„Das ist nicht mehr mein Deutschland“, sagt Angela Merkel (Silke Buchholz). Nach einem Inkognitobesuch im Bundestag trifft sie ihren ehemaligen Fahrer (Markus Seuss). Foto: Marianne Menke
Uraufführung

Theater über Merkel: Angela, die Unvollendete

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Demokratie ist anstrengend. Theater kann es auch sein. Die Uraufführung von „Angela I.“ von der Bremer Shakespeare Company war es auf alle Fälle.

Die Frage ist reizvoll und gleichermaßen aktuell: Wie geht es in Deutschland weiter, wenn Angela Merkel abgedankt hat? Katja Hense kann für sich in Anspruch nehmen, sie als eine der ersten zu einem Theaterstück verarbeitet zu haben.

Großes Interesse im Vorfeld

Entsprechend groß war das Interesse schon im Vorfeld der Premiere im Bremer Theater am Leibnizplatz. Imposant das Feld der regionalen und überregionalen Medienvertreter, von deren Anwesenheit die Reservierungsschilder zeugten: Zürcher Zeitung, Zeit online.

Gesehen haben sie eine Collage von Bildern. Mal stehen die sechs Schauspieler als klugscheißende Bobbycar-Bratzen auf der Bühne, dann wieder als Politiker, die verzweifelt erleben, wie das Land nach dem Abgang der Kanzlerin aus den Fugen gerät – sichtbar gemacht an einem bröckelnden Berg aus Lobby-Geschenken, der gleichzeitig Merkel als Rückzugsort dient.

Auf Dauer ermüdend

Die Darsteller bringen ihre Dialoge gekonnt auf die Bühne. Eingearbeitet sind jede Menge Polit-Plattitüden und Merkel-Floskeln. Eigentlich ganz witzig, auf Dauer aber ermüdend, da übertriebene Länge in Verbindung mit Höchsttempo zwangsläufig zum Gedanken-Stau und damit zum Not-Aus im Gehirn führt. Dabei bleiben ein paar hübsche Ansätze auf der Strecke, etwa die drei skatspielenden Ex-Kanzlergattinnen, die über Merkels Tun und Lassen richten.

Hensel hat versucht, ganz viele Phänomene der Zeit anzusprechen. Der Hass im Netz, die Politikverdrossenheit, die Wutbürger. Leider sind am Ende mehr Fragen offen als Antworten geliefert werden und der Zuschauer bleibt etwas ratlos zurück. „Angela I.“ wirkt unvollendet. Ein Rohdiamant, dem der letzte Schliff fehlt.

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1 Antwort

  1. Martin Korol sagt:

    Ein Roman, ein Theaterstück und das Leben sind gut zu ertragen und zu goutieren, wenn es einen Roten Faden gibt, wenn eine Hauptfigur erkennbar ist, egal, ob gut oder böse; und wenn das Tempo laufend wechselt – auf Ruhe folgen Bewegung, Innehalten, Tempo und Atemholen zu neuer Bewegung. Im Theaterstück „Angela II.“ geht es sehr temporeich zu. Die Hauptfigur kommt immer wieder vor, bleibt aber blass. Anstelle eines Roten Fadens gibt es durchgehend kluge und witzige Bemerkungen über das Leben und über die aktuelle Politik, aus denen sich der Zuschauer selbst den Schluss suchen muss. Das macht er gerne, weil die schauspielerische Leistung und das Bühnenbild überzeugen. Es ist aber eher eine Revue.
    Martin Korol, Bremen

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