Malermeister Thomas Kurzke ist jetzt Präses der Bremer Handwerkskammer. Die Amtszeit dauert fünf Jahre. Foto: Meister Malermeister Thomas Kurzke ist jetzt Präses der Bremer Handwerkskammer. Die Amtszeit dauert fünf Jahre. Foto: Meister
Interview

Kurzke: „Da werden Firmen bestraft“

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Der neue Handwerker-Präses Thomas Kurzke spricht im Interview über Ausbildung, Preise und Kunden.

Weser Report: Herr Kurzke, Aufträge stapeln sich, Umsätze steigen, 93 Prozent der Bremer Handwerksbetriebe rechnen laut Konjunkturumfrage mit einer positiven Entwicklung. Was soll da noch schiefgehen?

Thomas Kurzke: Im Moment herrscht sehr viel Euphorie auch durch den Bauboom, aber man muss das relativieren. Einige Betriebe haben sehr viel zu tun, andere verlieren gerade jetzt in der Ferienzeit Kunden. Die Handwerker in der Lebensmittelbranche, etwa die Schlachter, haben jetzt deutlich weniger zu tun. Die Entwicklung verläuft in den einzelnen Gewerken schon unterschiedlich. Insgesamt gesehen muss man aber sagen, dass die letzten Jahre sehr gut für das Handwerk waren, und die Aussichten nicht schlecht sind.

Einige Kunden müssen auf ihren Handwerker lange warten.

Der klassische Handwerksbetrieb hat einen festen Kundenstamm. Den bedient er natürlich zuerst, gerade in Zeiten, in denen viel zu tun ist. Bei vielen Handwerkern stehen auch private Kunden ganz oben auf der Liste.

Einige Betriebe haben die Preise erhöht. Wie stark steigen sie noch?

In einigen Bereichen ist eine Preiserhöhung spürbar, aber nicht im gesamten Handwerk. In meinem Gewerk, dem Malerhandwerk, sind die Preise nicht so nach oben gegangen wie in einigen technischen Gewerken. Ob die Preise weiter steigen, hängt von vielen Faktoren ab, auch davon, ob die Hersteller und Zulieferer für ihre Arbeiten höhere Preise fordern. Das ist schwer zu prognostizieren. Aber ich denke, dass wir den großen Sprung in den Preisen hinter uns haben. Kleinere Sprünge wird es sicherlich weiter geben.

Wie sehr profitieren die Bremer Handwerker von den vielen Baustellen hier?

Die meisten Baustellen werden von Projektentwicklern und Investorengruppen gemanagt, da geht auch viel am Bremer Handwerk vorbei. Viele Arbeiten werden bundesweit oder sogar europaweit ausgeschrieben. Große Baufirmen kommen häufig mit einem Komplettangebot und haben eine Liste mit Handwerkern, an die sie dann Aufträge vergeben. Einige Bremer Handwerker sind auch im niedersächsischen Umland unterwegs, aber viel weiter weg arbeitet eigentlich kaum jemand.

Wie wirken sich Internetportale wie MyHammer aufs Geschäft aus, in denen Tausende Handwerker aus ganz Deutschland ihre Leistung anbieten und der Kunde den günstigsten beauftragen kann?

Gerade im Handwerk brauchen die Kunden Fachkräfte, die vor Ort sind. Wenn ein Handwerker mehrere hundert Kilometer fährt, um eine Wohnung zu streichen, und kann aus irgendeinem Grund nicht alles streichen, dann kommt er nicht nochmal, nur um einen Heizkörper oder eine Fußleiste nachträglich zu streichen.

Die künftige Koalition will einen Ausbildungsfonds einrichten. Wer wenig oder gar nicht ausbildet, soll einzahlen. Das Geld kommt dann vorwiegend kleinen Betrieben zugute, die viel ausbilden, also klassischen Handwerksbetrieben. Wie sehen Sie das?

Der Fonds wird im Handwerk kritisch gesehen. Wir finden ja im Moment nur schwer Auszubildende. Und in manchen Berufen bekommen wir leider nicht immer die Bildungsstärksten oder müssen die freien Stellen mit niedersächsischen Schulabgängern besetzen. Insbesondere denen, die noch nicht den Anforderungen entsprechen, bietet das Handwerk Nachschulungen und weitere Unterstützung während der Ausbildung an. Dazu fühlen wir uns auch gesellschaftlich verpflichtet. Und in dieser Situation wird jetzt über eine Ausbildungsabgabe gesprochen. Damit werden Firmen bestraft, die keine oder nicht genügend Bewerber für eine Ausbildung finden. Und ein zweiter Punkt stört mich: Es wird wieder eine staatliche Verordnung sein. Wir haben im Handwerk in vielen Gewerken funktionierende Tarifsysteme. Hier handeln wir mit dem Tarifpartner, also den Gewerkschaften, alles aus. Auf der Ebene würde ich mir das wünschen, aber nicht von einer Landesregierung oder einer Stadtregierung.

Inwieweit sind die teilweise niedrigen Ausbildungsvergütungen ein Grund für den Mangel an Nachwuchs?

Wer heute zur Hochschule oder zur Uni geht, wird sehr lange ausgebildet und verdient viele Jahre lang nichts. Wir zahlen Auszubildenden eine Vergütung. Das Problem ist nicht das Geld. Es gibt Gewerke, die zahlen unterschwellig, und trotzdem stehen die Bewerber dort Schlange. Wir haben vielmehr ein Imageproblem. Das ist unser Hauptproblem. Wir müssen uns besser darstellen, wir müssen ansprechender werden für junge Leute. Wir sind gerade dabei, auch Studienabbrecher anzusprechen

Die künftige Koalition will pro Berufsschüler mehr Geld für die Berufsschulen ausgeben. Was muss da dringend getan werden?

Wir haben Bereiche, in denen die Berufsschulen sehr gut aufgestellt sind, etwa im Lebensmittelbereich. Wir haben auch Bereiche wie das Maler- oder Bauhandwerk, wo viel passieren muss, wo Fachlehrer fehlen. In einigen Schulen zieht es durch die Fenster. Auch die digitale Ausstattung reicht nicht aus.

Welche Aufgaben werden Sie als neuer Präses noch anpacken?

Unser Bildungshaus muss weiter modernisiert und laufend dem technischen und digitalen Fortschritt angepasst werden. Das ist mir ganz wichtig. Und ich möchte das Haus der Handwerkskammer wieder mehr in den Mittelpunkt rücken, als Haus der Handwerkerfamilie. Die Handwerker sollen sich hier wohlfühlen, hier sollen sie bei Bedarf Hilfe finden, und wir müssen noch mehr Fortbildung anbieten. Der Mangel an Fachkräften ist so bedrohlich, dass ich zu bezweifeln wage, ob es in 20 Jahren noch die gleiche Anzahl an Handwerksberufen gibt wie heute. Dem müssen wir entgegensteuern, um unseren Kunden auch zukünftig ein individuelles Angebot vor Ort unterbreiten zu können.

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3 Antworten

  1. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Preisbildungs- und Ausbildungsprozesse klaffen immer weiter auseinander

    Sofern der Stundenlohn in der Verwaltung, auf den eines Handwerkers angehoben wird, werden vom privaten Kunden mehr Fachkräfte aus dem Handwerk eingesetzt. Um bei den Preissprüngen und Lohnforderungen mitzuhalten, muss die Verdi aber erst einmal dafür sorgen, dass sie Fachkräfte ausbildet, um diesen Stundenlohn zu rechtfertigen. Gleiches gilt für die Wissenschafts- und Schulbehörde. Die Studienzugangsstrukturen benötigen zwar auf der einen Seite, wegen der Transparenz, nicht mehr gut gebildete Schüler, um sie aufnehmen zu können. Zum Akademiker, der in vielen Fällen auch Handwerker bedarf, werden aber auch viele Menschen gemacht, deren Ausbildung nach Angaben der Wirtschaft nur maximal dazu reicht, sie prekär zu beschäftigen und die sich deshalb keinen Handwerker leisten können. Fachkräfte mit akademischen Abschluss, die zu gebrauchen sind, werden deshalb schon lange von der Wirtschaft importiert und vom Staat eingebürgert.

  2. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Wer heute zur Uni geht, lernt Schwerbehinderte auszugrenzen.

    Hier ein Link, der sich mit einem Beitrag eines Betroffenen, gegen diskriminierende und ausgrenzende Handlungsweisen einer Berufsgruppe wendet. Die bekommt den Hals nicht voll genug, wie beispielsweise auch die der Ärzte, die in Bremen gar nicht ausgebildet werden. die ihren Ursprung an der Hochschule Bremen nahmen und auch von Absolventen der Uni Bremen forciert worden sind. Das Bundesverfassungsgericht hat diesbezüglich dem intervenierenden Betroffenen ein Aktenzeichen vor dem ersten Senat vergeben.

    https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2019/_06/_25/Petition_96438/forum/
    Beitrag_628686.$$$.batchsize.10.tab.1.html

    Der Betroffene hat indes eine eigene Petition geschaltet, die noch zur Mitzeichnung steht.

    https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2019/_05/_22/Petition_95229.nc.html

  3. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Eine Petition 96438 mit einem unfassbarem Inhalt ist auf den Seiten des Deutschen Bundestages online. Im Diskussionsforum hierzu, Hintergründe, wie Akademiker auch beider Bremer Hochschulen in Bremen gegen Minderheitenvertreter gepolt sind.

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