Wenn ein Kind nicht mehr nach Hause kommt und unauffindbar ist, muss es nicht immer einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein. Oft handle es sich um Ausreißer. Die Gründe dafür können laut Polizei vielfältig sein: Stress mit den Eltern oder auch Probleme in der Schule. Foto: pixabay
Ermittlungen

Verschwundene Kinder

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60 Fälle von vermissten Minderjährigen gab es im vergangenen Jahr in Bremen. Wie die Polizei bei solchen Fällen vorgeht.

Das Gefühl, wenn das eigene Kind verschwindet, die Ungewissheit, es vielleicht nie mehr wiedersehen zu können – es muss für Eltern nur die Hölle sein.

Durch diese mussten auch die Eltern der 13-jährigen Luciana. Die Bremer Schülerin brach morgens zuhause auf, wollte zum Unterricht gehen. Doch dort kam sie nie an. Fünf Tage mussten die Eltern um ihre Tochter bangen, dann tauchte Luciana wieder auf. Aufmerksame Bürger hatten das Mädchen im Bremer Osten erkannt. Laut Polizei sei sie „soweit wohlauf.“

Nicht alle Fälle gehen glimpflich aus

60 Fälle von vermissten Minderjährigen gab es 2018 laut Polizei in Land Bremen – etwas mehr als im Jahr zuvor. „In allen Fällen 2018 tauchten die Kinder wieder auf“, sagt Franka Haedke, Sprecherin der Polizei Bremen. Die meisten Vermissten seien von zu Hause weggelaufen. Hinweise auf Straftaten habe es nicht gegeben, sagt die Polizeisprecherin.

Nicht alle Fälle gehen so glimpflich aus, wie der Fall der kleinen Adelina zeigt. Die Zehnjährige verschwand 2001 spurlos. Sie hatte ihren Urgroßvater in einem Hochhaus in Bremen-Kattenturm besucht, verabschiedete sich, kam nie wieder nach Hause. Wochen später wurde ihre Leiche in einem Wäldchen in Weyhe entdeckt. Die Spuren wiesen auf Missbrauch und Tötung hin. Aufgeklärt wurde der Fall nie.

Es gilt, sofort zu reagieren

„Wenn ein Kind als vermisst gemeldet wird, dann hat das für uns oberste Priorität“, sagt Haedke. Grundsätzlich gehe die Polizei von einer Gefahr für Leib oder Leben aus. Denn anders als bei verschwundenen Erwachsenen seien Kinder in ihrem Handeln und Urteilsvermögen eingeschränkt, erklärt die Polizeisprecherin.

Als vermisst gelte ein Kind bereits, wenn es seinen gewohnten Lebenskreis verlassen hat und der Aufenthaltsort nicht bekannt ist. Im Regelfall gehe eine Anzeige der Eltern bei der Polizei voraus. Dann gelte es, sofort zu reagieren, sagt Polizeisprecherin Haedke.

So geht die Polizei bei vermissten Kindern vor

Zunächst versucht die Polizei, den letzten Aufenthaltsort der vermissten Person zu bestimmen und eventuelle Gründe für das Verschwinden zu ermitteln – „sich ein Bild machen“, sagt Haedke. Ist das Kind schon einmal in der Vergangenheit auffällig geworden? Ein erster Anlaufpunkt dafür: das Elternhaus des Kindes. Doch auch Verwandte, Freunde, Lehrer stehen auf der Gesprächsliste der Ermittler.

Bei der Suche nach einem Kind könne die Polizei aus dem gesamten Repertoire der technischen Fahndungsmittel schöpfen: Spürhunde, Helikopter mit Wärmebildkameras, Polizeitaucher – je nach Verhältnismäßigkeit des Falles, erläutert die Polizeisprecherin.

Werde ein Kind gefunden, käme es in zunächst in staatliche Obhut, „bis eine Rückführung des Kindes gewährleistet ist“, sagt Haedke. Die Maßnahme sei nicht mit einer Festnahme zu verwechseln. Sie erfolge zum Schutz der Kinder.

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