanzen zu sichern, hat Pohl beobachtet. Deswegen hätten viele dieser oft auch jüngeren und weiblichen Imker auch nur zwei bis drei Völker, die im eigenen (Klein-)Garten oder seltener auch auf dem Balkon stehen haben.

Weitere Infos zur Imkerei in Bremen gibt es beim Imkerverein Bremen von 1875 (bremer-imker.de) und beim Imkerverein Bremen-Blumenthal (imkerverein-bremen-blumenthal.de).

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