Die Fantastischen Vier treten am 23. Januar in Bremen auf – mit neuer Lichtshow und neuen Songs, kündigt Thomas D an. Foto: Robert Grischek
Interview

Fanta 4 kommen nach Bremen: „Deutlichere Worte“

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Was können die Fans auf der neuen Tour erwarten? Was verbindet die Band mit Bremen? Und das neue Album? Wir haben mit Thomas D von den Fantastischen Vier im Vorfeld zum anstehenden Konzert in Bremen gesprochen.

Weser Report: Die Fantastischen Vier machen seit fast 30 Jahren zusammen Musik. Welche Songzeile aus dieser Zeit ist Euch die liebste?

Thomas D: Schwierige Frage, weil wir uns tatsächlich reihenweise in Songzeilen verlieben und viel Gewicht in jede Zeile und jeden Buchstaben legen. Aber auf dem Album „Captain Fantastic“ fand ich das grandioseste, wie wir eine Writing-Session hatten zu „Tunnel“ und der Smudo mit seiner Schreibblockade mal wieder an zwei von drei Tagen schweigend in der Ecke saß und dann plötzlich sagt: Wuddel, wuddel, Buddel voll Rum. Und daraus wurde: Der Rest der Kugel, der googelt sich dumm, ich buddel‘-buddel‘, buddel‘ voll Rum. Junge, Junge, die Pumpe, die pumpt. Rumpedipumpel, pumpeldipumm. So dadaistisch und wahnsinnig lustig kann nur Smudo sein.

Mit dem neuen Album sind die Fantas ein Stück gesellschaftskritischer geworden. Wie kam das?

Normalerweise will ein Künstler ja immer etwas sagen, was ewig Bestand hat. Es ist ja auch so toll bei Musik, wenn man Jahrzehnte später ein Lied hört von einem Künstler, der vielleicht schon gestorben ist, und man erkennt sich selbst in den Zeilen wieder und denkt: Der spricht mir aus dem Herzen. Woher kann der wissen, dass ich mich jetzt so fühle? Und wenn man jetzt gesellschaftskritischer und näher am Geschehen ist, dann kann es passieren, dass die Platte draußen ist, wir damit auf der Bühne stehen, und das alles dann schon wieder Vergangenheit ist. Aber manchmal denkt man auch: Scheiß auf die ganze Ewigkeit. Und dann muss es einfach raus. Im Rahmen der Flüchtlingskrise und unserer Situation der Welt und wie manche Menschen darauf reagieren – mit Rechtspopulismus, der uns versucht zu trennen, obwohl wir doch eigentlich eins sind – mussten wir deutlichere Worte wählen. Es wäre ja wunderschön, wenn über das Lied „Endzeitstimmung“ jemand in ein paar Jahren sagt: Ich verstehe gar nicht, was die da singen. Das gibt es doch alles gar nicht mehr.

Die Fantastischen Vier gelten als Wegbereiter des deutschen Sprechgesangs. Wie hat sich die Sprache im Hip Hop verändert?

Die deutsche Sprache im Hip Hop hat sich krass verändert. Letztens haben sie „Frohes Fest“ vom Index genommen. Nach 25 Jahren. Ich weiß auch nicht mehr genau, was wir gerappt haben, aber es war wohl sehr anstößig. Und wenn man sich heute Rap-Texte anhört, dann sind das ja Kindergeschichten, die wir in „Frohes Fest“ erzählen. Damals war man noch empfindlicher. Die ganze Spielbreite von asozial bis lustig und tiefsinnig war ja schon immer vertreten. Die ist auch nach wie vor da, aber ich habe das Gefühl, dass wieder weniger Inhalt gefragt ist. Und als wir angefangen haben, gab es noch gar kein Selbstverständnis, auf Deutsch Musik zu machen. Das hat sich zum Glück auch entwickelt.

Verändert haben sich auch die Möglichkeiten, als Fan auf eure Musik zu reagieren. Früher gab es Fanbriefe, heute sind es eher Tweets und Kommentare bei Facebook. Schaut Ihr Euch das in den Netzwerken an?

Also ich bin der Meinung, ich mache die News. Andere schreiben darüber, wieder andere kritisieren das, was andere schreiben. Ich sehe das nicht so als meine Aufgabe das selber zu machen, weil es mich wahnsinnig macht. Das ist wie Berichte über mich lesen oder Interviews. Wenn ich etwas lese, was ich schon gesagt habe, dann langweilt mich das. Ich bleibe lieber auf der Seite dessen, der die News schafft, und andere sollen sich damit auseinander setzen.

Die Fantastischen Vier prägen ja inzwischen mehrere Generationen. Wie macht sich das bei den Konzerten bemerkbar?

Unsere Fans sind nicht nur mitgewachsen, sondern es sind immer wieder Kinder und Jugendliche nachgekommen. Am Anfang denkt man noch: Ach die wurden von ihren Eltern mitgezogen. Aber irgendwann merkt man, die sind freiwillig hier. Wir feiern mit Einigen 30 Jahre Musikgeschichte, Andere waren vielleicht die Hälfte der Zeit noch gar nicht am Leben. Es ist ein ganz lustiges Feld und ein großer Gemischt-Warenladen.

Am 23. Januar ist das Konzert in Bremen. Gibt es eine besondere Erinnerung an die Stadt?

Unser Gitarrist hat ein paar Freunde da, die wir regelmäßig besuchen. Ich kenne noch einen alten BMXer-Kumpel. Der kommt auch immer noch zu Konzerten und wenn ich in Bremen bin, treffen wir uns wieder. Also es sind ein paar persönliche Verbindungen und Erinnerungen an schöne Konzerte.

Was erwartet die Zuschauer bei Eurer aktuellen Captain Fantastic-Tour?

Wir haben das Programm im Vergleich zu den Festivals komplett umgestellt. Wir bringen noch mehr Lieder von der aktuellen Platte mit. Es wird mit Sicherheit keine Langeweile aufkommen. Es ist ein sehr schnelles zügiges Programm. Wir haben eine neue Lichtshow und neue Inhalte auf den Videowänden. Das Konzept ist grandios und unterscheidet sich deutlich von den Shows der vergangenen Jahre. Wir feiern das alle und sind sehr begeistert.

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