Die Ausstellung "Der mobile Mensch" im Universum Bremen zeigt interaktiv eine mögliche emissionsfreie Zukunft. Fotos: Universum Bremen Die Ausstellung "Der mobile Mensch" im Universum Bremen zeigt interaktiv eine mögliche emissionsfreie Zukunft. Fotos: Universum Bremen
Ausstellung

Der mobile Mensch im Universum Bremen

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Die aktuelle Sonderausstellung im Universum Bremen beschäftigt sich mit dem Thema Mobilität.

Die Idee, einen Bruchteil der Bremer Innenstadt autofrei zu gestalten, hat für höchst erregten Widerspruch gesorgt. Dabei ist wissenschaftlicherseits längst klar, dass die fossil befeuerte Durchquerung des Raumes von A nach B als Auslaufmodell ins Technikmuseum gehört.

Die Zukunft der Mobilität werde emissionsfrei, individueller, diverser und komplett vernetzt sein, zeigt eine Ausstellung im Universum Bremen.

Nicht mehr die Bedürfnisse der Autos werden die Städte formen, sondern eine nicht mehr an Status und Besitz gekoppelte, ökologisch verträgliche Fortbewegung die Vehikel prägen. Da nicht jeder geneigt ist, sich mit Zeitungsdossiers, Podcasts und wissenschaftlicher Literatur fit zu machen für diese gerade auch in der Hansestadt höchst virulente Debatte, bietet das Universum Bremen seine 19. Sonderausstellung bis August 2020 als Grundstudium an: „Der mobile Mensch – Deine Wege. Deine Entscheidungen. Deine Zukunft“.

Für jeden ein anderer Weg

Zum Soundtrack aus eingespieltem Verkehrs- und Naturlärms sowie live erzeugter Indoor-Spielplatz-Klangkulisse können die Nutzer das eher sperrige Thema auf völlig unterschiedlichem Vertiefungsniveau genießen.

Während Kinder ab zwölf Jahren in sehr schlichten Computerspielsituationen herumagieren, wird ihnen der Kerngedanke der Schau vertraut gemacht werden: Seht her wie Lebensräume von Fortbewegungsmitteln beeinflusst werden und wie viel unterschiedliche Modelle mit ganz anderen Umweltfolgen es gibt, als die des alltäglich genutzten Autos.

Eltern können sich derweil ganz viel Lesestoff aneignen zum Hinter- und Unterfüttern von Fragen nach der Bewegung im Futur. Können auch Trends entdecken, die in der Region gerade ausprobiert oder angedacht werden.

Wie der Einsatz elektrobetriebener Lastenfahrräder in Bremen oder der Plan, Elektrobusse in Stadtvierteln zirkulieren zu lassen, damit jedermann barrierefrei die Infrastruktur der Nachbarschaft nutzen kann und zum Einkaufen nicht durchs Internet surfen oder in die Innenstadt fahren muss.

Wie wollen wir uns bewegen?

Klimawandel, CO2-Ausstsoß, ökologischer Fußabdruck – sind so Themen in der Dauerausstellung des Universums, wo vor allem Naturphänomene erlebbar werden. Die Sonderschau ergänzt dies um die symbolische Darstellung von Problemlösungen einer im Autoverkehr erstickenden, urbanisierten Welt.

Wie wollen wir uns zukünftig bewegen – oder nur noch bewegt werden in selbst fahrenden Objekten? Acht Erlebnis- und Studierstationen fokussieren die Bedürfnisse der Besucher. Sie sollen sich als Mobilitätstyp definieren.

Hierzu werden die Anforderungen an die moderne Ortswechselei konkretisiert – es geht um Verfügbarkeit, Flexibilität und Sicherheit bis hin zu Information und Gesundheit. In Video-monologen berichten dazu Experten des Alltags wie all das vor ihrer Haustür gerade nicht funktioniert und welche Visionen sich daraus entwickeln lassen.

Alltagstaugliche Tipps im Universum Bremen

Für alle, die mutig unterweg sind: Balancieren über gläsernem Abgrund. Foto: UNiversum Bremen

Für alle, die mutig unterweg sind: Balancieren über gläsernem Abgrund. Foto: UNiversum Bremen

Auch Wissenschaftlern mit ihrer branchenüblichen Metaperspektive ist zu lauschen. An den Ausstellungswänden lungern derweil Daten und Fakten in der grafischen Akuratesse von Torten- und Säulendiagrammen. Auf sogenannten Ideentischen sind Best-Practice-Beispiele in Videoclips, aber auch in Laubsägearbeiten aus Plexiglas als 3-D-Standbilder zu sehen. Da gibt ein Mann seinen Autoschlüssel weiter, weil er das Gefährt gerade nicht benötigt, privates Carsharing also.

In einer weiteren dieser lustigen Szenen wird ein Auto mit irgendetwas beladen – als Hinweis darauf, es könnte bei jeder Fahrt auch zusätzlich noch Warentransporter sein. Sind so kleine Anregungen …

 

Beispiele aus der ganzen Welt

Auch über den Tellerrand wird geblickt – und ebenso kurz über New Yorks parkähnliche Nutzung stillgelegter Hochbahnstrecken berichtet wie über Montreal, wo zur Entschleunigung den Bahnreisewilligen neuerdings Plätze auf Schaukeln im Bahnhof angeboten werden.

Dank der exzessiven Informationsangebote ist eine Exposition von anregender Komplexität entstanden, die die Verweildauer von Ich-will-Spaß-Besuchern zwar eher kurz halten wird, alle anderen aber stundenlang beschäftigen könnte, sich mit Wissen fit zu machen für den Verkehrsdiskurs.

Interaktive Angebote

An einer Pedalstation lassen die Besucher das Grün immer höher wachsen.

An einer Pedalstation lassen die Besucher das Grün immer höher wachsen.

Extrem niederschwellig funktionieren die interaktiven Oasen. Also einfach mal auf einen Heimtrainer setzen und staunen: Je stärker man in die Pedalen tritt, desto dschungeliger wuchern an den Leinwänden drumherum der Efeu und die Wiesenblumen. Man ahnt die Botschaft: Radfahren ist gut für die Umwelt.

In einer Spiegelsimulation wiederum wird unendliche Tiefe suggeriert und ein schmaler Balken zum Überschreiten angeboten. Wer jetzt Angst spürt, so verheißt die Installation, sei wohl der Sicherheitstyp, der ohne Risiko mobil sein möchte, dem daher Schnelligkeit, Nachhaltigkeit oder Komfort nicht so wichtig seien.

Er wird an einer weiteren Station sicherlich wissen, was zu tun ist, wenn man abends nicht gern allein unterwegs ist. Die richtige Antwort lautet: mit anderen zusammen mobil sein.

Spielerisch zur richtigen Entscheidung

Und die Games? Sie werfen Fragen auf wie: Du willst eine Kiste Limonade kaufen, welches Verkehrsmittel wählst du? Aktiviert der Spieler aus den Angeboten nicht den Düsenjäger, sondern das Fahrradtaxi und führt es mit dem Finger auf dem Touchscreen über den Stadtplan von „Brematopia“ zum Getränkemarkt, urteilt der Computer: Das sei bequem und sicher. Und wenn die Oma mit dem Rollator etwas unternehmen will? Einfach mal die Straßenbahn anklicken. „Prima“, lautet das Lob.

In der Schau wird deutlich, die Zukunft gehört weniger den „Moving Styler“- denn den „Social Sharer“-Typen, wie das Universum sie nennt. Auch der „Smart Navigator“ ist bestens beleumundet, da er mit einer App, die Fortbewegungsmittel flexibel kombiniert, für jeden Weg die sauberste, günstigste, schnellste Verbindung findet und buchen kann. Mit dem Ziel komplett CO2-freier Mobilität.

Infos: universum-bremen.de

Text: Jens Fischer / Fotos: Universum Bremen

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1 Antwort

  1. Gunnar-Eric Randt sagt:

    Mieter wissen: Fassadenbegrünung schadet dem Mauerwerk.

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